Die Deutsche Telekom vollzieht einen Kurswechsel beim Netzausbau. Konzernchef Tim Höttges erklärte, das Ziel sei nicht mehr, möglichst viel Glasfaser zu verlegen, sondern wirtschaftlichen Wert für das Unternehmen zu schaffen. Profitabilität soll künftig vor Ausbautempo stehen.
Ausbau könnte sich verzögern
Branchenkenner rechnen damit, dass sich der Glasfaserausbau der Telekom um bis zu fünf Jahre verzögern könnte, sollte das Unternehmen sein Tempo tatsächlich drosseln.
Der Konzern selbst widerspricht solchen Befürchtungen und hält an seinem Ziel fest, bis 2030 rund 25 Millionen Haushalte mit Glasfaseranschlüssen zu erreichen – gemessen an sogenannten „homes passed“, also verlegten Anschlüssen unabhängig von der tatsächlichen Kundenzahl. Höttges betonte, der Ausbau richte sich künftig nach fünf definierten Zielvorgaben statt allein nach der reinen Anzahl neuer Anschlüsse.
Finanziell untermauert die Telekom ihren Kurs mit zusätzlichen Investitionen: 800 Millionen Euro mehr sollen über die kommenden drei Jahre fließen, insgesamt sind für den Zeitraum 2026 bis 2030 rund 30 Milliarden Euro vorgesehen. Das zeigt, dass von einem Ausbaustopp keine Rede sein kann – der Konzern justiert vielmehr die Prioritäten zwischen Reichweite und Rendite neu.
Kundenverschiebung vom Kupfer- zum Glasfasernetz
Die Zahlen aus dem zweiten Quartal illustrieren den technologischen Umbruch im deutschen Festnetzgeschäft. Die Telekom verlor 181.000 DSL-Kunden, gewann im Gegenzug aber 161.000 Glasfaser-Kunden hinzu. Dieser Austausch alter gegen neue Anschlüsse ist für Anleger keine Überraschung, bestätigt aber, dass sich die Migration hin zu Glasfaser fortsetzt – wenn auch nicht im Tempo, das sich mancher Marktbeobachter erhofft hatte.
Für Anleger ist die Botschaft klar: Höttges signalisiert, dass er nicht bereit ist, Marktanteile um jeden Preis zu erkaufen. Ein langsamerer, aber margenstärkerer Ausbau könnte sich mittelfristig positiv auf die Kapitalrendite auswirken – ein Aspekt, der angesichts der massiven Investitionssummen von 30 Milliarden Euro für Investoren von erheblicher Bedeutung ist.
Kursreaktion bislang verhalten
An der Börse zeigte sich am Freitag keine unmittelbar dramatische Reaktion auf die Ankündigung. Die Aktie schloss bei 28,69 Euro, ein Plus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vortag.
Auf Monatssicht steht dennoch ein deutliches Plus von 8,3 Prozent zu Buche, während der Titel binnen sieben Tagen um 1,1 Prozent nachgab. Vom 52-Wochen-Hoch bei 34,35 Euro, erreicht Ende Februar, ist die Aktie weiterhin rund 16 Prozent entfernt.
Die Strategiedebatte um den Glasfaserausbau reiht sich damit als neues Kapitel in ein Jahr ein, in dem der Konzern bereits mit Kapitalrückführungen und Netzthemen für Schlagzeilen sorgte. Wie sich der Balanceakt zwischen Ausbautempo und Profitabilität langfristig auf die operativen Kennzahlen auswirkt, dürfte sich erst in den kommenden Quartalsberichten zeigen, wenn belastbare Zahlen zu Kundenentwicklung und Marge im Glasfasergeschäft vorliegen.
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