Die Deutsche Telekom und Nexi sollen die Netzinfrastruktur für den digitalen Euro aufbauen. Die Europäische Zentralbank wählte das Konsortium am Freitag als einen von zwei Anbietern aus. Der Auftrag eröffnet der Telekom eine langfristige Rolle in dem Projekt. Eine öffentliche Einführung des digitalen Euro ist damit allerdings noch nicht beschlossen.
Zehnjähriger Vertrag mit begrenztem Volumen
Der Vertrag gilt seit dem 28. September und läuft über zehn Jahre. Sein Höchstwert beträgt rund 177,7 Mio. €. Diese Obergrenze bezieht sich auf den gemeinsamen Auftrag an Nexi und Deutsche Telekom, nicht auf einen allein der Telekom zugesagten Umsatz.
Für Anleger ist diese Unterscheidung wesentlich: Ein vertraglicher Höchstwert ist keine Zusage, dass das gesamte Volumen ausgeschöpft wird. Ebenso wenig lässt sich der Betrag vollständig als künftiger Telekom-Umsatz einordnen. Der Auftrag sichert dem Unternehmen eine konkrete Aufgabe beim Infrastrukturaufbau, rechtfertigt aber keine Gleichsetzung mit einem kurzfristigen Ergebnisschub.
Das Netz soll die Rechenzentren der Digital-Euro-Plattform mit nationalen Zentralbanken und Zahlungsdienstleistern verbinden. Der Vertrag umfasst zunächst auch die Anbindung für den Pilotbetrieb. Damit beginnt die Zusammenarbeit bereits vor einer möglichen öffentlichen Ausgabe der digitalen Währung.
Zwei Netze statt exklusiver Stellung
Die EZB setzt bewusst auf zwei Anbieter, um einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden. Neben Deutsche Telekom und Nexi wurde ein Konsortium aus Telefónica und Indra beziehungsweise dessen Tochter Minsait ausgewählt. Zahlungsdienstleister sollen zwischen den beiden Netzanbietern wählen können.
Der Vertrag des zweiten Konsortiums soll am 3. Mai 2027 beginnen. Beide Netze sollen 2029 für eine mögliche Ausgabe bereitstehen.
Für die Telekom bedeutet diese Konstruktion einen Zugang zum Projekt, aber keine exklusive Stellung. Die doppelte Vergabe begrenzt die Abhängigkeit der EZB von einem einzelnen Netzpartner und schafft zugleich eine Alternative für die angeschlossenen Zahlungsdienstleister.
Pilotbetrieb ist noch keine Einführung
Geplant ist ein zwölfmonatiger Pilot in der zweiten Hälfte 2027 mit 36 Zahlungsdienstleistern. Ausgewählte Händler sowie Beschäftigte der EZB und nationaler Zentralbanken sollen daran teilnehmen.
Dieser Test ist ausdrücklich keine öffentliche Einführung. Der digitale Euro soll Bargeld ergänzen und nicht ersetzen. Eine mögliche erste Ausgabe wird frühestens für 2029 angestrebt. Voraussetzung sind der europäische Rechtsrahmen und eine anschließende Entscheidung des EZB-Rats.
Die Anlegerbotschaft lautet deshalb: Die Telekom hat einen langfristigen Infrastrukturauftrag gewonnen. Dessen wirtschaftliche Bedeutung bleibt durch den gemeinsamen Vertragsrahmen und die noch offenen Entscheidungen zur Einführung begrenzt. Als nächster operativer Prüfstein zählt der geplante Pilotbetrieb, nicht bereits eine flächendeckende Nutzung des digitalen Euro.
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