Liebe Leserin, lieber Leser,
die Aktie der Deutschen Telekom schien die Erholungsphase nach ihrem Kursknick von Ende Juni zuletzt beendet zu haben. Von zuvor mehr als 29 Euro war sie vor gut einer Woche auf 27,77 Euro durchgereicht worden, nachdem Kepler Cheuvreux die Papiere nach dem jüngsten Lauf von „Kaufen“ auf „Halten“ abgestuft hatte. Doch gute eine Woche später ist die T-Aktie zurück, setzte sich am gestrigen Handelstag sogar an die Dax-Spitze – und erreichte wenigstens kurzzeitig wieder die 29 Euro. Der Grund: Ein Hedgefonds könnte dafür sorgen, dass eine von vielen kritisch gesehene Fusion endgültig vom Tisch ist.
Telekom-Aktie profitiert von Elliott-Aussagen
Denn laut übereinstimmender Medienberichte hat sich der aktivistische Investor Elliott eine größere Beteiligung an der Deutschen Telekom aufgebaut und spricht sich gegen eine Fusion mit der US-Tochter T-Mobile aus. „Stattdessen solle der DAX-Konzern andere Wege zur Steigerung des Unternehmenswerts prüfen, wie umfangreichere Aktienrückkäufe“, meldete tagesschau.de und beruft sich auf Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg. Wie hoch die Beteiligung von Elliott genau ist, sei unklar. „T-Mobile lehnte eine Stellungnahme ab. Elliott und die Telekom waren zunächst nicht zu erreichen“, so der Bericht.
T-Mobile US ist laut Handelsblatt an der Börse aktuell deutlich wertvoller (ca. 200 Milliarden Dollar) als der gesamte deutsche Mutterkonzern (ca. 160 Milliarden Dollar). Die Zusammenführung soll das europäische und amerikanische Geschäft bündeln, die Konzernstruktur vereinfachen und den Wert für Aktionäre massiv steigern, so zumindest der Plan von Telekom-Chef Tim Höttges. Doch gegen diese regte sich alsbald Widerstand:
- Der Bund hält rund 28 Prozent an der Deutschen Telekom und verlöre nach der Fusion seine Sperrminorität
- US-Minderheitsaktionäre fürchten derweil um den Bewertungsvorteil der getrennten Börsennotierung
JP Morgan hält T-Aktie für „extrem günstig“
Nun könnte den Bedenkenträgern unerwartet ein Unterstützer zur Seite springen. Prinzipiell sei nachvollziehbar, warum sich ein aktivistischer Investor für die Bonner interessieren könnte, schrieb Akhil Dattani von der US-Bank JPMorgan am Donnerstag anlässlich der Spekulationen um den Einstieg von Elliott. Die Aktie erscheine „extrem günstig trotz attraktiven Gewinnsteigerungen“, hieß es von seiner Seite. Die Aktie würden demnach belastet von „einem einzigartigen Cocktail strategischer Probleme“.
Zudem sei der im Raum stehende Zusammenschluss mit der US-Tochter T-Mobile US so komplex, dass sich eine breite Front dagegen gebildet habe, so Dattani. Auch hier könnte ein aktivistischer Investor auf der einen oder der anderen Seite Position beziehen. Für eine Neubewertung müsse die Telekom die künftige Beziehung zur US-Tochter plausibel machen und obendrein deren Probleme angehen, so der Analyst.
Kursziele liegen zwischen 35 und 40 Euro
Erst am Mittwoch hatte sich Dattani in anderer Sache zum Bonner Konzern geäußert: Der Abschied von Telekom-Finanzchef Christian Illek komme früher als erwartet, schrieb er. Er habe damit gerechnet, dass der Top-Manager bis zum Ende seines Vertrags im März 2028 im Amt bleibe. Angesichts des großen Erfolgs der Konzernspitze der Telekom stellten personelle Veränderungen ein gewisses Risiko dar. Dennoch beließ er die Einstufung für die T-Aktie auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 38 Euro.
Doch er ist nicht der einzige, der die Papiere derzeit für unterbewertet hält. Davon zeugen die Prognosen aus dem August, die finanzen.net auflistet:
- Barclays: 35,00 EUR, +18,64%
- UBS: 36,20 EUR, +22,71%
- Deutsche Bank: 40,00 EUR, +35,59%
- Bernstein Research: 37,00 EUR, +25,42%
Deutsche Telekom kauft eigene Aktien zurück
Das zweite Quartal der Deutschen Telekom sei beruhigend verlaufen, begründete Robert Grindle von der Deutschen Bank seinen Optimismus. Er hob vor allem die Anhebung der Ziele für Aktienrückkäufe und den freien Barmittelzufluss im laufenden Jahr positiv hervor. Kepler Cheuvreux besetzte mit der erwähnten Abstufung hingegen eine Außenseiterposition.
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