Der aktivistische Investor Elliott Investment Management hat Anfang September eine signifikante Beteiligung an der Deutschen Telekom aufgebaut und fordert den Konzern auf, seine Pläne für eine vollständige Fusion mit der US-Tochter T-Mobile US aufzugeben.
Stattdessen solle das Unternehmen das Geld für umfangreichere Aktienrückkäufe verwenden. Damit stellt sich Elliott direkt gegen Vorstandschef Tim Höttges, der laut Recherchen des Handelsblatts bereits seit Ende Juni ein kleines Spezialistenteam an einer Holding-Lösung arbeiten lässt, die Deutsche Telekom und T-Mobile US zusammenführen soll.
Der Streit trifft einen Konzern, der operativ zuletzt solide Zahlen ablieferte. Im zweiten Quartal stieg der Nettoumsatz auf 29,9 Milliarden Euro, das organische Wachstum lag bei 3,3 Prozent. Das bereinigte EBITDA AL wuchs organisch um 7,3 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro, der freie Cashflow AL um 3,1 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro.
Die Telekom hob daraufhin ihre Jahresprognose für den freien Cashflow von „mehr als 19,8 Milliarden Euro“ auf „rund 20,0 Milliarden Euro“ an und beschloss, das laufende Aktienrückkaufprogramm 2026 um bis zu drei Milliarden Euro bis Jahresende aufzustocken.
Zwei Lager, ein Kapitalallokations-Streit
Genau an diesem Punkt setzt Elliotts Kritik an: Der Investor sieht in einer vollständigen Fusion mit T-Mobile US finanzielle Risiken und Kapitalbindung, die aus seiner Sicht besser über noch größere Rückkaufvolumina an die Aktionäre zurückfließen sollten. Höttges Lager argumentiert dagegen strategisch – eine engere Verzahnung mit dem margenstarken US-Geschäft soll langfristig Wert schaffen.
Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Kursplus von 1,9 Prozent, notiert bei 28,45 Euro und liegt damit rund 17 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro aus Ende Februar. Der Titel bewegt sich derzeit knapp über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 27,73 Euro, was auf eine gewisse Stabilisierung nach den schwächeren Wochen hindeutet.
Verschärfend kommt hinzu, dass Kepler Cheuvreux-Analyst Florian Treisch die Aktie am 27. August von „Buy“ auf „Hold“ zurückgestuft und das Kursziel von 35 auf 32 Euro gesenkt hatte – ein Hinweis darauf, dass auch am Kapitalmarkt die Euphorie über die Fusionspläne zuletzt nachließ.
Ausblick: Investorentag und Personalwechsel als nächste Prüfsteine
Der Machtkampf um die Kapitalallokation dürfte sich in den kommenden Wochen zuspitzen. Am 5. Oktober lädt der Konzern zu einem Investorentag rund um Chancen der Künstlichen Intelligenz, einen Monat später, am 5. November, folgen die Zahlen zum dritten Quartal. Beide Termine bieten dem Management Gelegenheit, sich klarer zu den Elliott-Forderungen zu positionieren.
Zusätzlich befindet sich der Vorstand im Umbau: Zum 1. Oktober übernimmt Mladen Mitic die Rolle des Chief Product & Digital Officer, einen Monat später wechselt Jan Hofmeyr von Amazon Web Services als neuer Vorstand für Produkt und Technologie zur Telekom.
Ende April 2027 verlässt zudem Finanzvorstand Christian Illek altersbedingt das Unternehmen; sein Nachfolger Dhananjay Mirchandani leitet derzeit das Konzerncontrolling.
Für Anleger bedeutet das: Die Frage, ob Höttges seine Fusionsstrategie gegen einen zunehmend lautstarken Aktivisten verteidigen kann, dürfte über die kommenden Monate der entscheidende Kurstreiber bleiben – wichtiger als operative Einzelzahlen.
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