Die Deutsche Telekom stößt bei ihrem Vorhaben, die US-Tochter T-Mobile US vollständig zu übernehmen, auf massiven Gegenwind. Medienberichten vom Freitag zufolge lehnen sowohl die Führung von T-Mobile US als auch namhafte institutionelle Minderheitsaktionäre die von Bonn angestrebte Komplettfusion im Volumen von rund 300 Milliarden US-Dollar ab. Zusätzlich signalisierten US-Regulierungsbehörden Vorbehalte gegenüber der künftigen Verwendung der Mittel, sollte das Geschäft zustande kommen.
Für Anleger ist das eine Zäsur: Die Idee einer Vollintegration des profitablen US-Geschäfts galt als einer der zentralen Wachstumshebel für den Konzern. Widerstand aus dem eigenen Tochterunternehmen und von Investoren, die an Bord bleiben wollen, dürfte den Zeitplan für eine Einigung erheblich strecken – falls es überhaupt zu einer Annäherung kommt. Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Rückgang um 0,63 Prozent auf 26,85 Euro, nachdem sie in den vergangenen 30 Handelstagen um 10,49 Prozent zugelegt hatte. Der jüngste Kursaufschwung der vergangenen Wochen steht damit nun auf dem Prüfstand.
Governance-Streit belastet zusätzlich
Der Fusionsstreit trifft auf eine ohnehin angespannte Stimmung innerhalb des Konzerns. Bereits am 21. Juli war eine interne Governance-Debatte über die deutliche Vergütungsdifferenz zwischen den Führungskräften von T-Mobile US und dem Vorstandsvorsitzenden der Konzernmutter publik geworden. Solche Spannungen zwischen Mutterkonzern und US-Tochter erschweren Verhandlungen über eine engere Verzahnung zusätzlich – zumal die ablehnende Haltung nun explizit auch von der T-Mobile-US-Führung selbst kommt, nicht nur von außenstehenden Investoren.
Aktienrückkauf per Pflichtmitteilung bestätigt
Unabhängig vom Fusionspoker treibt die Deutsche Telekom ihr Rückkaufprogramm weiter voran. In einer Pflichtmitteilung korrigierte das Unternehmen die Details zum laufenden Programm: Zwischen dem 1. und 24. Juli wurden insgesamt 5.026.915 eigene Aktien über die Börse Xetra zurückerworben. Solche Rückkäufe stützen üblicherweise den Kurs und signalisieren Vertrauen des Managements in die eigene Bewertung – ein Kontrapunkt zur Unsicherheit rund um die US-Strategie.
Analysten uneins, Zahlen stehen bevor
Die Analysten von Deutsche Bank Research senkten am 21. Juli ihr Kursziel für die Deutsche Telekom von 42,00 auf 40,00 Euro, beließen die Einstufung damals aber auf „Buy“. Mit Blick auf die US-Tochter äußerte sich zudem UBS am 27. Juli und reduzierte das Kursziel für T-Mobile US auf 235,00 US-Dollar, bei ebenfalls unveränderter „Buy“-Empfehlung. Beide Anpassungen fielen vor der Eskalation des Fusionsstreits, dürften die aktuelle Debatte also noch nicht eingepreist haben.
Richtung geben dürfte nun der Zwischenbericht zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr, den die Deutsche Telekom am 6. August veröffentlicht. Anleger werden dort nicht nur auf die operativen Zahlen schauen, sondern vor allem auf mögliche Aussagen des Managements zur Zukunft der US-Beteiligung. Charttechnisch bewegt sich die Aktie derzeit nah am eigenen 50-Tage-Durchschnitt, was auf eine gewisse Orientierungslosigkeit der Marktteilnehmer hindeutet – die Entscheidung, ob der jüngste Erholungsversuch trägt oder der Fusionsstreit die Kurse erneut belastet, dürfte sich in den kommenden Handelstagen abzeichnen.
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