Während sich die Deutsche Telekom auf ihr Kerngeschäft in Deutschland konzentriert, kündigte der Konzern am Freitag den Start des Glasfaserausbaus in den oberbayerischen Gemeinden Tutzing und Seeshaupt an. Zusätzlich sollen Funklöcher im Raum Buchau geschlossen werden.
Solche lokalen Infrastrukturprojekte gehören zum operativen Alltagsgeschäft, gewinnen aber angesichts der Unsicherheiten rund um die US-Tochter an Bedeutung als Beleg für die Stabilität des deutschen Kerngeschäfts.
Denn die eigentliche Nachricht der vergangenen Tage kam aus Bellevue: Die Führungsebene von T-Mobile US hat der Konzernmutter mitgeteilt, die geplante vollständige Fusion im geschätzten Volumen von 300 Milliarden US-Dollar nicht mehr zu unterstützen.
Institutionelle Minderheitsaktionäre und die US-Investitionskontrollbehörde CFIUS hatten laut Medienberichten massiven Widerstand gegen eine vollständige Absorption des US-Geschäfts signalisiert. Der Kurs bewegte sich am Freitag dennoch leicht ins Plus und schloss bei 28,69 Euro, ein Tagesgewinn von 0,7 Prozent.
Diversifikation abseits des Kerngeschäfts
Parallel zu den Netzausbau-Meldungen rückte am Donnerstag ein weniger bekanntes Standbein des Konzerns in den Fokus: Über das Beteiligungsvehikel T.Capital hält die Deutsche Telekom strategische Minderheitsanteile an KI- und Software-Startups.
Dazu zählen 0,08 Prozent am Workflow-Automatisierer n8n sowie eine Beteiligung am Drohnenentwickler Quantum Systems. Diese Engagements bleiben finanziell überschaubar, signalisieren aber, dass der Konzern über das klassische Telekommunikationsgeschäft hinaus in Zukunftstechnologien investiert.
US-Tochter zwischen Sparkurs und Kundenwachstum
Die Situation bei T-Mobile US bleibt zweigeteilt. Im ersten Halbjahr baute die Tochtergesellschaft rund 4.700 Vollzeitstellen ab, davon etwa 3.700 allein im zweiten Quartal – eine Folge von Zentralisierung und dem Abbau doppelter Rollen.
Gleichzeitig meldete T-Mobile US im zweiten Quartal einen Nettozuwachs von 277.000 Postpaid-Mobilfunkkunden, weniger als im Vorjahreszeitraum mit 318.000. Der Wettbewerber AT&T wuchs jedoch durch Bündelangebote aus Mobilfunk und Glasfaser stärker.
Bereits im April hatte die US-Tochter mit einem Partner von Wren House ein Joint Venture zur Übernahme des Glasfaseranbieters i3 Broadband vereinbart; der Abschluss der Transaktion wird für das zweite Halbjahr erwartet.
Was das für Anleger bedeutet
Der Kurs der Deutsche-Telekom-Aktie notiert derzeit rund 16 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro, das im Februar erreicht wurde, hat sich aber seit dem Jahrestief Ende Juni bei 23,54 Euro deutlich erholt. Über die vergangenen 30 Tage legte das Papier um 8,3 Prozent zu, wenngleich es in den letzten sieben Handelstagen um 1,1 Prozent nachgab.
Diese Schwankungen spiegeln die widersprüchlichen Signale aus dem US-Geschäft wider: einerseits solides Kundenwachstum, andererseits die zunehmende Wahrscheinlichkeit, dass die milliardenschwere Komplettübernahme von T-Mobile US politisch und regulatorisch nicht durchsetzbar ist.
Für den Konzern bedeutet das Scheitern der Fusionspläne keine akute operative Krise, wohl aber den Verlust einer strategischen Option, die Anleger seit Monaten als möglichen Kurstreiber gehandelt hatten. Der fortgesetzte Netzausbau in Deutschland und die kleineren KI-Beteiligungen zeigen derweil, dass der Konzern sein Geschäft auch ohne die große US-Wette diversifiziert und stabilisiert.
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