Die Deutsche Bank legt am Mittwoch ihre Zahlen für das dritte Quartal 2026 vor. Erwartet werden steigende Erlöse, zugleich rechnen Analysten mit einem Gewinnrückgang. Für Anleger kommt es damit darauf an, ob das zusätzliche Geschäft auch die Ertragskraft stärkt. Der Bericht könnte zeigen, ob die Bank ihren Bewertungsabschlag gegenüber europäischen Wettbewerbern verringern kann.
Heute gewinnt die Aktie 2,5% auf 28,55 €. Damit geht sie mit Rückenwind in die anstehende Veröffentlichung. Eine Antwort auf die Gewinnfrage liefert der Kursanstieg allerdings nicht.
Höhere Erlöse, skeptische Gewinnerwartungen
Medienberichten zufolge erwarten Analysten einen Erlösanstieg um rund 200 Mio. € auf 8,24 Mrd. €. Die Umsatzprognose spricht damit für mehr Geschäft. Sie bedeutet aber noch nicht, dass unter dem Strich mehr Gewinn übrig bleibt.
Platow verweist auf die Erwartung eines Gewinnrückgangs und hält eine positive Überraschung für möglich. Das ist eine Einschätzung, kein bereits gemeldetes Ergebnis. Der entscheidende Vergleich am Mittwoch betrifft deshalb nicht allein die Erlöse, sondern auch deren Umsetzung in Gewinn.
Für das Gesamtjahr 2026 erwarten Analysten einen Gewinn von 3,31 € je Aktie sowie eine Dividende von 1,16 € je Aktie. Beide Werte sind Prognosen. Der Quartalsbericht wird daran gemessen werden, ob er diese Erwartungen stützt.
Abschlag trifft auf geringere Rentabilität
Eine günstige Bewertung allein reicht als Kaufargument nicht aus. Darauf deutet die Einschätzung von Christoph Bruns hin. Der Fondsmanager von Loys bezeichnete europäische Bankaktien heute gegenüber der NZZ als attraktiv. Bei der Deutschen Bank sieht er allerdings Nachholbedarf im Risikomanagement und bei Rechtsstreitigkeiten.
Nach Bruns’ Einschätzung wird die Deutsche Bank mit einem Abschlag von 20 % auf den Buchwert gehandelt. Ihre Eigenkapitalrendite liege bei 10 %, verglichen mit 14 % im europäischen Bankenindex.
Damit steht dem Bewertungsargument eine geringere Rentabilität gegenüber. Für Anleger wäre ein überzeugender Gewinnverlauf deshalb aussagekräftiger als höherer Umsatz allein: Er könnte die These stärken, dass die Bank operativ zu ihren Wettbewerbern aufschließt.
Geschäftschancen mit Risikovorbehalt
Bruns sieht in steigenden Staatsschulden und zusätzlichen Unternehmensanleihen Geschäftschancen für Banken wie die Deutsche Bank. Dazu zählt er insbesondere Finanzierungen für KI-Infrastruktur. Voraussetzung sei ein sauberes Risikomanagement.
Auf der anderen Seite nennt er steigende Zinsen und höhere Kreditrisiken, vor allem bei Gewerbeimmobilien. Der Quartalsbericht muss daher zwei Fragen zusammenführen: Wie gut nutzt die Deutsche Bank ihre Geschäftschancen, und wie belastbar sind die daraus entstehenden Gewinne? Genau daran entscheidet sich, ob der Bewertungsabschlag eine Chance oder Ausdruck fortbestehender Schwächen ist.
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