Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing stellt Anleger auf anhaltende Kursschwankungen und höhere Zinsen ein. Im heutigen Bloomberg-Gespräch am Rande des Berlin Global Dialogue verwies er auf geopolitische Risiken.
Die Spannungen rund um Frankreichs Staatsfinanzen wertet er als Weckruf, aber noch nicht als Schuldenkrise. Für die Deutsche-Bank-Aktie bedeutet das: Die heutige Erholung trifft auf einen weiterhin vorsichtigen Marktausblick des Konzernchefs.
Sewing sieht keine KI-Blase
Sewings Warnung ist keine pauschale Absage an die Märkte. Sorgen vor einer Blase bei künstlicher Intelligenz hält er für unbegründet. Seine Vorsicht richtet sich vielmehr auf das geopolitische Umfeld und die daraus entstehende Unsicherheit für Anleger.
Bei den europäischen Staatsfinanzen unterscheidet Sewing ebenfalls zwischen erhöhten Risiken und einer bereits eingetretenen Krise. Bis zur französischen Präsidentschaftswahl 2027 erwartet er Volatilität. Damit beschreibt er die Unruhe nicht als kurzfristiges Phänomen, sondern als ein Thema mit längerem politischen Zeithorizont.
Die Deutsche-Bank-Aktie legt heute um 1,7% auf 28,70 € zu. Die positive Tagesbewegung steht damit neben einer Warnung des eigenen Vorstandschefs: Eine freundlichere Börsensitzung hebt die von ihm beschriebenen Risiken nicht auf.
Staatsanleihen bleiben der Belastungsfaktor
Den Hintergrund liefert der Ausverkauf europäischer Staatsanleihen. Laut Reuters haben steigende staatliche Finanzierungskosten die Sorge vor einer erneuten Euro-Schuldenkrise zurückgebracht. Höhere Renditen könnten auch die Refinanzierungskosten der Banken erhöhen. Das erklärt, weshalb die Entwicklung der Staatsfinanzen für Bankaktionäre über die unmittelbaren Anleiheverluste hinaus relevant ist.
Europäische Bankaktien verloren laut Reuters in den vergangenen sechs Wochen 10 %. Bei den drei größten französischen Banken betrug das Minus 17 %. Die Belastung konzentriert sich damit besonders auf den französischen Markt, erfasst aber auch den europäischen Bankensektor.
Gleichzeitig beschreibt Reuters die Institute als besser vorbereitet als während der früheren Euro-Schuldenkrise. Höhere Kapitalpuffer und eine strengere Aufsicht mindern die Risiken. Sie machen die Banken allerdings nicht immun gegen dauerhaft hohe Staatsanleiherenditen und wachsende Anlegerbedenken.
Für Aktionäre der Deutschen Bank ist deshalb Sewings Unterscheidung entscheidend: Er erkennt ein ernstes Warnsignal, diagnostiziert jedoch keine laufende Schuldenkrise. Die heutige Kurserholung widerspricht diesem Bild nicht. Sein Ausblick spricht vielmehr dafür, politische Risiken und Finanzierungskosten bei der Bewertung der Aktie weiter zu berücksichtigen.
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