AlphaValue/Baader Europe hat das Kursziel für Deutsche Bank gestern von 38,50 auf 36,90 Euro gesenkt. Die Empfehlung „Add“ bleibt bestehen. Damit fällt die Einschätzung vorsichtiger aus, ohne dass das Analysehaus seine grundsätzlich positive Haltung aufgibt. Vor den anstehenden Quartalszahlen trifft diese Neubewertung auf einen bereits unter Druck stehenden Aktienkurs.
Die Unterscheidung ist wichtig: Ein niedrigeres Kursziel signalisiert zurückgenommene Erwartungen. Die unveränderte Empfehlung spricht hingegen gegen eine vollständige Abkehr von der bisherigen Einschätzung. Eine konkrete Begründung für die Zielsenkung wurde nicht genannt.
Analysten bleiben grundsätzlich zuversichtlich
Auch RBC Capital Markets hatte seine positive Einschätzung vor dem Ergebnisbericht bestätigt. Am 5. Oktober beließ das Haus die Einstufung auf „Outperform“ und das Kursziel bei 36 Euro. Analystin Anke Reingen passte zugleich ihre Schätzungen an.
Im Mittelpunkt ihrer Einschätzung standen Aussagen der Unternehmensleitung zu prognostizierten Kreditausfällen. Nach Reingens Einschätzung könnten die Markterwartungen deshalb bereits nach unten korrigiert worden sein. Das ist eine vorsichtige Einordnung der Erwartungslage, keine Entwarnung bei den Kreditrisiken.
Die beiden Häuser halten damit an positiven Empfehlungen fest. Zugleich zeigen die angepassten Schätzungen und das gesenkte Ziel von AlphaValue/Baader Europe, dass diese Haltung nicht mit unveränderten Erwartungen gleichzusetzen ist. Für Anleger liegt der entscheidende Unterschied zwischen Vertrauen in die weitere Entwicklung und der Höhe der dafür angesetzten Bewertung.
Anleihemarktrisiken belasten das Umfeld
An der Börse dominierte gestern dennoch die Zurückhaltung: Die Aktie verlor -2,2% und schloss bei 28,09 €. Die weiterhin positiven Analysteneinstufungen verhinderten den erneuten Rückgang damit nicht.
Zum belastenden Umfeld gehören Sorgen über steigende Staatsanleiherenditen in der Eurozone. Reuters berichtete gestern, dass diese Entwicklung Befürchtungen einer neuen Schuldenkrise schürt. Europäische Banken seien dank stärkerer Kapitalpuffer und strengerer Aufsicht besser gerüstet als während der früheren Krise, aber nicht immun.
Diese Branchenrisiken sind von der konkreten Geschäftsentwicklung der Deutschen Bank zu unterscheiden. Sie erklären das vorsichtige Umfeld, ersetzen jedoch keine unternehmensspezifische Ergebnisprüfung.
Der nächste Termin dafür ist der angekündigte Quartalsbericht am 28. Oktober. Für die Bewertung wird insbesondere relevant sein, wie die Aussagen zu Kreditausfällen mit den inzwischen angepassten Erwartungen zusammenpassen. Die positive Grundhaltung der Analysten steht damit neben einer klaren Einschränkung: Ihre Erwartungen wurden bereits vorsichtiger.
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