Delta zerlegt seine Premium-Kabinen in weitere Preisstufen. Ab sofort gibt es Business- und First-Class-Tickets ganz ohne Lounge-Zugang und ohne freie Sitzplatzwahl. Der Schritt kommt nur zwei Tage vor den Quartalszahlen und zeigt, wie konsequent Airlines inzwischen selbst die teuersten Kabinen aufsplitten.
Neue Basic-Tarife in der Businessklasse
Die Langstrecken-Kabine Delta One erhält mit „Basic Business“ eine abgespeckte Buchungsklasse. Für die First Class, die vor allem auf kürzeren Strecken zum Einsatz kommt, gibt es ein vergleichbares Produkt. Wer zum Basic-Tarif bucht, bekommt den Sitzplatz erst beim Check-in zugewiesen, sammelt weniger Meilen und zahlt für Umbuchungen oder Stornierungen eine Gebühr. Same-Day-Standby oder kostenlose Flugwechsel entfallen komplett.
Der Verkauf startet für Flüge ab September und ist zunächst nur auf ausgewählten Strecken verfügbar. Delta folgt damit United, das eine ähnliche Segmentierung bereits für seine Polaris-Langstreckenklasse eingeführt hat. Beide Airlines wollen aus der robusten Nachfrage zahlungskräftiger Kunden mehr Ertrag herausholen, ohne die günstigeren Business-Sitze komplett zu verteuern.
Zahlen im Fokus
Am Freitag legt Delta seine Zahlen für das zweite Quartal vor. UBS bestätigt vorab die Kaufempfehlung und ein Kursziel von 107 Dollar. Die Bank rechnet mit einem Ergebnis leicht über der eigenen Prognose von 1,38 Dollar je Aktie, während der Marktkonsens bei 1,45 Dollar liegt – beides innerhalb der Unternehmensspanne von 1,00 bis 1,50 Dollar.
Spannender dürfte laut UBS der Ausblick auf das dritte Quartal werden. Dort erwartet die Bank ein Ergebnis von 2,51 Dollar je Aktie, deutlich über dem Konsens von 2,03 Dollar, gestützt von einem Umsatzwachstum im mittleren zweistelligen Prozentbereich. Bei den Treibstoffkosten kalkuliert Delta angesichts zuletzt wieder steigender Ölpreise vorsichtig für das dritte und vierte Quartal.
Bewertung bleibt Diskussionsthema
Nach einem Kursplus von rund 85 Prozent binnen eines Jahres hat Raymond James seine Einstufung Anfang Juli von Strong Buy auf Outperform gesenkt – nicht wegen schlechterer Fundamentaldaten, sondern weil der jüngste Anstieg das kurzfristige Aufwärtspotenzial eingeengt hat. Die Kursziele der Analysten reichen inzwischen von 80 bis 107 Dollar und spiegeln damit unterschiedliche Annahmen zu Gewinnwachstum und Bewertungsspielraum wider.
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 13 und einer PEG-Ratio von rund 0,6 gilt die Aktie im Branchenvergleich weiterhin als moderat bewertet. Erst kürzlich hatte Delta seine Quartalsdividende um 15 Prozent auf 0,215 Dollar je Aktie angehoben – ein Signal, das die Finanzstärke des Konzerns unterstreicht.
Am Freitag zeigt sich, ob die neue Preisstruktur in der Businessklasse bereits im laufenden Quartal spürbar wird oder erst mit den Buchungen ab September greift. Der Blick der Anleger dürfte dabei ebenso auf den Ausblick fürs dritte Quartal fallen wie auf die tatsächlichen Ergebnisse des zweiten.
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