Drei Tech-Hardware-Aktien springen zweistellig, während der GTA-VI-Hype Take-Two nicht retten kann und Charter Communications im Breitband-Wettbewerb weiter Boden verliert. Der S&P 500 steuert auf seine achte Gewinnwoche in Folge zu — ein seltenes Bild, das zuletzt Ende 2023 zu beobachten war. Hinter den Indexgewinnen von 0,55 % verbirgt sich allerdings ein zweigeteilter Markt, in dem KI-Infrastruktur und strukturelle Schwäche an diesem Freitag aufeinanderprallen.
Geopolitischer Rückenwind kommt von den Annäherungen zwischen den USA und dem Iran. Fortschritte bei den Verhandlungen zur Stabilisierung des Nahen Ostens ließen die Futures bereits vorbörslich steigen. Gleichzeitig wurde Kevin Warsh als neuer Fed-Vorsitzender vereidigt — eine personelle Weichenstellung, die die Märkte in den kommenden Monaten beschäftigen dürfte.
Dell Technologies: Analysten-Offensive katapultiert Kurs auf Rekordhoch
Dell ist der unangefochtene Tagessieger. Mit einem Plus von knapp 16 % auf 252,65 € markiert die Aktie ein neues Allzeithoch und hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Der Auslöser: eine konzertierte Welle von Kurszielanhebungen vor dem Quartalsbericht am 28. Mai.
Wells Fargo schraubte sein Ziel von 180 auf 270 USD, JPMorgan legte auf 280 USD nach, und Citigroup setzte mit 290 USD die Krone auf — begründet mit starker Nachfrage aus dem Neocloud- und Sovereign-AI-Segment. Evercore ISI bekräftigte das Outperform-Rating.
Die Erwartungen an die Quartalszahlen sind entsprechend hoch:
- Gewinn je Aktie: Analysten rechnen mit 3,00 USD — ein Anstieg von über 90 % gegenüber dem Vorjahr
- Umsatz: 35,46 Mrd. USD erwartet, ein Plus von knapp 52 %
- KI-Auftragsvolumen: 64,1 Mrd. USD im Geschäftsjahr 2026, Rekord-Backlog von 43 Mrd. USD zum Start ins neue Fiskaljahr
Auf der Dell Technologies World 2026 stellte das Unternehmen neue Storage-, Server- und Sicherheitslösungen für KI-Workloads vor. Der Kurssprung verdichtet eine langfristige Infrastruktur-Wette — der Earnings-Termin nächste Woche wird zum Prüfstein, ob die Euphorie fundamental unterfüttert ist.
HP Inc.: Nvidia-Übernahmegerüchte und Earnings-Vorfreude als Doppelturbo
HP springt mit einem Plus von 14,55 % auf 21,65 € nach oben und reitet auf gleich mehreren Wellen. Die stärkste: Berichte über mögliche Übernahmegespräche durch Nvidia, die die gesamte PC-Branche verändern könnten. Evercore ISI verwies auf einen Bericht von SemiAccurate, wonach Nvidia Verhandlungen über die Akquisition eines großen PC-Herstellers führt. Bereits im April hatten ähnliche Gerüchte für Kursausschläge gesorgt.
Hinzu kommt der nahende Quartalsbericht am 27. Mai. Im Optionsmarkt zeigt sich deutliche Positionierung: 15.416 Calls wechselten den Besitzer — das 1,6-Fache des erwarteten Volumens. Die implizite Volatilität kletterte auf 56,73 %.
JPMorgan-Analyst Samik Chatterjee hatte sein Kursziel bereits zuvor von 19 auf 22 USD angehoben, dabei aber am Neutral-Rating festgehalten. Auf Jahressicht liegt HP noch rund 14 % unter dem 52-Wochen-Hoch — der heutige Sprung ist also eher Aufholbewegung als Euphorie. Der Cocktail aus Sektor-Momentum, M&A-Fantasie und Earnings-Erwartung könnte kurzfristiger Natur sein. Entscheidend wird, ob die Zahlen nächste Woche die Story bestätigen.
NetApp: KI-Storage-Fantasie trifft auf Übernahmespekulation
Auch NetApp erreicht mit 120,14 € ein neues 52-Wochen-Hoch. Das Plus von 14,24 % geht auf eine Mischung aus Earnings-Optimismus und M&A-Gerüchten zurück.
Für den Q4-Bericht am 28. Mai erwarten Analysten einen Gewinn von 2,27 USD je Aktie — knapp 18 % mehr als im Vorjahr. Die Konsensschätzung wurde in den letzten 30 Tagen nach oben revidiert, was kollektives Umdenken signalisiert.
Parallel sorgt die britische Gerüchteseite Betaville für Aufregung. Sie benannte NetApp als potenziellen Übernahmekandidaten wegen seiner KI-Infrastrukturkapazitäten — ohne allerdings konkrete Bieter zu nennen. Auf der Produktseite unterstreicht NetApp den Fokus mit einer Vier-Jahres-Enterprise-Vereinbarung mit Google Cloud für Speicherlösungen in Behörden- und Verteidigungsumgebungen.
Die Aktie notiert inzwischen gut 30 % über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Ein ambitioniertes Bewertungsniveau, das durch starke Quartalszahlen nächste Woche untermauert werden muss.
Take-Two Interactive: GTA VI allein reicht nicht
Auf der Verliererseite fällt Take-Two mit einem Minus von 3,36 % auf 198,30 € auf. Der Grund ist ein Muster, das Anleger kennen: Beat and Lower. Die Quartalszahlen übertrafen die Erwartungen — der Jahresausblick aber nicht.
Im vierten Quartal erreichten die Net-Bookings 1,58 Mrd. USD und übertrafen den Konsens von 1,55 Mrd. USD. Beim Ergebnis je Aktie fiel der Verlust mit 32 Cent deutlich geringer aus als die befürchteten 52 Cent. Eigentlich solide Zahlen. Die Guidance für das Gesamtjahr verfehlte jedoch die Erwartungen der Wall Street.
Ein Großteil der Bewertung hängt am Launch von Grand Theft Auto VI, der für den 19. November bestätigt wurde. Das Management stellte Rekord-Net-Bookings im Geschäftsjahr 2027 in Aussicht. Bis dahin bleibt die Aktie anfällig für jede Enttäuschung bei der kurzfristigen Profitabilität. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 8 % — der breite Markt hat Take-Two abgehängt.
Charter Communications: Breitband-Erosion drückt auf den Kurs
Charter Communications setzt seinen Abwärtstrend fort und verliert 3,38 % auf 123,68 €. Das Ausmaß der Talfahrt ist beeindruckend: Innerhalb von 30 Tagen hat die Aktie über 40 % an Wert eingebüßt. Auf Jahressicht beträgt der Verlust rund 66 % vom 52-Wochen-Hoch.
Die Ursache ist struktureller Natur. Nach Vorlage der Q1-Zahlen brach der Kurs um 25 % ein — der Verlust von Breitband-Abonnenten und sinkende Durchschnittsumsätze pro Kunde trafen ins Mark. Der monatliche Wohnkundenumsatz fiel um 1,4 % gegenüber dem Vorjahr, der Internet-Segmentumsatz sank auf 5,9 Mrd. USD.
Die US-Kabelbranche steht unter Druck von gleich mehreren Seiten:
- AT&T Fiber und Verizon Fios bauen ihr Glasfasernetz aggressiv aus
- T-Mobile gewinnt mit Fixed Wireless Access Marktanteile
- Die Preisdisziplin im Wettbewerb erodiert
Das Management verweist auf die 34,5-Mrd.-USD-Fusion mit Cox Communications, die von FCC und DOJ bereits genehmigt wurde und Synergien von 800 Mio. USD bringen soll. Langfristig könnte das Skaleneffekte schaffen. Kurzfristig ändert es wenig an der fundamentalen Herausforderung.
Crown Castle: Fokussierung auf Funktürme allein reicht nicht
Crown Castle gibt 2,48 % auf 78,50 € ab und bleibt im schwierigen Fahrwasser der Immobilien-Investment-Trusts. Anfang Mai schloss das Unternehmen den Verkauf seines Fiber- und Small-Cell-Geschäfts ab und konzentriert sich nun ausschließlich auf seine rund 40.000 Zelltürme.
Der Umsatz lag im letzten Quartal knapp 5 % unter dem Vorjahreswert. Eine bereits 2025 vollzogene Dividendenkürzung von 1,565 auf 1,0625 USD je Aktie sollte die Ausschüttungsquote auf ein nachhaltigeres Niveau bringen — ein Signal, das Einkommensanleger verschreckte.
Zwei Risiken lasten auf der Aktie. Steigende Anleiherenditen verteuern die Refinanzierung und drücken auf die Gewinne — ein klassisches REIT-Problem. Langfristig könnte zudem die Konkurrenz durch Low-Earth-Orbit-Satelliten wie Starlink die Nachfrage nach traditioneller Turminfrastruktur schmälern. In einem Marktumfeld, das KI-Infrastruktur feiert, bleibt Crown Castle ein Nachzügler.
Earnings-Woche entscheidet über die Nachhaltigkeit der Tech-Rally
Der heutige Handelstag zeichnet zwei klare Linien. Auf der Gewinnerseite dominiert die KI-Infrastruktur-Story — Dell, HP und NetApp profitieren von Analysten-Upgrades, Übernahmefantasie und Earnings-Vorfreude. Auf der Verliererseite werden strukturelle Schwächen gnadenlos bestraft, selbst wenn Quartalszahlen die Erwartungen übertreffen.
Die kommende Woche bringt die Bewährungsprobe. HP berichtet am 27. Mai, Dell und NetApp folgen am 28. Mai. Nach dem Memorial Day am Montag startet der reguläre Handel erst am Dienstag wieder. Die zweistelligen Kursgewinne haben die Messlatte für die Hardware-Titel hoch gelegt. Wer die Erwartungen nicht bestätigt, riskiert eine ebenso heftige Korrektur.
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