Dell hat eine Schwelle überschritten, die den Konzern neu einordnet: Das Geschäft mit KI-Servern ist erstmals größer als die traditionelle PC-Sparte. Die Börse reagierte heftig. Die Aktie sprang am Freitag um 33,19 Prozent auf 361,75 Euro und schloss damit auf dem Tageshoch.
Hinter dem Kurssprung steckt mehr als ein starkes Quartal. Dell wird vom klassischen Hardwareanbieter immer stärker zum Infrastruktur-Lieferanten für den KI-Boom.
KI-Server überholen das PC-Geschäft
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte Dell einen Umsatz von 43,84 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 88 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Erwartungen wurden in allen wichtigen Kennzahlen übertroffen.
Der Haupttreiber war die Infrastructure Solutions Group. Sie kam auf 29 Milliarden Dollar Umsatz und wuchs um 181 Prozent. Damit verschiebt sich das Gewicht im Konzern klar in Richtung Rechenzentren und KI-Infrastruktur.
Besonders stark lief das Geschäft mit KI-optimierten Servern. Der Umsatz stieg auf 16,1 Milliarden Dollar. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein Plus von 757 Prozent.
Die klassische PC-Sparte, bei Dell als Client Solutions Group geführt, erreichte 14,6 Milliarden Dollar Umsatz. Auch dort gab es Wachstum von 17 Prozent. Der Abstand zur KI-Sparte zeigt aber, wie schnell sich die Prioritäten im Konzern verschoben haben.
Lieferengpässe werden zum Preisthema
Der Boom hat eine Kehrseite. COO Jeff Clarke verwies in der Telefonkonferenz auf knappe Komponenten, darunter DRAM, NAND-Flash und Hochleistungsprozessoren. Genau diese Bauteile sind für KI-Server zentral.
Dell reagiert mit täglichen Preisanpassungen. Das ist ungewöhnlich, zeigt aber die Dynamik im Markt. Kunden sichern sich derweil zunehmend Liefervereinbarungen über drei bis fünf Jahre, um Hardware überhaupt planbar zu bekommen.
Die Nachfrage bleibt hoch. Der Auftragsbestand bei KI-Servern erreichte 51,3 Milliarden Dollar. Die Pipeline potenzieller Bestellungen liegt sogar noch höher.
Gewinne ziehen kräftig an
Die Gewinnentwicklung spiegelt den KI-Schub deutlich wider:
- Bereinigter Gewinn je Aktie: 4,86 Dollar, plus 214 Prozent; erwartet waren 2,94 Dollar.
- GAAP-Nettogewinn: 3,44 Milliarden Dollar nach 965 Millionen Dollar im Vorjahr.
- Operativer Cashflow: Rekordwert von 4,1 Milliarden Dollar.
Dell nutzte die starke Liquidität auch für Ausschüttungen. An Aktionäre flossen 2,1 Milliarden Dollar über Dividenden und Aktienrückkäufe; die Dividende lag bei 0,63 Dollar je Aktie.
Der Konzern kaufte außerdem 11 Millionen Aktien zurück. Zum Quartalsende standen 14,1 Milliarden Dollar an Barmitteln in der Bilanz.
Prognose steigt, Analysten ziehen nach
Das Management hob den Ausblick deutlich an. Der Jahresumsatz soll nun zwischen 165 Milliarden und 169 Milliarden Dollar liegen.
Beim Umsatz mit KI-Servern peilt Dell rund 60 Milliarden Dollar an. Zuvor lag die Erwartung bei 50 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll 17,90 Dollar erreichen.
Auch an der Wall Street folgten schnelle Reaktionen. JPMorgan erhöhte das Kursziel auf 500 Dollar, Evercore auf 450 Dollar. Morgan Stanley stufte die Aktie auf „Buy“ hoch und verwies darauf, dass das KI-Wachstum zuvor unterschätzt worden sei.
Der Kursanstieg ist längst nicht nur ein Ein-Tages-Effekt. Auf Monatssicht liegt Dell 105,38 Prozent vorn, seit Jahresanfang 231,76 Prozent und auf Zwölfmonatssicht 263,71 Prozent. Das dürfte spannend werden, weil die Bewertung nun noch stärker an die Umsetzung im KI-Servergeschäft gekoppelt ist.
Zusätzliche Sichtbarkeit bringt ein bestätigter Pentagon-Vertrag über fünf Jahre mit einem Volumen von 9,7 Milliarden Dollar. Kurzfristig steht nun die Abarbeitung des hohen Auftragsbestands im Mittelpunkt. Hält Dell die Lieferketten im Griff, wird der KI-Schwenk zum neuen Taktgeber für Umsatz, Margen und Börsenwert.
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