Strategische Neubesetzung im Kontrollgremium
Der Berliner Lieferdienst Delivery Hero treibt den Umbau seiner Führungsstrukturen voran. Mit Wirkung zum gestrigen Mittwoch wurde John Woyton in den Aufsichtsrat des MDAX-Konzerns berufen.
Woyton tritt die Nachfolge von Scott Ferguson an und wird dessen Aufgaben in zwei zentralen Ausschüssen übernehmen: dem Prüfungs- (Audit Committee) und dem Strategieausschuss (Strategy Committee). Seine Amtszeit ist zunächst bis zur ordentlichen Hauptversammlung im Jahr 2027 befristet.
Mit Woyton holt sich das Unternehmen einen erfahrenen Experten für Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie für den Sektor Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) an Bord. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bereich Private Equity. Diese Personalie fällt in eine entscheidende Phase für Delivery Hero, da das Unternehmen vor einer tiefgreifenden Veränderung seiner Eigentümerstruktur steht.
Uber-Übernahme und Rückzug des Gründers
Im Zentrum des Anlegerinteresses steht weiterhin das Übernahmeangebot von Uber Technologies. Der US-Fahrdienstvermittler bietet 41,50 Euro pro Aktie, was einem Gesamtvolumen von etwa 13 Milliarden Euro entspricht. Die Aktionäre haben bis zum 5. November Zeit, ihre Anteile anzudienen.
Das Management von Delivery Hero unterstützt dieses Vorhaben ausdrücklich, nachdem es das Angebot am vergangenen Sonntag empfohlen hatte. Parallel dazu bereitet Uber die Finanzierung vor und startete am Mittwoch die Emission seiner ersten Anleihen in Euro, um die Expansion sowie die Übernahme abzusichern.
Die Übernahme wird auch personelle Konsequenzen an der Unternehmensspitze haben. CEO Niklas Östberg wird seinen Posten bis spätestens Ende März 2027 räumen.
Sollte der Deal wie erwartet in der zweiten Jahreshälfte 2027 abgeschlossen werden, entstünde eine globale Plattform, die in 99 Ländern präsent wäre und ein kombiniertes Bruttobuchungsvolumen von rund 236 Milliarden US-Dollar auf Basis der Zahlen von 2025 erreichen könnte.
Um kartellrechtliche Hürden zu umgehen, sieht der Plan vor, die Geschäftsaktivitäten in 14 Ländern, in denen sich die Dienste überschneiden, an eine Investmentfirma abzugeben.
Marktanteile in Südkorea und regionale Initiativen
Während die Konzernzukunft neu geordnet wird, liefert das operative Geschäft gemischte Signale. Die Analysten der Schweizer Großbank UBS bestätigten am Mittwoch ihre Einstufung für den Titel auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 41,50 Euro.
Analyst Jo Barnet-Lamb wies darauf hin, dass die südkoreanische Tochtergesellschaft Baemin im August einen leichten Rückgang ihres Marktanteils gegenüber dem Vormonat verzeichnete. Dies geschah in einem Marktumfeld, das in Südkorea im Vergleich zum Juli um fast 9 % gewachsen ist.
An anderer Stelle setzt Delivery Hero auf technologische Innovationen und regionale Expansion. Die Tochtermarke talabat, die im vergangenen Dezember an der Börse in Dubai debütierte, startete ein neues Programm für Start-ups in acht Märkten im Nahen Osten und Nordafrika. Zudem wurde eine Kooperation mit dem singapurischen Unternehmen QuikBot für ein Pilotprojekt mit autonomen Lieferrobotern in Dubai vereinbart.
Aktie im Schatten des Angebotspreises
An der Börse reflektiert die Kursentwicklung die Erwartung des Übernahmeabschlusses, notiert jedoch weiterhin mit einem Abschlag zum Gebot von Uber. Der aktuelle Kurs liegt bei 36,40 €. Damit rangiert das Papier rund 10 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,49 €, das Mitte Juli erreicht worden war.
Trotz der jüngsten Konsolidierung blicken Anleger auf eine insgesamt positive Entwicklung zurück: Seit Jahresbeginn konnte der Wert um 60 % zulegen. Die Marktkapitalisierung beläuft sich aktuell auf etwa 11,14 Milliarden Euro.
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