Der Berliner Lieferdienstkonzern Delivery Hero sorgt an der Führungsspitze für personelle Kontinuität. Mitgründer und Vorstandsvorsitzender Niklas Östberg wird das Unternehmen über den ursprünglich avisierten Rückzugstermin Ende März 2027 hinaus weiter leiten. Dies gaben das Unternehmen und der Aufsichtsrat heute bekannt. Die Kehrtwende folgt auf die veränderten Rahmenbedingungen durch das milliardenschwere Übernahmeangebot des US-Konzerns Uber.
Machtverhältnisse ordnen sich neu
Östberg, dessen regulärer Dienstvertrag noch bis zum 30. April 2029 läuft, rückt damit von dem im Mai beschlossenen Nachfolgezeitplan ab. Aufsichtsratschefin Kristin Skogen Lund begründete die Entscheidung mit den laufenden Großtransaktionen. Neben der angestrebten Übernahme durch Uber spielen dabei auch Vereinbarungen mit dem Investor SSW eine Rolle.
Hintergrund der personellen Absicherung sind die veränderten Eigentümerstrukturen. Uber bietet den Aktionären 41,50 Euro je Anteilsschein und bewertet Delivery Hero mit rund 13 Milliarden Euro. Der US-Konzern hat sich laut eigenen Angaben bereits 53 Prozent der Anteile gesichert.
Dazu haben sich unter anderem der Großaktionär Prosus sowie der Hongkonger Vermögensverwalter Aspex verpflichtet, ihre Bestände anzudienen. Ausgerechnet Aspex hatte im Mai noch Östbergs Ablösung forciert, verliert nun aber durch den Verkauf seinen Einfluss auf die künftige Besetzung der Unternehmensspitze.
Strategische Ausrichtung vor dem Eigentümerwechsel
Uber hat vertraglich zugesichert, den Hauptsitz in Berlin beizubehalten und bis mindestens 2029 keine Änderungen an der dortigen Belegschaft vorzunehmen. Östberg betonte, er konzentriere sich seit der Übernahmeankündigung verstärkt auf die Organisation sowie das Kundenerlebnis.
Nach seinen Angaben beschleunigen sich derzeit Wachstum und Profitabilität. Delivery Hero, das Plattformen in rund 65 Ländern betreibt, schrieb in seiner Unternehmensgeschichte bislang keine schwarzen Zahlen.
Zugleich stehen operative Anpassungen im Raum. Medienberichten zufolge plant der Konzern, Teile seiner Tech-Plattform Pandora von Berlin nach Singapur zu verlagern. Rund 200 vor allem mit Softwareentwicklung befasste Mitarbeiter sollen hingegen vorerst am deutschen Standort verbleiben. Das Managementteam von Pandora war bereits Anfang Juli nach Singapur gewechselt. Eine offizielle Stellungnahme des Unternehmens zu diesen Plänen liegt nicht vor.
Notierung hinkt der Offerte hinterher
Am Kapitalmarkt wird die geplante Großtransaktion mit einer gewissen Zurückhaltung begleitet. Die Aktie von Delivery Hero notiert heute bei 36,62 Euro und verliert im Tagesverlauf 0,3 Prozent. Das Papier wird damit weiterhin mit einem deutlichen Abschlag zum gebotenen Barpreis von 41,50 Euro gehandelt.
Seit Jahresanfang verzeichnet der Titel dennoch ein deutliches Plus von 61 Prozent. Die Annahmefrist für das Angebot von Uber läuft bis zum 5. November 2026.
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