Uber rückt bei Delivery Hero näher an die Schaltzentrale. Der US-Konzern hat seinen direkten Stimmrechtsanteil deutlich ausgebaut und sich über Instrumente weiteren Zugriff gesichert. Der Markt reagiert trotzdem nervös, weil der Kurs inzwischen nahe an den kolportierten Übernahmepreisen liegt.
Am Freitag notiert die Delivery-Hero-Aktie bei 37,38 Euro und verliert damit 3,83 Prozent. Das wirkt auf den ersten Blick moderat, kommt aber nach einem rasanten Lauf: In den vergangenen 30 Tagen steht ein Plus von 94,79 Prozent.
Uber wird zum Machtfaktor
Die neue Aktionärsstruktur verändert die Lage spürbar. Uber hält nun direkt 24,99 Prozent der Stimmrechte an Delivery Hero. Zuvor lag der Anteil bei 19,5 Prozent.
Über Derivate und Optionen sichert sich Uber Zugriff auf insgesamt 36,83 Prozent der Stimmrechte. Das ist keine formelle Komplettübernahme. Es reicht aber, um den strategischen Einfluss massiv zu erhöhen.
Parallel dazu hat Aspex Management seine Position reduziert. Der Hongkonger Investor senkte seinen Anteil von 14,55 Prozent auf 7,56 Prozent. Die Transaktionen fanden bereits am vergangenen Pfingstmontag statt und wurden nun offiziell bestätigt.
Bewertung bremst die Fantasie
Die Investmentbank JPMorgan bleibt bei „Overweight“ und nennt weiter ein Kursziel von 28 Euro. Genau hier liegt der Bruch in der Story: Die Aktie handelt inzwischen deutlich über diesem Ziel, während Übernahmespekulationen den Kurs in den vergangenen Wochen stark getrieben haben.
Berichten zufolge hatte Uber zunächst ein indikatives Angebot von 33 Euro je Aktie signalisiert. Später war von Gesprächen mit Großaktionären über bis zu 38 Euro die Rede. Der aktuelle Kurs liegt damit bereits im Bereich dieser Marken.
Das erklärt, warum die Anteilsaufstockung nicht automatisch neue Kursfantasie auslöst. Citigroup-Analystin Monique Pollard sieht kurzfristig nur begrenzten Spielraum, solange kein höherer Preis auf dem Tisch liegt. Jefferies bewertet die mögliche Komplettübernahme aus Sicht von Uber dagegen positiv, weil Delivery Hero Zugang zu 46 weiteren Märkten eröffnen würde.
Führungswechsel erhöht den Druck
Die Verschiebung im Aktionariat fällt in eine heikle Phase. Niklas Östberg, Mitgründer und langjähriger CEO, kündigte am 12. Mai 2026 seinen Rückzug nach 15 Jahren an der Spitze an. Der Aufsichtsrat sucht bereits nach einem Nachfolger.
Auch im Kontrollgremium gibt es Bewegung. Roger Rabalais wurde mit Wirkung zum 30. April 2026 gerichtlich in den Aufsichtsrat bestellt. Er ersetzt Warren Jenson und soll sich bei der ordentlichen Hauptversammlung am 23. Juni 2026 in Berlin zur Wahl stellen.
Damit bündelt sich die Aufmerksamkeit auf diesen Termin. Bis dahin bleibt die Aktie stark von zwei Faktoren abhängig: ob Uber seinen Einfluss weiter ausbaut und ob sich aus den bisherigen Preisniveaus ein belastbares Angebot ableiten lässt. Ohne neuen Impuls dürfte der Markt die jüngste Rally erst einmal genauer sortieren.
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