Noch am Dienstag hatte der DAX bei 24.401 Punkten geschlossen, ordentlich im Plus, aber weit entfernt von der runden Marke, die viele Anleger seit Wochen im Hinterkopf hatten. Dann kam der Mittwoch, und plötzlich war die 25.000 weg. Einfach so, kurz nach Mittag, als wäre das immer der Plan gewesen.
Trump dreht an der Iran-Schraube
Der Auslöser kam aus Washington, wie so oft in diesen Monaten. US-Präsident Donald Trump kündigte an, den erst am Montag gestarteten Einsatz zur Sicherung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus „für kurze Zeit“ auszusetzen. Während dieser Pause solle geprüft werden, ob ein Abkommen mit dem Iran geschlossen werden könne. Parallel dazu traf Chinas Außenminister Wang Yi seinen iranischen Amtskollegen in Peking. Viel Symbolik, wenig Konkretes, aber der Markt hat eben eine kurze Aufmerksamkeitsspanne.
„Sollte es zu einem Deal kommen, eröffnet sich kurzfristig Spielraum für eine Aufholbewegung in Europa“, so die Einschätzung der Experten von Index Radar. Europas Börsen hatten zuletzt gegenüber den USA deutlich hinterhergehinkt. Der Nachholbedarf war real.
DAX Index Chart
KI als Beruhigungsmittel
Dazu kam die Dauerwelle aus dem Silicon Valley. Nasdaq 100 und S&P 500 hatten am Dienstag weitere Rekordstände markiert, angetrieben vom KI-Boom. Timo Emden von Emden Research brachte es auf den Punkt: „Die KI-Euphorie wirkt derzeit wie ein stabilisierender Faktor für die Märkte und überlagert viele der globalen Unsicherheiten.“ In Frankfurt traf das vor allem Infineon, die trotz angehobener Prognose nach ihrer steilen Kursrally nicht mehr profitieren konnten.
Continental, MTU, BMW legen los
Die eigentliche Geschichte des Tages spielte sich in der Bilanzsaison ab. Allein sieben DAX-Konzerne öffneten zur Wochenmitte die Bücher. Continental führte die DAX-Gewinnerliste mit plus 7 Prozent an: weniger Umsatz, aber mehr Gewinn, weil das Reifengeschäft lief und die Kosten sanken. MTU legte sogar 8,8 Prozent zu, angetrieben von der Entspannung im Nahost-Konflikt, die dem gesamten Reise- und Luftfahrtsektor Auftrieb gab. Lufthansa gewann gut 5 Prozent, will den Gewinn trotz Kerosin-Schocks steigern. BMW verbuchte mehr als 6 Prozent, JPMorgan sprach von einem insgesamt starken Jahresauftakt.
Auf der anderen Seite: Daimler Truck mit mageren plus 0,8 Prozent, weil Nordamerika schwächelt. Zalando nach wildem Kursverlauf knapp im Minus, obwohl die About-You-Übernahme Umsatz und operativen Gewinn kräftig nach oben zog. Die DZ Bank sieht das Potenzial für steigende Gewinnschätzungen als begrenzt. Fresenius rutschte 1,3 Prozent ab, der Quartalsbericht überzeugte nicht.
25.000 Punkte, kurz und knapp
Gegen 12.30 Uhr stand der DAX immer noch bei 25.026 Punkten. Ob die 25.000 hält, ist eine andere Frage. Aber immerhin haben wir die Marke mal wieder gesehen.
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