DAX startet freundlich: Seriengewinner im Blick, Frankreich bleibt Einzelfall, KI-Rally wird vier

Nordex meldet mehr Bestellungen, während Frankreichs Renditeaufschlag gegenüber Deutschland leicht zurückgeht und die US-Berichtssaison beginnt.

Auf einen Blick:
  • DAX vorbörslich 0,6 Prozent höher
  • Nordex-Aufträge über Vorjahresquartal
  • Frankreichs Risikoaufschlag leicht gesunken
  • Deutsche Bank schlug DAX sechsmal

Die neue Börsenwoche beginnt mit dem Auftakt der Berichtssaison für das dritte Quartal 2026 – und mit einem freundlichen Ausblick für den deutschen Aktienmarkt. Eine Stunde vor dem Xetra-Handel wurde der DAX mit einem Plus von 0,6 Prozent taxiert, was einem Stand von gut 25.200 Punkten entspräche. Damit entfernt sich der Leitindex wieder von der Marke von 25.000 Punkten, die in der vergangenen Woche hart umkämpft war und zeitweise unterschritten wurde. Diese Marke gilt vor allem als psychologisch wichtig, entfaltet aber dennoch Tragkraft für die Marktstimmung.

Rückenwind kommt von leicht nachgebenden Ölpreisen und Anleiherenditen. Charttechnisch liegt die nächste Hürde für den DAX bei 25.335 Punkten – dort verläuft die 21-Tage-Linie, die den kurzfristigen Trend abbildet und derzeit noch nach unten zeigt.

Ein wichtiger Taktgeber bleibt der Ölpreis. Am Wochenende hatte US-Präsident Trump eine sofort geltende Waffenruhe für die Energieinfrastruktur zwischen Russland und der Ukraine verkündet und zugleich angekündigt, russischen Diesel in die USA einführen zu wollen. In Kiew zeigte man sich überrascht, signalisierte aber Bereitschaft, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, sofern Moskau mitzieht. Wie schon in den vergangenen Monaten gilt: Entspannungssignale tauchen immer wieder auf, ihre Nachhaltigkeit bleibt jedoch fraglich.

Inflationsdaten, Bankenberichte und Autosalon prägen die Woche

Am Mittwoch stehen neue US-Inflationsdaten für September an. Volkswirte erwarten einen Anstieg zwischen 3,6 und 3,7 Prozent, getrieben vor allem von hohen Energiepreisen. Die Kernrate dürfte stabil bleiben. Die Daten sind eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die US-Notenbank. Im Markt wird weiterhin diskutiert, wie es mit der Zinspolitik in diesem Jahr weitergeht.

Der vermutlich stärkste Impuls der Woche dürfte jedoch von der offiziellen Eröffnung der Berichtssaison ausgehen. Als Erste legen die US-Großbanken ihre Zahlen vor: JP Morgan, Goldman Sachs, Citigroup und Wells Fargo berichten morgen, Bank of America und Morgan Stanley folgen am Mittwoch. Die Erwartungen sind hoch – für die Unternehmen im S&P 500 rechnet der Markt mit einem Gewinnplus von rund 30 Prozent, was das dritte Quartal in Folge mit einem Wachstum von mehr als 25 Prozent wäre. Die Bankaktien selbst haben im vergangenen Monat deutlich verloren, da die hohen Marktrenditen Fragen nach der Belastbarkeit der Kreditnehmer aufgeworfen haben. Im Fokus dürften daher weniger die reinen Gewinnzahlen stehen als vielmehr die Aussagen der Vorstände zu Kreditausfällen und Konsumverhalten.

Für den Technologiesektor sind zwei Termine von branchenübergreifender Bedeutung: Der niederländische Maschinenbauer ASML berichtet am Mittwoch, der taiwanesische Auftragsfertiger TSMC am Donnerstag. ASML stellt die Belichtungsmaschinen her, ohne die moderne Chipproduktion nicht möglich ist, TSMC produziert unter anderem für Nvidia und Apple. Beide Berichte dürften zeigen, ob die Nachfrage nach KI-Chips ungebrochen bleibt.

Hierzulande gehört die Woche den Autobauern. In Paris hat der Autosalon begonnen, Volkswagen nutzt die Messe für ein Investoren-Update sowie für Auslieferungszahlen zum dritten Quartal. Morgen äußern sich auch Porsche und BMW zum letzten Mal vor der Schweigeperiode. Auffällig ist die starke Präsenz chinesischer Hersteller wie BYD, Geely und Xpeng in Paris. Am Mittwoch äußert sich zudem Airbus letztmals vor den für den 28. Oktober angekündigten Quartalszahlen.

Im deutschen Aktienmarkt sorgte Nordex für positive Signale: Der Windanlagenbauer meldete für das dritte Quartal deutlich mehr Auftragseingänge als im Vorjahr, die Aktie lag vorbörslich knapp 4 Prozent im Plus. Unter Druck gerieten dagegen Immobilienwerte, allen voran Aroundtown, nachdem Goldman Sachs den Konzern auf „verkaufen“ abgestuft hatte. Zudem strich die Deutsche Bank ihre Kaufempfehlung für FlatexDEGIRO. Im SDAX steht ab Mittwoch ein Indexwechsel an: ProCredit ersetzt Nagarro, das vom indischen IT-Konzern Persistent übernommen wird.

Frankreichs Schuldenstreit bleibt bislang ein Einzelfall

Viele Anleger fürchten angesichts der Haushaltskrise in Frankreich eine neue Euro-Krise. In Paris herrscht anhaltender Haushaltsstreit, die Nationalversammlung ist blockiert, Schüler und Studenten demonstrieren in mehreren Städten. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen liegt inzwischen über jener von Italien und Griechenland – der französische Staat muss für neue Schulden mehr Zinsen bieten als 38 Prozent der französischen Unternehmen. Als Beispiel wird der Kosmetikkonzern L’Oréal genannt, der sich günstiger refinanzieren konnte als der französische Staat selbst.

Dennoch bleibt der Anleihenmarkt in Europa bislang ruhig. Dafür werden drei Gründe angeführt: Erstens die Haushaltsdisziplin der übrigen EU-Länder – von den fünf größten Volkswirtschaften liegen vier innerhalb oder nahe der Maastricht-Grenze von 3 Prozent, während Frankreich mit rund 5 Prozent die Ausnahme bildet. Zweitens das Vertrauen in die Europäische Zentralbank, die seit ihrem Versprechen von 2012 als Käufer der letzten Instanz für Staatsanleihen gilt. Drittens die Entwicklung der Renditen: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg binnen eines Jahres um 0,4 Prozentpunkte, bei US-Staatsanleihen waren es 1,2 Prozentpunkte. Der Risikoaufschlag Frankreichs gegenüber Deutschland ist sogar leicht gesunken.

Zwei Termine dürften in den kommenden Wochen für Aufmerksamkeit sorgen: Am 23. Oktober überprüft die Ratingagentur Moody’s die Bonitätsnote Frankreichs (derzeit AA3 mit negativem Ausblick), im November folgt S&P (aktuell A+). Bis Jahresende muss zudem der Haushalt durch das Parlament. Für den DAX gilt: Solange die Märkte Frankreich als Einzelfall behandeln, bleibt die Ansteckungsgefahr für deutsche Banken und Versicherer begrenzt.

Vier Jahre KI-Hausse an der Wall Street

Genau vor vier Jahren, am 12. Oktober 2022, hatte der S&P 500 bei 3577 Punkten seinen Tiefpunkt nach einem Kursrutsch von fast 25 Prozent erreicht. Seitdem hat der Index deutlich zugelegt, der technologielastige Nasdaq Composite sogar um mehr als 165 Prozent. Der Börsenwert der S&P-500-Unternehmen ist deutlich gestiegen. Zu den wertvollsten Unternehmen zählen inzwischen Nvidia, Microsoft, Apple und Alphabet. Nvidia nähert sich derzeit ebenfalls einer noch höheren Bewertungsmarke.

Den Anstoß gab die künstliche Intelligenz: Im November 2022 kam ChatGPT auf den Markt, kurz darauf zeigte Nvidia mit einer Umsatzprognose weit über den Erwartungen, wie groß der Bedarf an Rechenleistung ist. Goldman Sachs schätzt die KI-Investitionen allein in diesem Jahr auf mehr als eine Billion Dollar, weltweit bis Ende des Jahrzehnts auf bis zu sieben Billionen Dollar. Die zehn größten Werte im S&P 500 stellen inzwischen einen sehr hohen Anteil des gesamten Börsenwertes des Index dar.

Ob das Ende der Hausse naht, ist aus statistischer Sicht fraglich: Alle fünf großen Bullenmärkte der vergangenen 50 Jahre, die ein viertes Jahr erreichten, schafften auch ein fünftes. Im Schnitt dauerte ein Bullenmarkt rund acht Jahre. Die Bewertung des S&P 500 ist zudem gesunken – von mehr als dem 22-fachen des erwarteten Gewinns im Januar auf inzwischen ein deutlich niedrigeres Niveau. Der Index legte seit Jahresbeginn um 14 Prozent zu, wurde aber günstiger, weil die Gewinne schneller wuchsen als die Kurse. Als Schwachstelle gilt, dass seit dem Sommer fast ausschließlich Technologiewerte den Index nach oben tragen.

Welche DAX-Werte nach Zahlen besonders oft belohnt wurden

Eine Auswertung der vergangenen zehn Quartale – knapp 700 Berichte – sowie eine vertiefte Analyse der jüngsten sieben Quartale seit Januar 2025 zeigen, welche DAX-Werte nach ihren Quartalsberichten besonders zuverlässig besser abschnitten als der Gesamtmarkt. Als Erfolg gilt dabei, wenn eine Aktie am ersten Handelstag nach dem Bericht deutlich zulegte und den DAX übertraf.

Die Analyse zeigt: Eine Aktie, die nach jedem guten Bericht zulegt, gibt es auch im DAX nicht. Anleger achten vor allem auf das operative Ergebnis (EBIT) und den bereinigten Gewinn. Lag das EBIT mindestens 5 Prozent über dem Analystenkonsens, schlug die Aktie in 62 Prozent der Fälle den DAX. Verfehlte ein Unternehmen hingegen Umsatz, EBIT und Gewinn je Aktie zugleich, blieb die Aktie in 70 Prozent der Fälle hinter dem Index zurück. Wer erst nach starken Zahlen zum Eröffnungskurs kaufte, lag bis Handelsschluss in knapp 61 Prozent der Fälle vor dem DAX.

Drei Aktien stechen in der Auswertung besonders hervor: Die Deutsche Bank übertraf in den jüngsten sieben Quartalen sechsmal die Gewinnschätzungen und lief danach jedes Mal besser als der DAX, im Mittel um 2,7 Prozent. DHL (vormals Deutsche Post) übertraf in sechs von sieben Quartalen die Schätzung für das operative Ergebnis, fünfmal lag die Aktie danach vor dem Markt. Fresenius übertraf in der einfachen Zählung über zehn Quartale neunmal die Gewinnschätzung, achtmal legte der Kurs danach im Schnitt um 2,3 Prozent zu.

In der zweiten Reihe werden Allianz, Hannover Rück und E.ON genannt. Siemens Energy und Daimler Truck erreichten in den jüngeren Quartalen sogar eine Quote von 4 von 4. Zur Vorsicht mahnen dagegen zwei Werte: MTU Aero Engines übertraf zwar in allen sieben Quartalen das operative Ergebnis, lief danach aber nur zweimal besser als der DAX – ein Hinweis darauf, dass hohe Erwartungen bereits im Kurs eingepreist sind. Siemens wiederum war über 20 Quartale hinweg die Nummer eins im Vergleich, landet bei den letzten sieben Quartalen jedoch am Ende der Liste.

Die Berichtssaison nimmt damit in dieser Woche richtig Fahrt auf – mit den US-Banken als Auftakt und zahlreichen weiteren Terminen bei Technologie- und Industriekonzernen.

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