Der Nahe Osten lässt die Frankfurter Börse nicht los. US-Angriffe auf iranische Stellungen nahe der Straße von Hormus und Irans Gegenschlag auf die auslösende Militärbasis haben am Donnerstag die Stimmung getrübt — den DAX aber weniger erschüttert, als man erwarten könnte.
Der Leitindex startete mit einem Minus von rund 0,4 Prozent und hält sich zur Mittagszeit knapp unter 25.150 Punkten. Das Allzeithoch vom 13. Januar bei 25.507 Punkten bleibt damit rechnerisch in Sichtweite — aber eben nur in Sichtweite. Marktanalyst Andreas Lipkow von CMC Markets fasst es treffend zusammen: Die Anleger bleiben in Lauerstellung, setzen auf ein konstruktives Verhandlungsergebnis und nehmen die erneuten Angriffe nicht als Abkehr vom Verhandlungsweg.
Rüstung dreht auf, Rohöl ebenfalls
Das Marktbild zeigt deutliche Branchenrotation. Rheinmetall führt die DAX-Gewinnerliste mit einem Plus von rund 4,6 Prozent an — getrieben von einem Auftrag über mehr als 2.000 militärische Transportfahrzeuge im Wert von etwa einer Milliarde Euro. Kleinere Rüstungswerte wie RENK und Hensoldt legten in der zweiten und dritten Reihe noch stärker zu.
Infineon profitierte indes von frischen Kurszielen: Deutsche Bank Research und Morgan Stanley schraubten ihre Ziele auf 90 beziehungsweise 91 Euro — die Aktie gewann rund 2,4 Prozent auf 78,60 Euro. Gegenläufig entwickelte sich Bayer, das am DAX-Ende um gut 2 Prozent nachgab. Eine Klage des US-Unternehmens Latham wegen wettbewerbswidriger Praktiken im Maissaatgut-Geschäft drückt auf die Stimmung.
Der Ölpreis zog derweil an: Brent-Rohöl kostete zur Mittagszeit rund 95,90 Dollar je Fass — ein Plus von etwa 1,7 Prozent gegenüber dem Vortag.
Anleger uneins, Profis skeptisch
Das Stimmungsbild unter Investoren bleibt gespalten. Institutionelle Anleger reagierten auf die jüngsten Kurserholungen mit Skepsis: Rund vier Prozent drehten direkt von Long auf Short, der Sentiment-Index dieser Gruppe fiel auf minus 12 Punkte. In der Nähe des bisherigen Rekordhochs wollten viele Profis nicht mehr einsteigen.
Private Anleger zeigten sich hingegen zuversichtlicher. Ihr Sentiment-Index kletterte leicht auf plus 11 Punkte, die Gruppe der Optimisten wuchs. Sentiment-Experte Joachim Goldberg bezeichnete die vergangene Handelswoche als außerordentlich turbulent — allein seit dem vorigen Mittwoch verlor der DAX zeitweise über 1.000 Punkte, bevor eine KI-getriebene Rally Teile davon wieder aufholte.
Kandidaten für einen künftigen DAX-Aufstieg sind laut JPMorgan-Analyst Pankaj Gupta HOCHTIEF nach einem starken Lauf der vergangenen Monate sowie Lufthansa, die nach ihrem Corona-bedingten Abstieg 2020 in den Leitindex zurückkehren könnte. Eine Entscheidung darüber steht noch aus.
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