DAX-Rekordjagd: Scout24 explodiert, Adidas fällt weiter zurück

Scout24 erreicht dank Aktienrückkäufen ein Sechsmonatshoch, Siemens Energy überzeugt mit Rekordquartal. Adidas leidet unter Margendruck, während der DAX nahe 26.000 Punkten konsolidiert.

Auf einen Blick:
  • Scout24 steigt auf Sechsmonatshoch
  • Siemens Energy mit Rekordquartal
  • Adidas setzt Abwärtstrend fort
  • DAX konsolidiert nahe Rekordmarke

Ein Rückkaufprogramm treibt eine Aktie auf ein Sechsmonatshoch, während der Sportartikelkonzern seinen Abwärtstrend fortsetzt. Der DAX bewegt sich derweil nahe der 26.000-Punkte-Marke und zeigt dabei, wie unterschiedlich die Kräfte innerhalb des Leitindex derzeit wirken.

Nach einem zwischenzeitlichen Allzeithoch von über 26.500 Punkten in der Vorwoche konsolidiert der Index leicht. Die grundsätzliche Aufwärtsdynamik bleibt jedoch intakt, gestützt von Rekordgewinnen bei DAX-Konzernen und dem anhaltenden KI-Boom in den USA. Sektoral zeigt sich am Dienstag ein gespaltenes Bild: Industrials und Immobilienwerte gehören zu den Gewinnern, während Chemie- und Konsumgüterwerte unter Druck geraten.

Scout24: Rückkaufprogramm hievt Aktie auf Sechsmonatshoch

Scout24 ist der Star des Handelstages. Die Aktie legt um 5,7 Prozent auf 81,10 Euro zu und klettert damit erstmals seit sechs Monaten wieder über die 80-Euro-Marke.

Treiber ist das laufende Aktienrückkaufprogramm der Immobilienplattform. Allein in der vergangenen Woche erwarb das Unternehmen über 174.000 eigene Aktien über die Börse. Seit Juni wurden damit bereits knapp 1,37 Millionen Aktien vom Markt genommen — eine verlässliche Nachfragequelle, die den Kurs stützt. Zusätzlich wirken die Nachwehen der jüngsten Quartalszahlen positiv nach.

Bemerkenswert: Der Anstieg gelingt trotz einer eigentlich belastenden Nachricht. Ende August verschwindet die Aktie aus dem MSCI World-Index, was normalerweise Verkaufsdruck durch Indexfonds auslöst. Dieser Effekt scheint sich bei Scout24 aktuell in Grenzen zu halten. Nach massiven Kursrückgängen zwischen Juli 2025 und März 2026 befindet sich der Titel seit gut vier Monaten in einem Aufwärtstrend. Mit einer hohen operativen Marge zählt die Immobilienplattform fundamental zu den profitabelsten Großunternehmen Deutschlands.

Siemens Energy: Rekordquartal beflügelt Rally

Siemens Energy legt um 2,9 Prozent auf 153,52 Euro zu und setzt die seit Wochen anhaltende Erholung fort. Grundlage sind außergewöhnlich starke Quartalszahlen: Der Konzern erreichte Rekordwerte bei Aufträgen, Umsatz und Rentabilität, wobei die Nachfrage aus den USA erneut den größten Beitrag zum Auftragseingang lieferte.

Der Nettogewinn stieg deutlich auf 1.188 Millionen Euro gegenüber 697 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Auch die einstige Sorgenkind-Sparte zeigt Besserung: Siemens Gamesa meldete erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 ein positives Ergebnis und steuert auf den Break-even im laufenden Jahr zu.

Das Management bestätigte seinen bereits im ersten Halbjahr erhöhten Ausblick für 2026 und rechnet nun mit einer Gewinnmarge am oberen Ende der geführten Spanne. Angesichts der Rekordwerte bei Auftragseingang und Profitabilität wirkt der heutige Kurssprung weniger wie ein kurzfristiger Ausreißer als wie die Fortsetzung eines fundamental getragenen Trends. Die Aktie notiert damit rund 21 Prozent unter ihrem Jahreshoch, nachdem sie in den vergangenen zwölf Monaten um 68 Prozent zugelegt hat.

Siemens: Rekordauftragseingang stützt Kurs nahe Allzeithoch

Siemens gewinnt 1,7 Prozent und notiert bei 285,20 Euro — nur wenige Prozent unter dem Jahreshoch von 291,25 Euro. Der Anstieg wird von positiven Analystenstimmen getragen: Die UBS beließ ihre Einstufung bei „Buy“ mit einem Kursziel von 330 Euro und bezeichnete die Münchner weiterhin als Top-Favorit. Auch Goldman Sachs hob sein Kursziel zuletzt kräftig an.

Fundamental profitiert der Konzern von einer starken operativen Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr. Ein Rekordauftragseingang und ein erhöhter Ergebnisausblick untermauern das Bild. Damit reiht sich Siemens in den positiven Trend der Industrials-Sparte ein, der auch die Konzernschwester Siemens Energy heute beflügelt. Die Kombination aus soliden Fundamentaldaten und wohlwollenden Analystenkommentaren macht den Anstieg eher zu einem Baustein eines längerfristigen Trends als zu einer Eintagsfliege.

Adidas: Margendruck bleibt die offene Wunde

Adidas verliert heute 2,2 Prozent und rutscht auf 152,55 Euro ab. Der Sportartikelhersteller setzt damit einen bereits seit Wochen anhaltenden Abwärtstrend fort — allein in den vergangenen 30 Tagen büßte die Aktie 15 Prozent ein. Eine neue unternehmensspezifische Nachricht lag dem heutigen Rücksetzer nicht zugrunde. Die Entwicklung setzt vielmehr fort, was bereits mit der Zahlenvorlage Ende Juli begann.

Trotz eines Rekordumsatzes von 6,74 Milliarden Euro im zweiten Quartal sank die operative Marge auf 8,5 Prozent, während höhere Marketingausgaben rund um die Fußball-Weltmeisterschaft belasteten. Die UBS strich daraufhin ihre Kaufempfehlung und senkte das Kursziel von 219 auf 173 Euro. Analyst Robert Krankowski begründete dies damit, die Umsatzentwicklung sei stabil, die Marge aber verwundbar. Zusätzlich belasten Konkurrenzsorgen, nachdem Wettbewerber On mit Umsatz und Ausblick enttäuschte.

Immerhin gibt es einen Lichtblick: Für das Gesamtjahr hob Adidas die Umsatzprognose auf ein Plus von 9 bis 10 Prozent an, nachdem zuvor nur ein hoher einstelliger Zuwachs in Aussicht gestellt worden war. Am Betriebsergebnisziel von rund 2,3 Milliarden Euro hält der Konzern fest. Die strukturelle Margenschwäche dürfte Anleger dennoch noch länger beschäftigen.

BASF: Solide Zahlen, aber zyklische Skepsis überwiegt

BASF gibt 1,8 Prozent nach und notiert bei 51,41 Euro — trotz eigentlich solider operativer Entwicklung. Im ersten Halbjahr steigerte der Konzern den Umsatz um 6,2 Prozent, das bereinigte EBITDA kletterte um 17,5 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Der Ausblick für das Gesamtjahr wurde ebenfalls angehoben, auf nun 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro EBITDA vor Sondereinflüssen.

Der heutige Rückgang spiegelt eher die allgemeine Schwäche des Chemiesektors wider als unternehmensspezifische Probleme. Fundamental bleibt BASF zyklisch anfällig: Energiepreise, globale Nachfrage, chinesische Konkurrenz und geopolitische Risiken können das Ergebnis jederzeit beeinflussen.

Kapitalmarktseitig sendet der Konzern positive Signale mit einem milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm und konsequentem Schuldenabbau. Diese Maßnahmen dürften den Kurs jedoch eher langfristig stützen. Kurzfristig überwiegt die Skepsis gegenüber der zyklischen Branche insgesamt — der Rücksetzer wirkt damit wie eine technische Verschnaufpause nach den Kursgewinnen der vergangenen Wochen.

Brenntag: Sektorschwäche trifft auf robuste Fundamentaldaten

Brenntag verliert 1,1 Prozent und fällt auf 60,58 Euro. Ähnlich wie BASF leidet der Chemiedistributeur heute vor allem unter der allgemeinen Stimmung im Rohstoffsektor, nicht unter eigenen schlechten Nachrichten. Fundamental steht der Konzern gut da: Dank eines starken Jahresverlaufs hob Brenntag seine EBITDA-Prognose für 2026 deutlich an.

Der Rücksetzer erfolgt zudem von einem erhöhten Niveau aus. Die Aktie notiert aktuell rund 9 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 66,74 Euro, das erst vor rund zwei Wochen erreicht wurde. Nach der starken Rally wirkt der heutige Abschlag eher wie eine technische Konsolidierung als wie ein fundamentales Warnsignal, auch wenn das Chartbild zuletzt bereits eine gewisse Ermüdung zeigte.

Sektordynamik im Überblick

Der heutige Handelstag zeigt exemplarisch, wie unterschiedlich die Kräfte innerhalb des DAX derzeit wirken:

  • Industrials im Aufwind: Siemens und Siemens Energy profitieren von Rekordaufträgen und positiven Analystenkommentaren
  • Rückkaufprogramme als Kurstreiber: Sowohl Scout24 als auch BASF setzen auf milliardenschwere beziehungsweise gezielte Aktienrückkäufe zur Kursstützung
  • Zyklische Bremsspuren: BASF und Brenntag leiden trotz solider Zahlen unter der allgemeinen Sektorstimmung in Chemie und Grundstoffen
  • Strukturprobleme bei Adidas: Margendruck durch Marketingausgaben und Konkurrenzdruck belasten trotz angehobener Umsatzprognose

Selektion statt Pauschalkauf gefragt

Während Industrials und Immobilienwerte von starken Geschäftszahlen und positiver Analystenstimmung profitieren, kämpfen zyklische Sektoren wie Chemie und Konsumgüter mit strukturellen Herausforderungen. Für Anleger bedeutet das: Der Index bleibt trotz Rekordniveau attraktiv, doch die Gewinne verteilen sich zunehmend selektiv auf einzelne Titel und Branchen.

Wer auf Scout24 und Siemens Energy setzte, wurde heute für fundamentale Stärke belohnt. Bei Adidas, BASF und Brenntag zeigt sich hingegen, dass auch grundsätzlich solide Unternehmen unter sektoralen oder margenbedingten Sorgen leiden können. Ob sich die Rekordjagd des DAX fortsetzt oder die zyklischen Bremsspuren aus Chemie und Konsumgütern stärker auf den Gesamtindex durchschlagen, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.

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