Der deutsche Aktienmarkt hat seine jüngste Erholung vorerst beendet. Nach drei Gewinntagen in Folge verlor der DAX am Mittwoch 1,35 Prozent und schloss bei rund 25.100 Punkten. Am Donnerstagmorgen rutschte der Index zum Handelsstart unter die Marke von 25.000 Punkten und näherte sich damit auch seiner 200-Tage-Linie an. Belastend wirkten der weiterhin über 100 Dollar notierende Ölpreis sowie neue Sorgen um die fiskalische Lage Frankreichs. Die dortige Notenbank hatte das Staatsdefizit in einer aktuellen Analyse in einer Risikozone verortet und den Haushalt für 2027 zur Bewährungsprobe erklärt.
Technologiewerte unter Druck, TSMC liefert Hoffnungsschimmer
Besonders stark traf der Abwärtsdruck den Technologiesektor. Infineon verlor spürbar. Viele Anleger realisierten offenbar Gewinne, bevor große asiatische Chipkonzerne ihre Quartalszahlen vorlegten. TSMC aus Taiwan meldete deutlich gestiegene Quartalsumsätze – ein Signal dafür, dass die Nachfrage nach KI-Chips stabil bleibt. Für Kauflaune am deutschen Markt reichte das allerdings nicht.
An der Wall Street fiel die Reaktion milder aus. Nach Rekordhochs bei S&P 500 und Nasdaq ging es ruhiger zu: Der Dow Jones gab um 0,66 Prozent nach, der S&P 500 verlor 0,22 Prozent, der Nasdaq 100 rutschte um 0,21 Prozent ab. Am Abend wurde das Protokoll der Fed-Sitzung aus dem September veröffentlicht. An den Terminmärkten rechnen derzeit vier von fünf Marktteilnehmern für die Oktober-Sitzung eher mit einer Pause, der Blick richtet sich stärker auf November oder Dezember.
Pentagon als Geldgeber: Wolfspeed schießt nachbörslich nach oben
Trotz der allgemeinen Zurückhaltung gab es auch Ausreißer. Die Aktie von Wolfspeed verzeichnete im regulären Handel am Mittwoch zunächst ein Minus, legte dann aber nachbörslich deutlich zu. Grund war eine Kreditzusage des US-Verteidigungsministeriums über 1,5 Milliarden Dollar mit einer Laufzeit von 30 Jahren. Die Zusage steht unter Vorbehalt und ist daran geknüpft, dass Wolfspeed Siliziumkarbid und weitere Leistungshalbleiter in den USA fertigt. Im Gegenzug erhält das Ministerium bei Vertragsabschluss Optionsscheine, die einem Anteil von 7,5 Prozent an Wolfspeed entsprechen.
Siliziumkarbid verkraftet hohe Spannungen deutlich besser als herkömmliches Silizium und wird vor allem bei der Stromversorgung von Rechenzentren, Elektroautos und in der Satellitentechnik gebraucht – daher das Interesse des Militärs. Wolfspeed bringt derzeit eine vergleichsweise geringe Börsenkapitalisierung auf die Waage, der Kredit entspricht damit einem bedeutenden Anteil der gesamten Marktkapitalisierung. Das Unternehmen schreibt weiterhin Verluste und hat viel Geld in den Aufbau zweier Werke investiert, wobei die Investitionen inzwischen zurückgehen, da die Bauarbeiten sich dem Ende nähern. Seit Jahresbeginn lag die Aktie bis Mittwoch deutlich im Plus, vom Mai-Hoch bei über 80 Dollar hatte sie allerdings mehr als die Hälfte verloren. Sollte der nachbörsliche Kursgewinn Bestand haben, würde die Aktie wieder in Richtung ihrer 100-Tage-Linie bei rund 37 Dollar steigen. Die Finanzierungszusage ist allerdings noch nicht unterschrieben, die Optionsscheine könnten bestehende Aktionäre verwässern, und Analysten zeigen sich bislang zurückhaltend.
IBM von DARPA für letzte Benchmarking-Stufe ausgewählt
Im Bereich Quantentechnologie hat IBM eine wichtige Nachricht geliefert. Das Unternehmen wurde von der Forschungsbehörde DARPA, die dem Pentagon angegliedert ist, für die letzte Stufe ihrer Quantum Benchmarking Initiative ausgewählt und erreichte damit die sogenannte Stufe C. Das seit 2024 laufende Programm fungiert als unabhängige Prüfstelle, mit der die Behörde herausfinden will, welche Unternehmen bis 2033 einen industriell nutzbaren, fehlerkorrigierten Quantencomputer bauen können. In Stufe C testen die Fachleute der DARPA die Hardware nun selbst. Gelingt IBM der Nachweis, könnten bis zu 300 Millionen Dollar an staatlichen Geldern fließen. IBM hat zudem angekündigt, bis 2029 einen fehlertoleranten Quantencomputer liefern zu wollen – ein System, das Rechenfehler im laufenden Betrieb selbst erkennt und korrigiert, was aktuell als größte Hürde der Branche gilt.
Auf der DARPA-Liste fehlt unter anderem Quantinuum, das Unternehmen, das erst im Juni an die Börse gegangen ist und nach eigenen Angaben noch mit der Behörde verhandelt. Die Quantinuum-Aktie steht entsprechend unter Druck.
PepsiCo vor Zahlen, Samsung mit Rekordgewinn und trotzdem im Minus
Noch vor Handelsstart sollte PepsiCo seine Zahlen für das dritte Quartal vorlegen. Analysten rechneten mit einem bereinigten Gewinn von 2,30 Dollar je Aktie, praktisch auf Vorjahresniveau, sowie einem Umsatz von knapp 25 Milliarden Dollar, ein Plus von gut 4 Prozent. Im Vorquartal war das internationale Geschäft zweistellig gewachsen, während der US-Heimatmarkt schwächelte: Die Snack-Sparte setzte dort 2 Prozent weniger um, bei Getränken ging die Absatzmenge um 4 Prozent zurück. Der aktivistische Investor Elliott ist mit rund 4 Milliarden Dollar bei PepsiCo eingestiegen und fordert mehr Wachstum sowie bessere Margen. Der Konzern plant, fast 20 Prozent der US-Produkte zu streichen, und hatte Anfang des Jahres die Preisempfehlung für seine bekanntesten Chipsmarken um bis zu 15 Prozent gesenkt. Nun stehen wegen steigender Kosten bei Rohstoffen, Verpackung, Fracht und Energie erneut Preiserhöhungen im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich an. Die Aktie steckt seit Jahresbeginn mit einem Minus von knapp 14 Prozent in einem Abwärtstrend und notiert nahe ihres 52-Wochen-Tiefs.
Samsung hat in der Nacht Quartalszahlen vorgelegt und einen Rekordgewinn gemeldet – die Aktie tendierte dennoch ins Minus. Für das dritte Quartal wurde ein operativer Gewinn von rund 107,4 Billionen Won ausgewiesen, das Neunfache des Vorjahreswertes, womit die Analystenschätzungen übertroffen wurden. Trotzdem gab die Aktie in Seoul um rund 2 Prozent nach, da die Zahlen die Prognosen nur schwach übertrafen und der Preisanstieg bei Speicherchips an Tempo verliert. Treiber bleibt die Knappheit bei Speicherchips für Rechenzentren, PCs und Smartphones, eine Entspannung erwartet Samsung frühestens 2027. Wie Micron strebt auch Samsung langfristige Lieferverträge an, die mehr Planbarkeit bringen sollen.
Daimler Truck mit starkem Absatzplus, Aktie reagiert verhalten
Daimler Truck hat im dritten Quartal deutlich mehr Fahrzeuge verkauft, 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Getragen wurde das Plus vom Geschäft in Nordamerika, während Mercedes-Benz Trucks um 13 Prozent zulegte. Die Aktie reagierte kaum, was dem schwachen Gesamtmarkt geschuldet sein dürfte. Seit August befindet sich der Titel in einer ausgeprägten Korrekturphase, alle gleitenden Durchschnitte wurden nach unten durchbrochen, die Aktie nähert sich einer Unterstützungszone im Bereich von 39 Euro. Der Nordamerika-Boom profitiert von einem Sondereffekt: Ab dem Modelljahr 2027 gelten strengere Abgasregeln, weshalb viele Spediteure ihre Lkw vorzeitig bestellen. Im Juli hatte der Vorstand die Jahresprognose angehoben und peilt einen bereinigten operativen Gewinn von 3,6 bis 4,1 Milliarden Euro an. Auf Basis der Gewinnschätzung für 2027 kommt Daimler Truck auf ein KGV von rund 9.
Bitcoin zwischen Ölpreis, Zinsen und starkem Dollar
Was den DAX am Mittwoch bremste, trifft den Kryptomarkt noch direkter. Der Bitcoin verzeichnete erneut Verluste, der zuvor laufende Ausbruch nach oben hat an Momentum verloren. Drei Faktoren belasten gleichzeitig: der weiterhin hohe Ölpreis, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei knapp 5,3 Prozent sowie das Fed-Protokoll mit der Aussicht auf weitere Zinsschritte. Da Bitcoin keine Zinsen abwirft, geraten solche Anlagen in einem Umfeld steigender Zinsen unter Druck. Hinzu kommt ein Dollarindex, der mit über 102 Punkten auf den höchsten Schlusskurs seit 2025 zusteuert – ein starker Dollar bremst grundsätzlich alles, was in Dollar gehandelt wird.
Besonders getroffen hat es gehebelte Anleger: Innerhalb von 24 Stunden wurden am Kryptomarkt in erheblichem Umfang Positionen zwangsweise geschlossen, 83 Prozent davon Wetten auf steigende Kurse. Wer seine Bitcoins direkt im Depot hielt, war davon nicht betroffen. Das Volumen der offenen Terminkontrakte auf Bitcoin ist leicht gestiegen, knapp 64 Prozent setzen weiterhin auf steigende Kurse. Fällt der Bitcoin unter eine kritische Unterstützungszone, könnte genügend Zündstoff für eine weitere Liquidationsrunde bereitstehen, was einen schnellen weiteren Kursrutsch zur Folge haben könnte.
Auf der anderen Seite steht eine robuste Nachfrage über Bitcoin-ETFs, die in der vergangenen Woche netto 241 Millionen Dollar einsammelten, im September waren es insgesamt 2,65 Milliarden Dollar. Der Anteil des Bitcoin am gesamten Kryptomarkt liegt bei fast 69 Prozent, was auch die stärkeren Verluste bei Ethereum und XRP erklärt, da Bitcoin in diesem Umfeld als sicherer Hafen innerhalb der Kryptowährungen gilt.
Mit Blick auf den Marktzyklus ist seit dem Halving im April 2024 bereits ein erheblicher Teil der Strecke bis zum nächsten Halving im Frühjahr 2028 zurückgelegt. In früheren Zyklen lag das Hoch jeweils vor Tag 550, das Tief des Bärenmarktes um Tag 900. Diesmal fiel das Rekordhoch auf den 6. Oktober 2025, das bisherige Tief markierte der Bitcoin im Juli. Solange die Zone zwischen 80.000 und 81.000 Dollar hält, bleibt das übergeordnete Bild intakt. Ein Sprung über 87.000 Dollar würde signalisieren, dass die Käufer mit den Belastungsfaktoren Öl, Rendite und Dollar zurechtkommen, womit auch die Marke von 90.000 Dollar in Reichweite rücken würde.
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