Es war ein Quartal, das man sich lieber nicht genau anschaut. Daimler Truck meldete am Mittwoch einen adjusted EBIT von gerade noch 498 Millionen Euro, gut die Hälfte des Vorjahreswerts von 1,08 Milliarden Euro. Der Gewinn je Aktie fiel um 80 Prozent auf 0,18 Euro. Und das in einem Markt, der eigentlich der stärkste sein sollte.
Nordamerika, der Problemfall
In Nordamerika, seit Jahren der verlässlichste Profitmotor des Konzerns, verdiente Daimler Truck im ersten Quartal nur noch 209 Millionen Euro. Minus 73 Prozent. Der Absatz schrumpfte um 25 Prozent, der Umsatz um 29 Prozent. Die US-Importzölle gegen Mexiko, wo Fahrzeuge der Marke Freightliner gebaut werden, schlugen mit einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag durch. CFO Eva Scherer erwartet zwar Gutschriften für in den USA gefertigte Komponenten, eine belastbare Jahresaussage zu den Zollkosten gibt es dennoch nicht.
Hinzu kommt: Die amerikanische Logistikbranche hat die Bestellung neuer Lkw schlicht aufgeschoben. Unsicherheit über Zölle und Konjunktur hatte die Spediteure zuletzt gelähmt.
Und dann das Auftragsplus
Genau da liegt der Haken an der Geschichte, und er ist diesmal ein positiver. Der globale Auftragseingang sprang im ersten Quartal um 50 Prozent auf 114.043 Fahrzeuge. In Nordamerika sogar plus 86 Prozent. CEO Karin Radström formulierte es so: „Wir sind gut positioniert, um im weiteren Jahresverlauf weitere Verbesserungen zu erzielen, trotz eines schwierigen ersten Quartals.“
Jefferies-Analyst Michael Aspinall sah die Quartalszahlen in Linie mit seinen eigenen Schätzungen, allerdings unter dem Marktkonsens. Entscheidend sei aber, dass Daimler Truck die operative Marge in Nordamerika bereits im zweiten Quartal auf 7 bis 8 Prozent zurückführen will, verglichen mit 5,4 Prozent im ersten Quartal. JP-Morgan-Analyst Jose M. Asumendi hält an seiner Kaufempfehlung fest, Kursziel 50 Euro.
Sparprogramm läuft, E-Trucks stocken
Parallel läuft das Programm „Cost Down Europe“, das bis 2030 mehr als eine Milliarde Euro an Betriebskosten einsparen soll. Rund 5.000 Stellen werden in Deutschland gestrichen, vor allem beim Mercedes-Benz-Truck-Geschäft. Auch in Nordamerika sind Stellenabbau-Maßnahmen geplant.
Bei Elektro-Lkw sieht es mau aus. In den USA werden Modelle wie der eCascadia unter der Trump-Regierung immer schwerer verkäuflich, der Kostennachteil gegenüber Diesel bleibt zu groß. Das konzernweite Batterieplattform-Projekt wurde 2025 bereits eingestellt. In Europa fehlt die Ladeinfrastruktur, Genehmigungsverfahren für Ladepunkte an Speditionshöfen dauern zu lang.
Daimler Truck Holding AG Aktie Chart
Jahresziele stehen, Aktie kaum bewegt
Die Jahresprognose bleibt unverändert: Adjusted EBIT zwischen 3,2 und 3,7 Milliarden Euro, Umsatz im Industriegeschäft zwischen 42 und 46 Milliarden Euro, Marge 6 bis 8 Prozent. Die Aktie reagierte am Mittwoch kaum, ein leichtes Plus von gut einem halben Prozent. Seit Jahresbeginn steht sie rund 17 Prozent im Plus.
Wer auf ein schlechtes Quartal gewartet hat, um einzusteigen, hatte es schon eingepreist. Der Markt schaut jetzt auf das zweite Quartal, und Radström hat die Latte selbst gelegt: 7 bis 8 Prozent Marge in Nordamerika. Verfehlt sie das, wird die Diskussion eine andere sein.
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