Liebe Leserinnen und Leser,
+40% Kursplus in wenigen Tagen – das kleine (aber feine) Quantencomputer-Unternehmen D-Wave Quantum hat sich in der vergangenen Woche den vielen Kurssprung-Beispielen aus dem KI-Bereich angeschlossen.
Auslöser war, dass das US-Handelsministerium mit D-Wave Quantum eine Absichtserklärung über eine 100 Mio. Dollar schwere Förderung im Rahmen des CHIPS and Science Act unterzeichnete. Zur Erklärung: Der CHIPS and Science Act ist ein milliardenschweres US-Förderprogramm, das 2022 unter Biden verabschiedet wurde, um die heimische Halbleiter- und Quantentechnologie-Industrie gezielt zu stärken und die Abhängigkeit von asiatischen Produzenten zu reduzieren.
Im Gegenzug für die Finanzspritze erhält der Staat einen Minderheitsanteil an D-Wave – der amerikanische Steuerzahler wird also wie schon bei verschiedenen Minenunternehmen, die kritische Rohstoffe liefern, zum Aktionär.
D-Wave Quantum Aktie Chart
Washington setzt Milliarden auf Quantentechnologie
Die Quantum-Investitionen sind eine bewusste strategische Positionierung der US-Regierung in einer Technologie, die sie als entscheidend für die nationale Sicherheit und den globalen Wettbewerb gegen China eingestuft hat. Insgesamt verteilt Washington im Rahmen dieses Pakets 2 Milliarden Dollar an neun Unternehmen – IBM erhält eine Milliarde, D-Wave steht in einer Reihe mit den anderen auserwählten Quantenpionieren.
Dass D-Wave ausgewählt wurde, ist dabei für viele Beobachter keine Überraschung. D-Wave ist das derzeit einzige börsennotierte Unternehmen, das gleichzeitig Annealing- und Gate-Model-Systeme betreibt. Beim Annealing-Ansatz wird ein physikalisches System genutzt, um Optimierungsprobleme zu lösen – vereinfacht gesagt: Der Rechner findet den effizientesten Weg durch ein extrem komplexes Labyrinth, schneller als jeder klassische Computer es könnte.
Gate-Model-Systeme hingegen funktionieren ähnlich wie klassische Computer, nur auf Quantenebene – sie sind universeller einsetzbar und gelten als der langfristig vielversprechendere Ansatz für generelle KI- und Rechenaufgaben.
Entwicklung von Quantencomputern weiter als vielfach angenommen
Die bereit gestellten Mittel sollen D-Wave dabei helfen, ein 100.000-Qubit-Annealing-System zu entwickeln sowie ein Gate-Model-System mit 10.000 physikalischen Qubits. Beides sind Dimensionen, die die kommerzielle Nutzbarkeit von Quantencomputern vorantreiben soll.
Bislang war Quantencomputing für viele Investoren etwas für eine ferne Zukunft. Ich persönlich habe mir selbst im Vorjahr noch nicht vorstellen können, dass das Thema so schnell aktuell wird. Doch die Bereitstellung von staatlichem Kapital und die Ausarbeitung konkreter Vertragsziele zeigt, dass wir schon recht weit sind.
Das Anwendungspotenzial der neuen Technologie ist gewaltig und schon heute keineswegs auf Laborexperimente beschränkt. Über 100 Organisationen weltweit nutzen D-Waves Systeme bereits aktiv für reale Probleme – in der Logistik und Lieferkettenoptimierung, in der Luft- und Raumfahrt, in den Biowissenschaften und in der KI-Infrastruktur.
KI-Beschleuniger und Sicherheitswaffe zugleich
Gerade der letzte Punkt dürfte der größte Gewinntreiber sein. Denn Quantencomputer können die enormen Energiekosten der KI-Anwendungen senken, indem sie Optimierungsprobleme in einem Bruchteil der Zeit lösen, die klassische Supercomputer benötigen. Rechenzentren unterliegen je nach Chip-Ausstattung Kapazitätsrestriktionen und auch die Stromkosten müssen berücksichtigt werden.
Wenn Quantentechnologie also einen handfesten wirtschaftlichen Vorteil bietet, wird die Nachfrage automatisch kommen. Hinzu kommen Verteidigung und Cybersicherheit – sicherheitskritische Bereiche, in denen Washington nicht zufällig mit 2 Mrd. Dollar einsteigt. In düsteren Szenarien wird durchgespielt, was passieren könnte, wenn ein Rivale als erstes die Quantentechnologie nutzen kann. Sind die Verteidigungssysteme dann noch gut genug verschlüsselt?
Geschäfts-Visibilität nimmt deutlich zu
D-Wave war schon vor dieser Nachricht nicht mehr der Zockerwert, der er 2025 war. Im Januar generierte das Unternehmen allein in einem Monat mehr als 30 Mio. Dollar an verbindlichen Bestellungen – mehr als der gesamte Umsatz des Vorjahres. Die Q1-Zahlen vom 12. Mai bestätigten diesen Trend: Die Bestellungen erreichten einen neuen Rekordwert von 33,4 Mio. Dollar, getragen von einem 20-Mio.-Dollar-Systemverkauf an die Florida Atlantic University und einem 10-Mio.-Dollar-Geschäftskunden-Vertrag.
Dass die Aktie nicht schon vorher anzog, lag am Quartalsumsatz von 2,86 Mio. Dollar, der damit unter den Erwartungen lag. Ich sehe darin jedoch kein Indikator für eine grundsätzlich flacherer Umsatzkurve. Gut möglich, dass sich ein Abschluss lediglich verschoben hat. Dann sieht das Quartalsergebnis aufgrund der noch kleinen Zahlen schnell schwach aus, obwohl die Pipeline voll ist. Analysten projizieren für 2028 bereits einen Umsatz von über 120 Mio. Dollar, was einer jährlichen Wachstumsrate von mehr als 70% entspräche.
D-Wave Quantum Aktie Chart
Qubits Europe: Nächster Katalysator schon in Sichtweite
Am 18. Juni findet in London die Qubits Europe 2026 statt, D-Waves jährliche Nutzerkonferenz. Dort werden neue Anwendungsfälle präsentiert, Live-Demos gezeigt und der technologische Fahrplan für Annealing und Gate-Model aktualisiert. Solche Konferenzen sind in der Vergangenheit regelmäßig Kurskatalysatoren gewesen.
Ich halte es für gut möglich, dass auch in diesem Jahr die Aktie einen Schub im Zuge der Konferenz erfährt – trotz der jetzigen Kurse oberhalb von 30 Dollar. Nimmt die praktische Nutzung der Quantentechnologie Fahrt auf, kann sich der Aktienkurs nach 1.600% in den vergangenen 3 Jahren in den kommenden 3 Jahren durchaus nochmal vervielfachen.
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