D-Wave Quantum steuert auf eine Woche zu, die zeigen könnte, ob der Ausverkauf der letzten Wochen endlich einen Boden gefunden hat. Am Montag, den 27. Juli, läutet das Unternehmen die Handelsglocke an der Nasdaq – offiziell zur Feier des Börsenwechsels. Für mich ist das mehr als Symbolik: Es trifft eine Aktie, die technisch am Anschlag ist.
Der Kurs schloss am Freitag bei 14,27 Euro, nach einem Tagesverlust von 5,15 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Minus von fast 30 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich der Wert um mehr als ein Drittel reduziert. Wer diese Zahlen isoliert betrachtet, sieht nur eine Aktie im freien Fall. Ich sehe darin eher die Vorgeschichte zu einer möglichen Gegenbewegung.
Was der Börsenwechsel wirklich bedeutet
CEO Alan Baratz verkauft den Nasdaq-Umzug als Anpassung an andere wachstumsstarke Tech-Werte. Das Unternehmen betont dabei seine Position als kommerzieller Vorreiter der Quantencomputing-Branche mit mittlerweile über 100 Kunden. Für Investoren zählt in dieser Woche aber weniger das Prestige der Börse als die Frage, ob der „Nasdaq-Effekt“ die Verkaufswelle stoppen kann.
Ich halte diese Hoffnung nicht für unbegründet. Der RSI ist auf 32,3 gefallen und nähert sich damit überverkauftem Terrain. Bei einer Aktie mit einer annualisierten Volatilität von über 68 Prozent folgt auf solche Extremwerte historisch häufig eine technische Erholung. Der aktuelle Kurs liegt zudem fast 29 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 20 Euro – ein Abstand, der eine Überdehnung des Abwärtstrends nahelegt.
Operatives Wachstum gegen Bewertungsskepsis
Der eigentliche Konflikt bei D-Wave liegt zwischen harten operativen Fortschritten und tiefem Misstrauen gegenüber der Bewertung. Kritiker verweisen zu Recht darauf, dass die Aktie zeitweise mit dem 800-Fachen des Umsatzes gehandelt wurde – eine Kennzahl, die für sich genommen jede Kaufempfehlung verbietet.
Auf der anderen Seite stehen Fakten, die schwer zu ignorieren sind. Die Auftragseingänge sind um fast 2.000 Prozent auf 33,4 Millionen Dollar gesprungen. Hinzu kommen ein Systemverkauf über 20 Millionen Dollar sowie ein Zehn-Millionen-Deal mit einem Fortune-100-Unternehmen. Das sind keine Pilotprojekte mehr, sondern reale Umsätze im industriellen Maßstab.
Auch auf der Forschungsseite tut sich etwas. Am Los Alamos National Laboratory nutzen Wissenschaftler D-Wave-Systeme für komplexe statistische Mechanik-Modelle. Das ist ein Beleg dafür, dass die Quantum-Annealing-Technologie den Sprung von der theoretischen Versprechung zur überprüfbaren Anwendung schafft.
Mein Fazit zur kommenden Woche
Die Rechnung der Analysten wirkt fast schon abenteuerlich optimistisch: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 33,01 Euro, das wäre ein Aufschlag von über 130 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Ich würde diese Zielmarke nicht als realistische Kurzfrist-Erwartung nehmen, aber sie zeigt, wie weit sich die Wall-Street-Einschätzung vom aktuellen Kurs entfernt hat.
Entscheidend wird sein, ob die Marke von 14,27 Euro die Woche übersteht. Zündet die Nasdaq-Glocke kein neues Kaufinteresse, dürfte die Aktie in Richtung des 52-Wochen-Tiefs bei 11,12 Euro abdriften. Angesichts des überverkauften RSI und der breiten Kluft zwischen Kurs und Analystenzielen halte ich eine technische Erholung nach diesem brutalen Verkaufsmonat für das wahrscheinlichere Szenario – unabhängig davon, wie man die langfristige Bewertungsfrage beurteilt.
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