D-Wave Quantum Aktie: Kanzlei prüft mögliche Falschdarstellungen

Symbolbild, KI-generiert

Die Kanzlei Kessler Topaz Meltzer & Check hat eine Untersuchung möglicher Verstöße gegen US-Wertpapierrecht bei D-Wave Quantum eingeleitet. Auslöser sind mögliche Falschdarstellungen im Zusammenhang mit dem Geschäftsverlauf des Unternehmens. Für Anleger, die sich zuletzt an guten Nachrichten aus Washington erfreuen konnten, ist das ein Dämpfer.

Die Prüfung der Kanzlei folgt auf zwei Ereignisse, die für sich genommen bereits für Unruhe gesorgt hatten: die Quartalszahlen zum zweiten Jahresviertel und den Abgang von Finanzchef John Markovich. Ein direkter inhaltlicher Zusammenhang zwischen den beiden Vorgängen lässt sich aus der Kanzleimeldung selbst nicht ableiten – sie nennt sie lediglich im Zusammenhang mit ihrer Untersuchung.

Markovich hatte seinen Rücktritt bereits Ende August angekündigt, wirksam wurde er zum 2. September. Als Nachfolger übernahm Greg Golkov, bislang Senior Vice President Finance, kommissarisch die Rolle als Acting CFO sowie als leitender Finanz- und Bilanzverantwortlicher.

Quartalszahlen als Ausgangspunkt

Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 hatten bereits vor rund einem Monat für Ernüchterung gesorgt: Der Umsatz lag bei lediglich 3,1 Millionen US-Dollar, wobei kommerzielle Kunden 62,4 Prozent davon beisteuerten.

Positiver stimmte das Auftragsbild – die Bestellungen im ersten Halbjahr schossen um 1.120 Prozent nach oben, die verbleibenden Erfüllungsverpflichtungen stiegen um 668 Prozent auf 40,7 Millionen US-Dollar.

Für ein Unternehmen dieser Größenordnung ist diese Kombination aus mickrigem Umsatz und kräftigem Auftragswachstum durchaus typisch für die frühe Kommerzialisierungsphase von Quantencomputer-Technologie – sie öffnet aber auch Raum für unterschiedliche Interpretationen der Geschäftslage, den Anwaltskanzleien nun aufgreifen.

Seit den Zahlen hat die Aktie rund 8,1 Prozent verloren. Der CFO-Wechsel vor rund zwei Wochen wirkte sich dagegen kaum negativ aus – der Kurs legte seither sogar um 1,8 Prozent zu.

Staatliche Förderung als Gegengewicht

Parallel dazu hatte D-Wave am vergangenen Donnerstag einen bedeutenden Erfolg vermeldet: Das US-Handelsministerium finalisierte eine Fördervereinbarung über bis zu 100 Millionen US-Dollar aus dem CHIPS and Science Act. Im Gegenzug erhält die US-Regierung eine Minderheitsbeteiligung ohne Kontrollrechte.

D-Wave will die Mittel in Forschung und Kommerzialisierung seiner Annealing- und Gate-Modell-Systeme stecken – konkret in ein Annealing-System mit 100.000 Qubits sowie ein Gate-Modell-System mit 10.000 Qubits, das 100 logische Qubits und mehr als eine Million Operationen ermöglichen soll.

Ähnliche Vereinbarungen über jeweils 100 Millionen US-Dollar schloss das Ministerium auch mit Rigetti Computing und Quantinuum ab, sodass sich das Gesamtvolumen der CHIPS-Act-Förderung für die drei Unternehmen auf 300 Millionen US-Dollar summiert.

Trotz der positiven Nachricht bewegte sich der Kurs seither kaum – ein Plus von 0,9 Prozent. Das deutet darauf hin, dass die Kanzlei-Untersuchung und die Nachwirkungen der schwachen Quartalszahlen das Sentiment stärker prägen als die staatliche Unterstützung.

Charttechnisches Bild bleibt angeschlagen

Die D-Wave-Aktie schloss am Freitag bei 14,49 Euro und notiert damit 11 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 16,21 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 36 Prozent zu Buche, vom 52-Wochen-Hoch bei 40,41 Euro trennen das Papier inzwischen 64 Prozent.

Anleger sollten die Entwicklung der Kanzlei-Untersuchung im Auge behalten, ebenso wie die ersten Signale von Golkov als neuem Finanzverantwortlichen zur weiteren strategischen Ausrichtung des Unternehmens.

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