Liebe Leserin, lieber Leser,
die Aktie von D-Wave Quantum erlebte in den vergangenen Wochen ein ungeahntes Comeback. Die Papiere des Entwicklers von Quantencomputern, im Oktober 2025 noch mit 46,75 US-Dollar bewertet, waren bis Ende März zunächst auf 12,76 Dollar eingebrochen. Seitdem allerdings hat sich der Wind gedreht, allein im Laufe des Monats Mai hat die D-Wave-Aktie um rund 70 Prozent zugelegt und notiert aktuell bei rund 30 Dollar. Es waren gleich mehrere Nachrichten, die für Furore sorgten. Kurzum: Beim Unternehmen ging es zuletzt Schlag auf Schlag.
100-Millionen-Förderung für D-Wave Quantum
Die Initialzündung für den Kurssprung war zweifellos eine Entscheidung der Trump-Regierung: Diese will Quantencomputing mit insgesamt 2 Milliarden Dollar fördern, sich im Gegenzug Anteile an Firmen wie Rigetti oder IBM sichern. Und auch an D-Wave Quantum: Das Unternehmen soll eine Finanzspritze von 100 Millionen bekommen, wie seit dem 21. Mai bekannt ist. Im Zusammenhang mit der Unterzeichnung der endgültigen Förderverträge werde D-Wave Stammaktien im Wert von 100 Millionen US-Dollar an das US-Handelsministerium ausgeben, hieß es.
„Die Absichtserklärung stellt eine bedeutende Bestätigung der US-Regierung für die Quantencomputing-Technologien von D-Wave – sowohl im Bereich Annealing als auch im Gate-Modell – sowie für deren potenziellen Einfluss auf die US-Wirtschaft dar“, so D-Wave. Man sei überzeugt, „dass eine strategische Investition der US-Regierung in D-Wave die weltweite Führungsposition des Landes im Bereich des Quantencomputings stärken wird“, sagte Alan Baratz, CEO von D-Wave. Die Förderzusage versetze das Unternehmen in die Lage
- die Skalierung von Quanteninnovationen im Inland zu beschleunigen
- sowie zentrale Fertigungsprozesse bei D-Wave voranzutreiben
Auch Kapital vom US-Verteidigungsministerium
Doch es war nicht die letzte gute Nachricht: Fünf Tage später gab D-Wave bekannt, dass dem Unternehmen vom Northeast Regional Defense Technology Hub (NORDTECH) eine Finanzierung für das zweite Projektjahr im Rahmen des Projekts „Improved Materials for Superconducting Qubits with Scalable Fabrication“ (SQFab) zugesprochen wurde. Das Projekt, dessen Durchführung der D-Wave-Tochtergesellschaft Quantum Circuits, LLC übertragen wurde, sei eines von vier innovativen Programmen, die vom US-Verteidigungsministerium ausgewählt wurden.
Die Programme erhalten demnach gemeinsam Fördermittel in Höhe von gut 25 Millionen US-Dollar für das zweite Projektjahr, „nachdem sie im ersten Jahr entscheidende Meilensteine erreicht und dabei signifikante Ergebnisse in den Bereichen Design, Fertigung und Charakterisierung von Schlüsselkomponenten für das Quantencomputing erzielt haben“, wie es heißt. Das Projekt von D-Wave ziele darauf ab, die Materialien für supraleitende Qubits mithilfe skalierbarer Fertigungsverfahren zu optimieren und auf diese Weise die Entwicklung und Weiterentwicklung von Mikroelektronik-Fähigkeiten zu unterstützen.
Forscher stellen D-Wave-Technologie in Frage
Kurz zuvor allerdings die weniger gute Nachricht: Forscher des Flatiron Institute und der Boston University veröffentlichten eine Studie in der Fachzeitschrift Science, die zeigen soll, „dass ein klassischer Algorithmus D-Waves Kernbeweis für Quantenüberlegenheit replizieren kann“, wie finanzen.net meldete.
D-Wave hatte im März 2025 in derselben Fachzeitschrift demnach einen Meilenstein verkündet: Der Advantage2-Prozessor mit 5.000 Qubits könne Probleme lösen, die klassischen Rechnern verschlossen blieben, so der Bericht. „Die Forscher des Flatiron Institute zeigten nun, dass ein klassischer Algorithmus dieselbe Aufgabe mit vergleichbarer Genauigkeit bewältigt, wobei einige der Berechnungen auf einem gewöhnlichen Laptop gelaufen sein sollen.“
D-Wave widerspricht Behauptung vehement
- Sollten Quantencomputer möglicherweise also gar nicht das erhoffte, nächste große Ding werden?
- D-Wave widersprach vehement, die Behauptung sei „unzutreffend und entbehrt einer wissenschaftlichen Grundlage“
Wem man im Streit der Parteien nun Glauben schenken soll, ist für Außenstehende schwer zu beurteilen. Die Anleger, so scheint es, haben sich erst einmal auf die Seite von D-Wave geschlagen. Das muss bei diesem volatilen Titel allerdings nicht viel heißen.
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