Es gibt diesen Moment im technologischen Wandel, in dem die Fortschrittsmeldungen sich stapeln, während der Kurs stur in die andere Richtung läuft. Genau da steckt D-Wave Quantum gerade fest. Wer die vergangenen Wochen verfolgt hat, sieht eine Firma, die technologisch liefert – und einen Markt, der trotzdem skeptisch bleibt.
Die Nachrichtenlage der letzten Wochen liest sich beeindruckend dicht. Anfang August meldete D-Wave einen Hardware-Durchbruch beim Gate-Model-Quantencomputing: Die Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Ergebnisse, die die supraleitende Dual-Rail-Qubit-Architektur des Unternehmens validieren, samt hochpräziser Zwei-Qubit-Gatter. Das ist kein Marketing-Claim, sondern eine begutachtete Publikation – für ein Unternehmen, das lange vor allem für seine Annealing-Technologie bekannt war, ein bemerkenswerter Vorstoß in ein zweites Standbein.
Partnerschaften als Beleg für kommerzielle Reife
Parallel dazu verdichten sich die kommerziellen Kooperationen. Mitte August meldete D-Wave gemeinsam mit NTT DOCOMO die Inbetriebnahme einer zweiten produktiven Quantenanwendung, die auf D-Wave-Technologie basiert – ein Ausbau der bestehenden Zusammenarbeit zur Netzwerkoptimierung.
Anfang August kam eine Vereinbarung mit Nasdaq Verafin hinzu, um eine Quantenanwendung zur besseren Erkennung von Finanzkriminalität zu entwickeln. Und Ende August sicherte sich das Unternehmen eine Förderung von bis zu 300.000 kanadischen Dollar vom National Research Council of Canada, um seine Annealing-Software für kommerzielle Anwendungen weiterzuentwickeln.
Das ist die eine Seite der Geschichte: ein Unternehmen, das in Forschung, Förderprogrammen und Kundenprojekten sichtbar vorankommt. Die andere Seite zeigt sich in den Zahlen, die Anfang August zum zweiten Quartal vorgelegt wurden.
Der Nettoverlust fiel Medienberichten zufolge enger aus als befürchtet, der Umsatz lag mit 3,1 Millionen Dollar aber flach gegenüber den Erwartungen. Für ein Unternehmen, das sich als Pionier einer Zukunftstechnologie positioniert, ist das eine ernüchternd kleine Zahl – und sie erklärt, warum die Euphorie über die technischen Fortschritte an der Börse nicht recht zünden will.
Die Frage, die sich Anleger stellen müssen
Ist D-Wave ein Technologieunternehmen, das seine Umsatzbasis noch aufbauen muss, oder ein Forschungsprojekt mit Börsennotierung? Diese Frage begleitet nicht nur D-Wave, sondern die gesamte junge Quantencomputing-Branche. Immerhin gab es Mitte des Monats ein positives Signal von der Analystenseite: BMO Capital nahm die Coverage am 21. August mit dem Votum „Outperform“ auf, woraufhin die Aktie laut Medienberichten zulegte.
Der Kursverlauf spiegelt diese Zerrissenheit wider. Am Freitag schloss die Aktie bei 14,69 Euro, ein Minus von 4,4 Prozent an diesem einen Handelstag. Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 35 Prozent zu Buche – eine deutliche Diskrepanz zu der Nachrichtenflut aus Kooperationen, Forschungserfolgen und Fördergeldern. Wer im Oktober beim 52-Wochen-Hoch von 40,41 Euro eingestiegen ist, blickt inzwischen auf einen Kursverfall von 64 Prozent.
Dazu kommt organisatorische Unruhe: Der Rückzug von CFO John Markovich zum 2. September, verkündet am vergangenen Mittwoch, hat der Aktie seither zusätzlich zugesetzt, sie gab in der Folge um 2,3 Prozent nach. Greg Golkov übernimmt als amtierender Finanzchef, während gleichzeitig mit Kevan P. Krysler ein neues unabhängiges Vorstandsmitglied ins Audit Committee einzieht.
Diese Gemengelage – technologische Substanz, dünne Umsätze, personelle Übergänge – ist typisch für eine Branche im Frühstadium. D-Wave hat mit der Nature-Publikation und den kommerziellen Partnerschaften gezeigt, dass es mehr ist als eine Wette auf ferne Zukunft. Ob daraus zeitnah tragfähige Erlöse werden, bleibt die entscheidende Unbekannte, an der sich der Kurs in den kommenden Quartalen messen lassen muss.
D-Wave Quantum-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue D-Wave Quantum-Analyse vom 31. August liefert die Antwort:
Die neusten D-Wave Quantum-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für D-Wave Quantum-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 31. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
