D-Wave Quantum Aktie: Analysten senken Kursziele

Trotz reduzierter Kursziele halten Analysten an Kaufempfehlungen für D-Wave fest. Das Buchungswachstum und die Kommerzialisierung stützen die langfristige Zuversicht.

Auf einen Blick:
  • Mehrere Häuser senken Kursziele
  • Kaufempfehlungen bleiben bestehen
  • Buchungen steigen um 1.120 Prozent
  • Partnerschaft mit Nasdaq Verafin

Wenn gleich mehrere Analystenhäuser innerhalb weniger Tage ihre Kursziele kappen, gleichzeitig aber an ihrer Kaufempfehlung festhalten, lohnt ein zweiter Blick. Genau das ist bei D-Wave Quantum in dieser Woche passiert – und für mich zeigt dieser scheinbare Widerspruch mehr über die Aktie als jede einzelne Kennzahl aus dem jüngsten Quartalsbericht.

Kurszielsenkungen trotz Kaufempfehlung

Nach den Zahlen zum zweiten Quartal, die D-Wave am Donnerstag vorgelegt hatte, reagierten mehrere Häuser mit spürbaren Abstrichen an ihren Preiszielen. Kingsley Crane von Canaccord senkte sein Kursziel auf 35 US-Dollar von zuvor 41 US-Dollar, beließ die Einstufung aber bei Kaufen. Bei Jefferies fiel das Ziel von 45 auf 40 US-Dollar, Analyst Krish Sankar bekräftigte trotzdem seine Kaufempfehlung und verwies auf die „sich verstärkende kommerzielle Zugkraft und die für 2026 erwartete Umsatzrampe der Advantage2-Systeme“. Auch Roth Capital und Evercore ISI bewegten sich in diesem Muster: niedrigere Zielmarken, unveränderte Zuversicht in die längerfristige Story. Die Aktie selbst reagierte auf die Quartalszahlen zunächst negativ, hat den Rücksetzer aber wieder wettgemacht – am Freitag stand am Ende ein Plus von 6,16 Prozent.

Für mich ist diese Kombination bezeichnend: Es geht den Analysten nicht darum, den Investment Case grundsätzlich infrage zu stellen. Sie justieren lediglich den Zeithorizont, über den sich die Wette auszahlen soll.

Die Substanz hinter der Skepsis

Der Auslöser der Kursziel-Anpassungen war der Umsatz von 3,1 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal – praktisch unverändert gegenüber dem Vorjahr und rund 30 Prozent unter der von Analysten erwarteten Gewinnschätzung je Aktie. Wer nur auf diese Zeile schaut, müsste skeptisch werden. Wer weiterblättert, sieht ein anderes Bild: Die Buchungen im ersten Halbjahr kletterten auf 35,5 Millionen US-Dollar von 2,9 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum, allein im zweiten Quartal legten sie um 1.120 Prozent zu. Der Auftragsbestand erreichte zum 30. Juni 40,7 Millionen US-Dollar, ein Plus von 668 Prozent. Kunden aus der Forbes-Global-2000-Liste steuerten 47,7 Prozent des Quartalsumsatzes bei, nach 20,4 Prozent ein Jahr zuvor.

CEO Alan Baratz sprach von inzwischen sechs Kundenanwendungen in der Produktion und stellte für das vierte Quartal die Auslieferung zweier Annealing-Systeme in Aussicht, wobei die Umsatzrealisierung teilweise erst 2027 greifen dürfte. Mittelfristig kalkuliert das Management mit zwei bis drei Systemverkäufen jährlich zu Preisen zwischen 20 und 40 Millionen US-Dollar pro Einheit. Das ist genau die Art von Sichtbarkeit, die Wachstumswerten in dieser Phase fehlt – und die Analysten offenbar honorieren, selbst wenn die aktuelle Gewinn- und Verlustrechnung noch tiefrot ist. Der bereinigte EBITDA-Verlust weitete sich um 85 Prozent aus, auch weil die im Januar für 250 Millionen US-Dollar abgeschlossene Übernahme von Quantum Circuits die Barmittel deutlich reduziert hat.

Nasdaq Verafin und die Kommerzialisierungsstrategie

Dass D-Wave nicht nur auf einzelne Großkunden wie AT&T setzt – deren erweiterte Zusammenarbeit vor gut einer Woche bekannt wurde und der Aktie seither einen Anstieg von 14,37 Prozent einbrachte –, zeigt die am 3. August verkündete Vereinbarung mit Nasdaq Verafin. Ziel ist zunächst ein Proof-of-Concept zur besseren Erkennung von Finanzkriminalität, mit Option auf Ausweitung zu Pilotprojekten. Verafins Plattform bedient mehr als 2.800 Finanzinstitute mit zusammen rund 13 Billionen US-Dollar an Vermögenswerten – ein potenzielles Anwendungsfeld, das über die bisherige Kundenbasis deutlich hinausgeht. Anfang August hatte zudem Wedbush die Coverage mit einer Outperform-Einstufung aufgenommen, ein weiteres Signal für wachsendes institutionelles Interesse an der Aktie.

Mein Fazit: Bewertung bleibt der Knackpunkt

Unterm Strich sehe ich bei D-Wave zwei Realitäten, die parallel existieren. Operativ verdichten sich die Signale für eine echte Kommerzialisierung – Buchungswachstum, Großkunden, konkrete Lieferzusagen für 2026. Bewertungsseitig steht dem eine Marktkapitalisierung von 6,22 Milliarden Euro gegenüber, die auf einem Quartalsumsatz von gerade einmal 3,1 Millionen US-Dollar lastet. Diese Diskrepanz erklärt, warum selbst wohlwollende Analysten ihre Ziele nach unten anpassen, ohne die Kaufempfehlung aufzugeben: Sie preisen ein, dass der Weg zur Profitabilität länger dauert, glauben aber weiterhin an das Ziel. Für mich bleibt genau das der entscheidende Punkt, den Anleger im Blick behalten sollten – nicht die nächste Kurszielsenkung, sondern ob sich die Buchungsdynamik tatsächlich in Umsatz verwandelt.

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