D-Wave Quantum wechselt die Börse und verliert prompt an Boden. Die Aktie des Quantencomputing-Unternehmens fiel am Dienstag um 9,71 Prozent auf 15,48 Euro. Das kommt nur zwei Tage, nachdem die Notierung offiziell von der New Yorker Börse an die Nasdaq Global Market übergegangen ist.
Der Börsenwechsel fällt mit heftigen Verkäufen zusammen
Der Umzug zur Nasdaq wurde zum 27. Juli wirksam. CEO Alan Baratz feierte den Schritt: Die Nasdaq sei „der Marktplatz für Unternehmen, die die Zukunft der Technologie gestalten“. D-Wave beschleunige die Akzeptanz seiner Quantenlösungen bei Kunden weltweit, so Baratz.
Das Kalkül dahinter: mehr Liquidität und mehr Sichtbarkeit, pünktlich vor den anstehenden Quartalszahlen. Stattdessen frisst die Aktie jetzt einen Großteil der Rally auf, die eine erweiterte Geschäftsvereinbarung mit AT&T ausgelöst hatte – verkündet ausgerechnet am selben Tag wie der Börsenwechsel.
Insider bauen Positionen ab
Parallel zum Exchange-Wechsel haben mehrere D-Wave-Führungskräfte ihre Aktienpakete verkleinert. Personalchefin Sophie Ames verkaufte 29.165 Aktien für schätzungsweise 554.524 Dollar. Rohit Ghai trennte sich von 23.518 Aktien im Wert von rund 533.222 Dollar, John D. DiLullo von 15.850 Aktien im Wert von 335.906 Dollar. Käufe im selben Zeitraum meldete keiner der drei.
Auch bei institutionellen Investoren zeigt sich ein gemischtes Bild. Marex Group reduzierte seine Position um 78,4 Prozent – ein Abbau im Volumen von schätzungsweise 51,9 Millionen Dollar. Northwestern Mutual Wealth Management stieg mit einem Minus von 99,9 Prozent praktisch komplett aus, das entspricht etwa 46,1 Millionen Dollar.
Auf der Käuferseite steht ein anderes Bild. Jane Street Group stockte seine Beteiligung um 18.135,6 Prozent auf – ein Zukauf von schätzungsweise 34,2 Millionen Dollar. BlackRock erhöhte seinen Bestand um 6,9 Prozent, entsprechend rund 28,2 Millionen Dollar.
Die Quartalszahlen rücken näher
Der neue Verkaufsdruck trifft die Aktie kurz vor der nächsten Quartalsvorlage. D-Wave Quantum wird seine Zahlen zum zweiten Quartal Anfang August veröffentlichen.
Die Analystenstimmung bleibt trotz der Kursschwäche vorsichtig positiv. Benchmark nahm die Coverage am 27. Juli mit einem Kaufrating und einem Kursziel von 30 Dollar auf. Mizuho hält an seinem Outperform-Rating fest und hob das Kursziel im Juni auf 35 Dollar an. Benchmark-Analyst Gary Mobley gab dabei zu bedenken: Da die Technologie noch in einem frühen Stadium stecke, könnten Anleger besser fahren, wenn sie ihr Kapital über mehrere Quantencomputing-Werte streuen, statt auf einen einzelnen Titel zu setzen.
Das Chartbild bleibt angeschlagen
Der Kurs notiert derzeit 22,61 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 20,01 Euro. Im März bildete sich zudem ein sogenanntes Todeskreuz – der 50-Tage-Schnitt fiel unter den 200-Tage-Durchschnitt. Ein Muster, das erfahrungsgemäß Erholungsrallys ausbremst, bis der Kurs wichtige Marken zurückerobert.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei rund 93 Prozent. Das unterstreicht, wie heftig die Ausschläge seit der AT&T-Ankündigung und dem Börsenwechsel ausfallen – verstärkt durch Gewinnmitnahmen in der gesamten Quantencomputing-Branche.
Ob der Nasdaq-Wechsel die erhoffte Liquidität und Sichtbarkeit tatsächlich bringt, dürfte sich erst nach den Zahlen Anfang August zeigen. Erst dann liegt der erste harte Datenpunkt vor, seit AT&T-Deal und Börsenwechsel fast zeitgleich für Bewegung sorgten.
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