D-Wave Quantum verliert seinen Finanzchef mitten in einer sensiblen Phase. Das Unternehmen teilte mit, dass CFO John Markovich zum 2. September in den Ruhestand geht. Als Nachfolger übernimmt Greg Golkov die Position kommissarisch. Die Aktie reagierte am heutigen Mittwoch mit einem Kursrückgang von 8,4 Prozent auf 15,15 Euro.
Der Rückzug trifft D-Wave in einer Phase, in der das Unternehmen weiterhin nicht profitabel wirtschaftet und auf künftige Kapitalaufnahmen angewiesen bleibt. Anleger reagieren entsprechend nervös auf personelle Unsicherheit an der Finanzspitze. Der Titel notiert damit rund 63 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,41 Euro, das am 15. Oktober 2025 markiert wurde. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 17,67 Euro beträgt der Abstand 14 Prozent.
Geschäftszahlen zeigen gemischtes Bild
Der CFO-Wechsel kommt nach Zahlen zum zweiten Quartal, die Anfang August für gemischte Reaktionen sorgten. Der Umsatz blieb mit 3,08 Millionen US-Dollar gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert und verfehlte die Konsenserwartung von 4,03 Millionen US-Dollar. Der bereinigte Verlust je Aktie lag bei 0,13 US-Dollar und damit deutlich über der Prognose von 0,09 US-Dollar.
Positiver fiel die Auftragsentwicklung aus: Die Bookings im zweiten Quartal stiegen um 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 2,1 Millionen US-Dollar, im ersten Halbjahr sogar um 1.120 Prozent auf 35,5 Millionen US-Dollar – getrieben zu über der Hälfte von einem einzelnen Systemverkauf über 20 Millionen US-Dollar.
Der Anteil kommerzieller Kunden am Quartalsumsatz stieg von 45,1 auf 62,4 Prozent, die ausstehenden Leistungsverpflichtungen wuchsen um 668 Prozent auf 40,7 Millionen US-Dollar.
Personelle Verstärkung im Aufsichtsgremium
Neben dem CFO-Wechsel verstärkte D-Wave am 17. August sein Board mit Kevan P. Krysler, der zusätzlich in den Prüfungsausschuss berufen wurde. Krysler ist Finanzchef von Carbon Robotics und war zuvor CFO beim an der NYSE notierten Unternehmen Everpure. Er bringt mehr als 25 Jahre Erfahrung im Finanz- und Rechnungswesen mit, sowohl bei börsennotierten als auch privaten Technologieunternehmen.
Auf der Geschäftsseite meldete D-Wave zudem eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit NTT DOCOMO: Der japanische Netzbetreiber setzt inzwischen eine zweite D-Wave-Anwendung zur Netzwerkoptimierung produktiv ein.
Zusätzlich sicherte sich das Unternehmen eine Förderung von bis zu 300.000 kanadischen Dollar durch das Applied Quantum Computing Challenge-Programm des National Research Council of Canada zur Weiterentwicklung der Annealing-Software für die Advantage2-Systeme.
Analysten bleiben trotz Volatilität optimistisch
BMO Capital Markets nahm die Coverage von D-Wave am 21. August mit einem Outperform-Rating und einem Kursziel von 35 US-Dollar auf – die Aktie legte daraufhin um 7,2 Prozent zu. Am selben Tag stufte Zacks Research die Einschätzung von Strong Buy auf Hold zurück, was den Kurs um 1,1 Prozent drückte.
Der breitere Quantencomputing-Sektor zeigte sich zuletzt ohnehin unter Druck: Sowohl am 18. als auch am 24. August fielen Titel wie IonQ, Rigetti und D-Wave im Gleichschritt, belastet von steigenden Anleiherenditen und einer allgemeinen Risikoscheu gegenüber spekulativen Technologiewerten – ohne dass unternehmensspezifische Nachrichten dahinterstanden.
Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 107 Prozent bleibt D-Wave ein Papier für risikofreudige Anleger, die kurzfristige Ausschläge aushalten können.
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