D-Wave Quantum erfindet sich neu. Der Hersteller von Quantencomputern verabschiedet sich vom reinen Hardware-Verkauf. Stattdessen baut das Management ein hochmargiges Software-Geschäft auf. Die Börse feiert diesen Strategiewechsel.
In der vergangenen Handelswoche schoss der Kurs um knapp 53 Prozent nach oben. Am Freitag ging das Papier bei 25,04 Euro aus dem Handel. Ein Vorvertrag mit dem US-Handelsministerium befeuert diese Rally. Über ein staatliches Förderprogramm fließen 100 Millionen Dollar in das Unternehmen. Das beschleunigt die Produktion in den USA enorm.
Der Wandel zur Cloud
Die nackten Umsatzzahlen des ersten Quartals täuschen. D-Wave meldete lediglich 2,9 Millionen Dollar Umsatz. Dieser Wert leidet unter schwankenden Hardware-Auslieferungen. Ein Blick auf die Auftragseingänge zeigt ein völlig anderes Bild.
Die Bestellungen vervielfachten sich im Jahresvergleich. Sie erreichten einen Rekordwert von rund 33 Millionen Dollar. Den Löwenanteil lieferte ein einzelner Cloud-Vertrag. Ein großer Industriekonzern buchte Rechenleistung für zehn Millionen Dollar.
Margen von über 80 Prozent
Das Management etabliert drei neue Einnahmequellen. Im Zentrum steht die Plattform „Leap“. Kunden mieten sich hier in Echtzeit auf den Quantenprozessoren ein. Sie sparen sich den teuren Kauf eigener Anlagen. D-Wave verwandelt so einmalige Verkäufe in wiederkehrende Abonnements.
Parallel dazu lizenziert das Unternehmen branchenspezifische Algorithmen. Diese lösen komplexe Probleme in der Logistik oder Finanzwelt. Das Ziel: ein lukratives Patentportfolio. Die Gewinnspannen dieser Software-Dienste können 80 Prozent übersteigen. Der klassische Hardware-Verkauf läuft als zweites Standbein weiter. Er bringt die Technik direkt zu wichtigen Großkunden.
Verwässerung droht
Aktuell nutzen über 100 Organisationen die Systeme. Kommerzielle Firmen steuern fast drei Viertel der Einnahmen bei. Das Polster für weiteres Wachstum ist dick. D-Wave saß Ende März auf Barreserven von 588 Millionen Dollar.
Die Expansion bringt jedoch Nebenwirkungen mit sich. Die geplante Finanzspritze aus Washington erfolgt als Eigenkapitalbeteiligung. Die US-Regierung sichert sich damit Minderheitsanteile. Für bestehende Aktionäre bedeutet das eine Verwässerung ihrer Papiere.
Am 1. Juni 2026 stellt sich das Management dem nächsten Härtetest. D-Wave veranstaltet seinen ersten Investorentag an der New Yorker Börse. Dort muss der Vorstand beweisen, wie schnell er die vollen Auftragsbücher in verbuchte Software-Umsätze umwandelt. Gelingt das, rückt das 52-Wochen-Hoch von gut 38 Euro wieder in greifbare Nähe.
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