D-Wave Quantum Aktie: 1.120% Bookings-Wachstum, Verlust weitet sich

D-Wave verzeichnet ein massives Auftragsplus, kämpft aber mit stagnierenden Erlösen und hohen Verlusten. Die Aktie bleibt zwischen Hoffnung und Realität gespalten.

Auf einen Blick:
  • Auftragsbestand wächst um 1.120 Prozent
  • Umsatz bleibt trotzdem nahezu unverändert
  • Operativer Verlust weitet sich deutlich aus
  • Aktienkurs fällt seit Jahresbeginn um 28 Prozent

Es gibt Aktien, die man nur verstehen kann, wenn man akzeptiert, dass Anleger nicht die Gegenwart kaufen, sondern eine Wette auf die Zukunft. D-Wave Quantum ist so ein Fall. Und diese Woche zeigt exemplarisch, wie widersprüchlich diese Wette gerade verläuft: Ein Analystenhaus lobt die explodierende Nachfrage, ein anderes verweist auf die mageren Zahlen dahinter – und der Kurs zuckt in beide Richtungen.

Die Kennziffer, um die sich derzeit alles dreht, ist der Auftragsbestand. Im ersten Halbjahr sind die Bookings von D-Wave um 1.120 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, die vertraglich fixierten künftigen Umsätze (RPO) legten um 668 Prozent auf 40,7 Millionen Dollar zu. Das sind Zahlen, die nach Goldgräberstimmung klingen.

Nur: Der tatsächliche Umsatz im zweiten Quartal blieb praktisch flach, während sich der operative Verlust auf EBITDA-Basis auf 37,1 Millionen Dollar ausweitete. Die Bruttomarge rutschte um 840 Basispunkte auf 55,4 Prozent. Die Nachfrage läuft der Realisierung davon – Demand is outrunning revenue, wie es ein Analyst formulierte.

Ein Bewertungsproblem, das sich nicht wegdiskutieren lässt

Wer auf das Kurs-Buchwert-Verhältnis schaut, findet den Kern des Dilemmas: D-Wave notiert beim 6,5-Fachen des Buchwerts, während die Softwarebranche im Schnitt beim 3,2-Fachen liegt. Auf Basis des erwarteten Umsatzes wird das Unternehmen sogar mit dem 156-Fachen bewertet.

Wer solche Multiples zahlt, kauft keine Bilanz, sondern eine Erzählung – die Erzählung vom Quantencomputing als nächster großer Recheninfrastruktur, ähnlich wie sich derzeit ganze Branchen um Rechenzentren und Chip-Kapazitäten für Künstliche Intelligenz drehen.

Nur dass D-Wave dabei noch am Anfang der Kommerzialisierung steht, während die großen KI-Cloud-Anbieter längst dreistellige Milliardenbeträge investieren.

Genau in dieses Spannungsfeld zwischen Zukunftsversprechen und Gegenwartszahlen passt auch die jüngste Personalie: D-Wave hat Kevan P. Krysler zum unabhängigen Class-I-Direktor berufen.

Solche Personalentscheidungen wirken selten kursbewegend, doch sie signalisieren, dass das Unternehmen seine Führungsstrukturen für die nächste Wachstumsphase ausbaut – ein kleiner, aber typischer Baustein in Unternehmen, die zwischen Start-up-Dynamik und Marktreife balancieren.

Der Markt bleibt gespalten

Die vergangene Handelswoche hat das gut sichtbar gemacht: Der Kurs verlor binnen sieben Tagen rund zehn Prozent, während er auf Monatssicht immerhin gut acht Prozent zulegte. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 28 Prozent zu Buche.

Aktuell notiert das Papier bei 16,42 Euro und damit etwa 8,6 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 17,96 Euro – ein Zeichen, dass die kurzfristige Dynamik eher schwach ist, auch wenn der Kurs mit 48 Prozent Abstand zum 52-Wochen-Tief von 11,12 Euro noch deutlich Luft nach unten gelassen hat.

Vom Rekordhoch bei 40,41 Euro, erreicht im Oktober 2025, trennen die Aktie inzwischen 59 Prozent – eine Erinnerung daran, wie schnell Euphorie an der Börse verfliegen kann.

Es gibt auch Stimmen, die genau in dieser Differenz die Chance sehen: Eine vielbeachtete Marktnarrative bewertet D-Wave rechnerisch um 54 Prozent unterhalb des fairen Werts, orientiert an einem Zielkurs von 40,65 Dollar. Doch von sechs gängigen Bewertungskriterien besteht die Aktie nur eines – ein Hinweis darauf, dass diese optimistische Sicht auf sehr spezifischen Annahmen über künftiges Wachstum beruht, nicht auf soliden Gegenwartskennzahlen.

Damit bleibt D-Wave ein Lehrstück für den größeren Trend, der derzeit ganze Technologiemärkte prägt: Die Grenze zwischen „Zukunftstechnologie mit enormem Potenzial“ und „Unternehmen, das seine Versprechen noch nicht in Bilanzen übersetzt“, verläuft oft durch ein und dieselbe Aktie.

Wer bei D-Wave investiert ist, wettet nicht auf das laufende Geschäftsjahr – sondern darauf, dass aus explodierenden Auftragsbüchern irgendwann tatsächlich Umsatz wird, der die aktuellen Bewertungsaufschläge rechtfertigt.

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