Der DAX ist am Freitag um 1,6 Prozent gefallen und hat damit die Erholung vom Vortag komplett wieder abgegeben. Der Dow Jones erlebte seine schwächste Woche seit März, während die Renditen amerikanischer Staatsanleihen weiterhin nahe der 5-Prozent-Marke verharren. Zusätzlich belastet der Ölpreis das Umfeld, der weiterhin hoch notiert. In diesem angespannten Marktumfeld heben sich drei Aktien aus der Cybersicherheitsbranche deutlich vom Rest der Technologiewerte ab.
Verfallstag und schwache Konjunkturdaten drücken den DAX
Am Donnerstag gelang dem DAX noch ein Dreh an seiner 100-Tage-Linie mit einem deutlichen Schluss darüber. Am Freitag wurde dieser Fortschritt jedoch komplett einkassiert. Der große Verfallstag, an dem Optionen und Terminkontrakte auslaufen, sorgte für zusätzliche Unruhe. Hinzu kamen die weiterhin angespannte Lage im Nahen Osten, steigende Anleihenrenditen sowie Erzeugerpreise, die im August stärker gestiegen waren als erwartet. Der DAX schloss am Freitag 1,6 Prozent tiefer und landete damit wieder auf seiner 100-Tage-Linie.
Am härtesten traf es die Autowerte. Volkswagen verlor deutlich, nachdem der Konzern seine Gewinnprognose gesenkt hatte. Als Grund nannte das Management vor allem Abschreibungen auf den Firmenwert von Porsche in Milliardenhöhe sowie anhaltend schwache Nachrichten aus dem China-Geschäft. Die Abwärtsbewegung zog auch BMW, Continental und Mercedes-Benz mit nach unten. Gegen den Trend konnte Infineon nach vorherigen deutlichen Abschlägen wieder zulegen.
An der Wall Street verlief der Freitag ruhiger: Der Dow Jones schloss geringfügig tiefer, der S&P 500 legte leicht zu, und der Nasdaq 100 legte zu. Für den Dow Jones war es die dritte Verlustwoche in Folge – der größte 3-Wochen-Rückgang seit März, vor dem Hintergrund der Zinserhöhung der Fed.
Bei den charttechnischen Marken markierte der DAX sein Tagestief am Freitag fast exakt an der 100-Tage-Linie. Nach oben wartet die 50-Tage-Linie bei rund 25.770 Punkten, nach unten die 200-Tage-Linie bei gut 24.770 Punkten. Das Rekordhoch liegt rund 5 Prozent entfernt. Hält die 100-Tage-Linie, bliebe die aktuelle Korrektur eine Atempause im übergeordneten Aufwärtstrend – rutscht der Index darunter, würde die 200-Tage-Linie in den Fokus geraten.
Der Dow Jones hat seine 50-Tage-Linie nach unten verlassen und bewegt sich knapp unter seiner 100-Tage-Linie. Die 200-Tage-Linie verläuft deutlich darunter. Der Abstand dorthin bleibt jedoch relativ üppig, sodass die Chance besteht, dass es sich lediglich um eine kurzfristige Zwischenkorrektur handelt. Analysten halten es zudem für möglich, dass sich der DAX in der neuen Woche stabilisiert, da Anleger die Zinserhöhungen und den erhöhten Ölpreis bislang recht gut verdaut haben. Bei den Gewinnerwartungen überwiegen weiterhin die Aufwärtsrevisionen, und die Volatilität zeigt anders als bei der Ölpreisspitze im März derzeit keine erhöhte Nervosität an.
Wichtige Termine der Woche
Politischer Höhepunkt ist der Donnerstag: Donald Trump empfängt den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping zum Staatsbesuch in Washington. Auf der Agenda stehen Zölle, Taiwan, seltene Erden, Exportbeschränkungen für Hochleistungschips, Flugzeuglieferungen von Boeing und der Umgang mit künstlicher Intelligenz. Da die vereinbarten Aussetzungen von Zöllen und Beschränkungen bis zum 10. November laufen, stehen beide Seiten unter Zeitdruck – konkrete Ergebnisse werden allerdings kaum erwartet, es geht eher um den Erhalt des fragilen Gleichgewichts.
Am Dienstag spricht Trump vor der UN-Generalversammlung in New York. Von größerer Bedeutung dürfte sein Treffen mit Vertretern mehrerer Golfstaaten sein, bei dem über den Irankrieg beraten wird – im besten Fall mit entlastender Wirkung auf den Ölpreis.
Bei den Konjunkturdaten steht am Mittwoch die erste Runde der Einkaufsmanagerindizes für Deutschland, die Eurozone und die USA an, am Donnerstag folgt der IFO-Geschäftsklimaindex. Zudem stehen die Zinsentscheidungen der Schweizer Nationalbank und der schwedischen Riksbank auf dem Programm.
Auf Unternehmensebene findet heute der Kapitalmarkttag von Novo Nordisk statt. Zudem stehen in dieser Woche eine Entwicklungskonferenz von Meta sowie Zahlen von Costco und Lennar an. Bei der Indexpflege verlässt Volkswagen nach Börsenschluss am Freitag den EuroStoxx 50, Nokia und Engie rücken nach. Palo Alto steigt in den S&P 100 auf.
Vonovia nach Berlin-Wahl unter Druck
Besondere Aufmerksamkeit bei Börsianern findet das Ergebnis der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus: Die Linke wurde mit rund 25 Prozent klar stärkste Kraft, die bisherige Koalition aus CDU und SPD hat ihre Mehrheit verloren. Für den größten deutschen Wohnungskonzern Vonovia ist dieses Ergebnis heikel, da Die Linke die Enteignung großer Wohnungskonzerne anstrebt. Berlin ist der wichtigste Markt des Unternehmens. Die Vonovia-Aktie gab im frühbörslichen Handel rund 1,5 Prozent nach.
Fachleute sehen allerdings hohe rechtliche, politische und finanzielle Hürden für eine tatsächliche Enteignung, da eine solche Maßnahme entschädigt werden müsste – ein Vorgang, der Milliarden kosten würde. Belastend wirkt für Vonovia zudem das allgemeine Marktumfeld: Eine Rendite nahe 5 Prozent macht Mieteinnahmen im Vergleich weniger attraktiv und drückt generell auf Immobilienwerte sowie viele Wachstumsaktien.
Cybersicherheit trotzt dem Zinsdruck
Einem Bereich gelingt es dagegen, sich diesem Druck zu entziehen: der Cybersicherheitsbranche. Die Branche hat in diesem Jahr eine wilde Fahrt hinter sich. Im Frühjahr standen Softwarewerte unter Verkaufsdruck, weil Anleger fürchteten, künstliche Intelligenz könnte klassische Sicherheitsgeschäftsmodelle aushöhlen. Zudem stellten KI-Labore Werkzeuge vor, die Schwachstellen in Software selbstständig aufspüren können, was die Sorge schürte, ein Teil der klassischen Sicherheitsdienstleistungen könnte überflüssig werden.
Anbieter wie Zscaler fielen vom Hoch im November bis ins Frühjahr um mehr als die Hälfte. Auch CrowdStrike und Palo Alto verloren kräftig. Inzwischen hat sich das Bild jedoch gedreht: Palo Alto Networks und CrowdStrike haben ihren Kurs vom Tief mehr als verdoppelt, Zscaler legte immerhin um gut 60 Prozent zu. Der Grund liegt in der Logik der neuen Bedrohungslage – jeder Rechenzentrumsausbau und jede neue KI-Anwendung vergrößert die Angriffsfläche für Cyberattacken.
Ein Datum verdeutlicht diesen Zusammenhang: Am 12. September gab es einen Aufruf der KI-Chefs von Anthropic, OpenAI und anderen Unternehmen, das Entwicklungstempo zu drosseln. An der Börse führte das zu einem Rutsch bei Chip-Werten, während Cybersicherheitsaktien einen Sprung machten – CrowdStrike gewann fast 14 Prozent, Palo Alto legte über 13 Prozent zu. Die Begründung dahinter: Unabhängig davon, wie schnell autonome KI-Agenten in Unternehmen Einzug halten, müssen sie gesichert, kontrolliert und überwacht werden.
Drei Player im Vergleich: CrowdStrike, Palo Alto, Zscaler
CrowdStrike ist Spezialist für den Schutz von Geräten und Cloud-Arbeitslasten, die Plattform trägt den Namen Falcon. Im letzten Quartal steigerte das Unternehmen den Umsatz um 26 Prozent, die wiederkehrenden Erlöse legten deutlich zu. Das Neugeschäft erreichte mit 333 Millionen Dollar einen Firmenrekord. CrowdStrike wächst beim Free Cashflow deutlich schneller als beim Umsatz. Nach den Quartalszahlen reagierte die Börse zunächst mit Abschlägen, da die Erwartungen hoch waren. Nachdem die Aktie kurzfristig unter die 50-Tage-Linie gedippt war, fing sie sich schnell wieder und erreichte neue Rekordhöhen. Der Aufwärtstrend seit Juni gilt als intakt.
Palo Alto ist breiter aufgestellt und bietet Firewalls, Cloud-Sicherheit und Sicherheitsplattformen an. Anfang September stieg der Umsatz deutlich, die wiederkehrenden Erlöse wuchsen ebenfalls kräftig, der Auftragsbestand liegt bei über 21 Milliarden Dollar. Trotz dieser Zahlen verlor die Aktie nach der Vorlage zunächst. Inzwischen hat sie sich wieder über die 50-Tage-Linie bewegen können, wobei die Volatilität höher ist und der Aufwärtstrendkanal nicht so stark ausgeprägt ist wie bei CrowdStrike. Die anstehende Aufnahme in den S&P 100 wird positiv gewertet.
Zscaler gilt als Spezialist für den sicheren Zugang zu Cloud-Anwendungen nach dem Prinzip „Zero Trust“ und liefert die interessanteste Geschichte im Dreierbündnis. Ende Mai war die Aktie eingebrochen, nachdem eine schwächere Umsatzprognose vorgelegt worden war. Anfang September stieg der Umsatz dann um 25 Prozent, die Nachfrage nach Sicherheit für KI-Anwendungen schlägt sich zunehmend nieder. Seit Ende Juni hat sich ein Erholungstrend ausgebildet, der auf eine Widerstandszone getroffen ist. Zscaler gehört mit einem vergleichsweise niedrigen KGV zu den günstigeren Werten der Branche, während Palo Alto bei einem deutlich höheren KGV liegt und CrowdStrike noch darüber.
Zusammenfassend zeigt CrowdStrike einen stark ausgebildeten Trend, Palo Alto benötigt weitere Bestätigung, während Zscaler einen frischen Ausbruch aus einer Bodenbildung vollzieht.
Risiken bleiben bestehen
Trotz der positiven Kursentwicklung bestehen Risiken vor allem im Zinsniveau: Renditen um 5 Prozent belasten grundsätzlich Aktien mit hohen Bewertungen. Zudem wurden alle drei Titel trotz guter Ergebnisse regelmäßig abgestraft, wenn einzelne Kennzahlen die hohen Erwartungen der Analysten nicht übertrafen. Die Branche selbst steht jedoch auf einem soliden Fundament, da Unternehmen und Behörden dauerhaft Schutz vor Cyberangriffen benötigen.
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