Der australische Biotechnologie-Konzern CSL verzeichnet heute einen deutlichen Kursanstieg von 16 %, obwohl das Unternehmen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2026 den ersten Nettoverlust seit über 30 Jahren ausweisen musste.
Ausschlaggebend für die positive Marktreaktion ist das bereinigte Ergebnis, das die Erwartungen der Analysten übertraf, gepaart mit einem optimistischen Ausblick auf das kommende Jahr. Investoren bewerten die massiven Abschreibungen als einmaligen Bereinigungseffekt und fokussieren sich auf das operative Wachstum des Kerngeschäfts.
Massive Abschreibungen auf die Vifor-Übernahme
Im am 30. Juni geendeten Geschäftsjahr verbuchte CSL einen statutarischen Nettoverlust von 2,6 Milliarden US-Dollar. Dieses Ergebnis resultiert primär aus hohen außerplanmäßigen Abschreibungen in Höhe von 7,1 Milliarden US-Dollar, die größtenteils auf die im Jahr 2022 getätigte Übernahme des Spezialpharma-Unternehmens Vifor entfallen.
Allein im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres summierten sich diese Wertberichtigungen auf 5,5 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich belasteten Restrukturierungskosten von rund 799 Millionen US-Dollar das Ergebnis.
Trotz dieser bilanziellen Belastungen notiert die Aktie mit aktuell 96,01 Euro deutlich über dem Niveau der vergangenen Wochen. Das Papier liegt damit zwar weiterhin rund 36 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 150,56 Euro, zeigt jedoch eine massive Erholung vom Jahrestief im Juni. Der Markt scheint den „Reset“ des Unternehmens als notwendigen Schritt für den künftigen Wachstumspfad zu akzeptieren.
Bereinigtes Ergebnis schlägt die Markterwartungen
Im operativen Geschäft zeigte sich CSL widerstandsfähiger als von vielen Marktteilnehmern befürchtet. Der zugrunde liegende Nettogewinn (Underlying NPATA) lag bei rund 3,1 Milliarden US-Dollar. Damit übertraf das Unternehmen die Konsensschätzung der Analysten, die beispielsweise bei Macquarie im Vorfeld bei 3,05 Milliarden US-Dollar gelegen hatte. Der Gesamtumsatz belief sich auf 15,8 Milliarden US-Dollar.
Besonders das Kerngeschäft CSL Behring lieferte Impulse. Während die Erlöse im Bereich Albumin in China aufgrund von Kostendämpfungsmaßnahmen um 17 % auf 1,1 Milliarden US-Dollar sanken, stabilisierte sich das Geschäft mit Immunglobulinen bei 6,2 Milliarden US-Dollar.
Fortschritte gab es zudem bei neuen Produkten: Die Gentherapie Hemgenix verzeichnete ein Umsatzplus von 25 %, während das Medikament Andembry Erlöse von 250 Millionen US-Dollar beisteuerte. Das Transformationsprogramm des Konzerns trug ebenfalls Früchte: Mit Einsparungen von 176 Millionen US-Dollar wurde das selbst gesteckte Ziel für das abgelaufene Jahr bereits übertroffen.
Zuversichtlicher Ausblick und Milliarden-Rückkauf
Für das neue Geschäftsjahr 2027 gibt sich das Management ambitioniert. CSL prognostiziert ein Wachstum des bereinigten Gewinns von etwa 5 %. Diese Schätzung liegt signifikant über dem bisherigen Marktkonsens, der lediglich ein Plus von 0,7 % bis 2 % vorgesehen hatte.
Während für die Sparte Vifor aufgrund von Generikakonkurrenz ein Umsatzrückgang von 25 % erwartet wird, soll das Plasma-Geschäft von Behring mit mittleren einstelligen Zuwachsraten die tragende Säule bleiben.
Um die Aktionäre direkt am Erfolg zu beteiligen, kündigte CSL einen Aktienrückkauf im Volumen von 1,1 Milliarden Australischen Dollar an. Die Dividende soll mit 2,92 US-Dollar pro Aktie (Schlussdividende 1,62 US-Dollar) auf dem Niveau des Vorjahres bleiben.
Analysten werten diese Schritte als Signal der Stärke und als Beleg dafür, dass der Konzern nach dem schwierigen Übergangsjahr zu seiner gewohnten Rentabilität zurückkehren kann. Bis zum Geschäftsjahr 2028 plant das Unternehmen, die jährlichen Kosteneinsparungen auf 550 Millionen US-Dollar zu steigern.
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