Wer bei CSG nur an Panzer und Munition denkt, unterschätzt Michal Strnad. Der tschechische Unternehmer, dem der Rüstungskonzern Czechoslovak Group gehört, kauft sich gerade still und leise in die bayerische Spezialchemie ein, und zwar so, dass es kaum jemand bemerkt hat, bis Alzchem am Dienstag selbst die Meldung rausschickte.
Nicht einfach Aktien kaufen
CSG hat sich den Zugriff auf gut 20 Prozent der Stimmrechte bei Alzchem gesichert, dem oberbayerischen Spezialchemie-Unternehmen aus Trostberg. Die Konstruktion ist dabei durchaus raffiniert: Die CSG-Tochter Staluna Trade hält direkt 9,9 Prozent der Stimmrechte. Dazu kommen Total Return Swaps mit Barausgleich über rund 10,2 Prozent der Anteile, laufend bis Mai 2027. Diese Swaps geben keine direkten Stimmrechte, sichern CSG aber die wirtschaftliche Beteiligung an der Kursentwicklung. Man ist also dabei, ohne formal dabei zu sein.
Was Trostberg wirklich interessant macht
Warum Alzchem? Die Bayern machen zwar auch Dünger und Nahrungsergänzungsmittel, aber das dürfte Strnad herzlich wenig interessieren. Alzchem produziert Nitroguanidin, einen Sprengstoff für Airbags und militärische Anwendungen, und baut die Kapazitäten in Trostberg gerade aus. Wer Munitionshersteller in Europa und den USA besitzt, wer den Industriepark Walsrode in Niedersachsen übernommen hat, wer Tatra-Nutzfahrzeuge im Portfolio führt, der weiß genau, was er an einem Nitroguanidin-Produzenten hat.
Alzchem betonte, an Strategie, Vorstand und Aufsichtsrat ändere sich nichts. CSG habe sich als langfristig orientierter Investor bekräftigt. Das mag stimmen. Vorerst.
Der erste Schritt war schon 2025
Neu ist das Engagement nicht ganz. Im August 2025 war CSG mit 9,2 Prozent bei Alzchem eingestiegen, damals hatte Großaktionär Peter Löw sein Paket halbiert und Anteile an die Tschechen verkauft. Was jetzt folgte, ist die Verdoppelung, nur eben ohne großes Aufsehen. Alzchem-Aktien stiegen am Dienstag im frühen Handel um fast zwei Prozent. Der Markt scheint das als Ritterschlag zu werten. Ob CSG bei 20 Prozent bleibt, ist eine andere Frage.
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