Mit einem millionenschweren Zukauf in Nordamerika vollzieht der tschechische Rüstungs- und Industriekonzern Czechoslovak Group (CSG) seinen Einstieg in den Raumfahrtsektor.
Das Unternehmen sicherte sich einen Anteil von 9,5 Prozent am kanadischen Raumfahrtunternehmen MDA Space und stieg damit zum größten Einzelaktionär der Gesellschaft auf. Berechnet auf Basis der Schlusskurse vor der Bekanntgabe beläuft sich der Wert des Aktienpakets auf rund 434 Millionen US-Dollar.
Am Markt zeigt sich das Papier des Konzerns nach der Transaktion unaufgeregt. Die CSG-Aktie notiert aktuell bei 14,02 Euro, was einem leichten Tagesplus von 0,09 Prozent entspricht. Damit wird das europäische Verteidigungsunternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 14,07 Milliarden Euro bewertet.
Aufbau einer neuen Sparte für Weltraumtechnologie
Der Einstieg bei MDA Space markiert für die von Michal Strnad kontrollierte Gruppe den gezielten Aufbau einer eigenen Raumfahrtsparte, die insbesondere auf militärische Anwendungen ausgerichtet werden soll.
MDA Space bringt dafür erhebliche technologische Substanz mit: Das Unternehmen beschäftigt mehr als 4.000 Mitarbeiter, war an über 450 Raumfahrtmissionen beteiligt und erlangte vor allem durch die Entwicklung der Roboterarmsysteme Canadarm und Canadarm2 für die NASA internationale Bekanntheit. Neben Robotik fertigt das kanadische Unternehmen Satellitensysteme und liefert weltraumgestützte Geodaten.
Konkrete vertragliche Partnerschaften oder Übertragungen von Kontrollrechten wurden im Zuge des Anteilskaufs zunächst nicht vereinbart. Allerdings erwägt CSG bereits weitreichende Kooperationen.
Im Gespräch sind unter anderem gemeinsame Fertigungs- oder Montageanlagen auf europäischem Boden sowie Unterstützung bei der internationalen Expansion von MDA. Zudem plant CSG, die Produkte der Kanadier dem eigenen bestehenden Kundenstamm zugänglich zu machen.
Strategische Neuaufstellung und Kapazitätsausbau
Um die Aktivitäten im neuen Geschäftsfeld zu steuern, hat CSG ein eigenes Raumfahrtteam formiert. Ladislav Stahl übernimmt darin die Rolle des Strategie- und Technologiechefs, während Filip Kocián die Unternehmensentwicklung leitet.
Für die Koordination und den weiteren Ausbau der Aktivitäten in Kanada berät Cameron McKenzie das Unternehmen. CSG begründet den Schritt mit langfristigen Wachstumserwartungen und verweist darauf, dass die weltweite Raumfahrtwirtschaft bis zum Jahr 2035 ein Volumen von 1,8 Billionen US-Dollar erreichen könnte.
Der Vorstoß in das Weltraumsegment ergänzt eine Phase starken Wachstums im traditionellen Rüstungsgeschäft des Konzerns. Für das Jahr 2025 wies CSG einen Gesamtumsatz von 6,7 Milliarden Euro aus. Für 2026 strebt die Gruppe die Produktion von rund 850.000 Großkalibergeschossen an, was einer Steigerung um 300.000 Einheiten gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Parallel dazu treibt das Management Projekte zur vertikalen Integration der Munitionslieferkette voran, darunter TNT-Kapazitäten in Griechenland sowie Anlagen für Nitrocellulose und Nitroglycerin in Deutschland, die 2027 wirksam werden sollen.
Die Raumfahrtbeteiligung eröffnet dem expandierenden Rüstungsbauer nun ein zusätzliches, technologisch anspruchsvolles Standbein abseits der klassischen Bodentruppen- und Munitionsausrüstung.
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