Der niederländische Rüstungskonzern CSG hat am Freitag Zahlen für das erste Halbjahr präsentiert, die über den Markterwartungen liegen. Der Umsatz stieg um 17 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro und lag damit über der Analystenschätzung von 3,14 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis kletterte um 13 Prozent auf 784 Millionen Euro, die operative Marge erreichte 24,1 Prozent. Auch hier lag CSG über der Konsensprognose von 764 Millionen Euro. Im zweiten Quartal allein wuchs der Umsatz um 20,3 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro.
Trotz der soliden Zahlen reagierte die Börse mit Verkäufen. Die Aktie schloss am Freitag bei 18,10 Euro und verlor auf Tagesbasis 6,88 Prozent. Der Rückschlag kommt nach einem kräftigen Anstieg: Über die vergangenen 30 Tage hatte das Papier um 28,37 Prozent zugelegt. Von seinem 52-Wochen-Hoch bei 36,05 Euro, erreicht Ende Januar, bleibt die Aktie mit einem Abstand von 49,80 Prozent trotz der jüngsten Rally weiterhin deutlich entfernt.
Landstreitkräfte-Sparte verdoppelt sich, Ukraine-Anteil sinkt
Strukturell verschiebt sich das Geschäft von CSG spürbar. Die Sparte Land Systems hat ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt und stellt inzwischen 46 Prozent des gesamten Auftragsbestands. Der Bereich Defence Systems wuchs um 27 Prozent. Gleichzeitig sinkt die Abhängigkeit vom Ukraine-Geschäft: Der Anteil der Ukraine am Konzernumsatz fiel von 27 auf 17 Prozent. Europa ohne die Ukraine macht nun mehr als die Hälfte des Geschäfts aus, die USA sind laut Unternehmensangaben der zweitgrößte Markt. Zu den jüngsten Aufträgen zählt ein Großauftrag für Luftverteidigungssysteme in Südostasien im Umfang von rund 2,5 Milliarden US-Dollar. In der Munitionssparte „Ammo+“ lag die operative Marge im zweiten Quartal bei 8 Prozent.
Der Auftragsbestand insgesamt wuchs von 44 Milliarden Euro im März auf nun 46 Milliarden Euro – ein Rekordwert, der dem Unternehmen für die kommenden Jahre eine hohe Planungssicherheit gibt. Für das Gesamtjahr bestätigte das Management die Umsatzprognose von 7,4 bis 7,6 Milliarden Euro. Der Netto-Verschuldungsgrad liegt bei 1,6-fachem EBITDA, die Cash Conversion bei 86 Prozent – Kennzahlen, die auf eine finanziell stabile Basis für weiteres Wachstum hindeuten.
Munitionsausbau und Einstieg bei kanadischem Raketenentwickler
Parallel zu den Zahlen treibt CSG den Ausbau der eigenen Munitionsproduktion voran. Die Kapazität liegt derzeit bei 850.000 großkalibrigen Schüssen pro Jahr, bis Ende 2027 soll sie auf 1,1 Millionen Stück steigen. Der Ausbau soll die steigende Nachfrage aus Europa und darüber hinaus bedienen, ohne dass das Unternehmen dabei allein auf das Ukraine-Geschäft angewiesen bleibt.
Am Samstag wurde zudem bekannt, dass CSG als strategischer Investor bei North Vector Dynamics (NVD) einsteigt, einem kanadischen Entwickler für Luftverteidigung, präzisionsgelenkte Raketen, Drohnenabwehr (Counter-UAS) und Hyperschalltechnologien. Das im kanadischen Calgary ansässige und 2022 gegründete Unternehmen wird derzeit mit mehr als 90 Millionen US-Dollar bewertet, die genaue Investitionssumme von CSG blieb unveröffentlicht. NVD verfügt bereits über einen Vertrag mit dem kanadischen Verteidigungsministerium für Hyperschalltechnologien und entwickelt die Counter-UAS-Rakete CM-70. CSG will dem kanadischen Unternehmen im Gegenzug Zugang zu seiner Industriebasis und seinem Vertriebsnetz in NATO-Staaten verschaffen.
Kursreaktion: Gewinnmitnahmen trotz starker Zahlen
Dass die Aktie trotz übertroffener Erwartungen nachgab, dürfte vor allem mit der vorausgegangenen Kursentwicklung zusammenhängen. Nach dem steilen Anstieg der vergangenen Wochen nutzten offenbar viele Anleger die Zahlenvorlage, um Gewinne mitzunehmen. Fundamental liefert CSG mit dem Rekord-Auftragsbestand, der bestätigten Jahresprognose und der wachsenden Diversifizierung weg vom Ukraine-Geschäft dennoch Argumente für die These eines strukturell wachsenden Rüstungskonzerns. Die Investition in North Vector Dynamics passt in dieses Bild: CSG erweitert seine technologische Reichweite in Richtung Hyperschall- und Raketenabwehrsysteme, ohne dabei das Kerngeschäft mit Munition und Landsystemen zu vernachlässigen. Für Anleger bleibt die hohe Schwankungsbreite der Aktie ein Risikofaktor, den die jüngste Kursbewegung erneut unterstrichen hat.
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