14,78 Euro – so wenig war die CSG-Aktie seit Mai nicht mehr wert. Dabei brummt das Geschäft: Der tschechische Rüstungskonzern sitzt auf einem Rekordauftragsbestand von 17 Milliarden Euro, die operative Marge liegt stabil bei 24 Prozent. Doch zwei Konflikte überschatten die Zahlen: ein erbitterter Streit mit einem Minderheitsaktionär und das schrumpfende internationale Engagement für die Ukraine.
Der 31-Milliarden-Streit
Petr Kratochvíl, mit 10 Prozent an CSG Land Systems und 9 Prozent an der MSM Group beteiligt, fordert 35 Milliarden Tschechische Kronen für seine Anteile. Mehrheitseigner Michal Strnad bietet gerade einmal 4 Milliarden – ein Achtel davon. Die Verhandlungen sind festgefahren, die Gerichte in Tschechien und der Slowakei müssen nun entscheiden.
Der Konflikt eskalierte im März, als Kratochvíl als Vorstandsvorsitzender abberufen wurde. Seither hinterfragt er nicht nur die Bewertung seiner Anteile, sondern auch die Rechtmäßigkeit interner Umstrukturierungen seit Anfang 2026. Eine außergerichtliche Einigung ist nicht in Sicht. Bis die Gerichte urteilen, blockiert Kratochvíl mit seinen Anteilen zentrale Entscheidungen – ein Risiko, das Anleger nervös macht.
Ukraine-Initiative verliert an Fahrt
Neun von 18 Ländern haben sich bereits aus der tschechischen Munitionskampagne für die Ukraine zurückgezogen. Seit Ministerpräsident Andrej Babiš im Dezember wieder an die Macht kam, bröckelt die Unterstützung. Sein Wahlversprechen: Kein tschechisches Geld für ukrainische Waffen.
Seit 2024 lieferte das Programm über vier Millionen Artilleriegranaten – genug für die Hälfte des ukrainischen Bedarfs. Doch CSG-Chef Michal Strnad räumt ein: „Das Tempo hat sich verlangsamt.“ Einige Staaten kaufen nun direkt bei Herstellern, statt über die Initiative. „Tot ist sie nicht, aber sie läuft langsamer“, so Strnad.
Für CSG bleibt die Ukraine ein wichtiger Markt. Erst Anfang Juni startete eine Lizenzkooperation mit Ukrainian Armor: In der Ukraine werden nun jährlich 100.000 NATO-standardisierte 155-mm-Granaten und 50.000 105-mm-Granaten produziert. CSG liefert Technologie und Komponenten, die Endmontage erfolgt vor Ort.
Analysten sehen Kurspotenzial – der Markt nicht
Trotz der operativen Stärke notiert die Aktie 59 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 36,05 Euro. Der Relative-Stärke-Index (RSI) liegt bei 30,7 – knapp über der Schwelle zum überverkauften Bereich. Zehn Analysten raten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 32,05 Euro.
Die nächsten Zahlen kommen Anfang August. CSG selbst nennt zwei mögliche Termine: den 6. oder 7. August. Bis dahin bleibt die Aktie ein Spielball zwischen robusten Fundamentaldaten und den offenen Governance-Risiken.
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