Ein Umsatzsprung von 114,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und das Übertreffen der Gewinnerwartungen reichten nicht aus, um die Anleger von Credo Technology Holding zu beruhigen. Trotz einer starken Nachfrage nach Konnektivitätslösungen für künstliche Intelligenz (KI) erlebte das Papier eine turbulente Handelswoche, die von Sorgen über die künftige Profitabilität geprägt war.
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 479 Millionen US-Dollar, während der bereinigte Gewinn pro Aktie bei 1,20 US-Dollar lag.
Kurssturz trotz Erholungsversuch am Freitag
Die positiven Wachstumszahlen wurden am Markt durch einen massiven Ausverkauf überschattet. Auf Sicht von sieben Tagen verzeichnete die Aktie einen Rückgang von 27 Prozent, wobei sie zeitweise fast ein Drittel ihres Wertes verlor.
Erst am Freitag setzte eine leichte Gegenbewegung ein, bei der das Papier um 3,9 Prozent zulegte und bei 170,57 US-Dollar schloss. Damit notiert der Wert seit Jahresbeginn noch immer mit rund 19 Prozent im Plus, liegt aber deutlich unter seinen Höchstständen vom Sommer.
Dieser starke Rückgang wird von Marktbeobachtern vor allem auf die Entwicklung der Bruttomarge zurückgeführt. Während Credo Technology operativ von der KI-Welle profitiert, sank die Bruttomarge nach Rechnungslegungsstandard GAAP auf 64,5 Prozent.
Im vorangegangenen Quartal hatte dieser Wert noch bei 68 Prozent gelegen, im Vorjahreszeitraum bei 67,4 Prozent. Analysten wiesen darauf hin, dass die Kosten für Akquisitionen und Abschreibungen den Spielraum für Gewinne derzeit merklich einschränken.
Kundenkonzentration und Kapitalmaßnahmen belasten
Ein weiterer Risikofaktor, der das Vertrauen der Investoren dämpfte, ist die starke Abhängigkeit von wenigen Großkunden. Medienberichten zufolge entfallen rund 84 Prozent des gesamten Umsatzes auf lediglich vier Auftraggeber.
Der größte einzelne Kunde steuert dabei allein 33 Prozent zu den Erlösen bei. Diese Konzentration macht das Geschäftsmodell anfällig für Budgetkürzungen oder Strategiewechsel bei diesen Tech-Giganten, was in einem fragilen Marktumfeld kritisch beäugt wird.
Zusätzlich sorgte eine geplante Kapitalmaßnahme für Verkaufsdruck. Credo Technology hat eine sogenannte Shelf-Registrierung für Mitarbeiteraktienprogramme (ESOP) im Volumen von rund 2,09 Milliarden US-Dollar eingereicht. Diese umfasst über 10,1 Millionen neue Aktien.
Anleger befürchten hierdurch eine Verwässerung ihrer Anteile um etwa 8,3 Prozent, was die Stimmung zusätzlich belastete. Hinzu kamen zahlreiche Insider-Verkäufe in den vergangenen sechs Monaten, denen in diesem Zeitraum keine Käufe durch das Management gegenüberstanden.
Analysten korrigieren Kursziele nach unten
Die Wall Street reagierte prompt auf die neuen Zahlen und die gesunkenen Margen. Die Analysten von JPMorgan senkten ihr Kursziel für Credo Technology von zuvor 335 US-Dollar auf nun 310 US-Dollar, behielten ihre Einstufung jedoch bei. Sie verwiesen auf das weiterhin starke Wachstumspotenzial im Bereich der optischen Konnektivität, das die kurzfristigen Margenprobleme langfristig ausgleichen könnte.
Ähnlich äußerte sich die Bank of America, die ihr Ziel von 340 US-Dollar auf 275 US-Dollar reduzierte. Trotz der Senkung bleibt das Haus bei einer Kaufempfehlung und sieht in dem jüngsten Kurssturz eine mögliche Überreaktion des Marktes. Die Experten betonen, dass Credo Technology technologisch führend bleibe, was unter anderem durch den erfolgreichen Abschluss von Konformitätstests für neue PCIe-Retimer-Chips unterstrichen wurde.
Für das gesamte Geschäftsjahr 2027 zeigt sich das Management weiterhin optimistisch. Es wird ein Umsatzwachstum von mehr als 85 Prozent prognostiziert. Vor allem der optische Umsatz soll einen wesentlichen Beitrag leisten und die Marke von 600 Millionen US-Dollar überschreiten.
Ob diese Wachstumsdynamik ausreicht, um die schrumpfenden Margen und die hohe Bewertung von 12-fachem erwartetem Umsatz zu rechtfertigen, bleibt der entscheidende Faktor für die kommenden Monate.
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