Der Werkstoffhersteller Covestro zeigt sich in einem komplexen Marktumfeld widerstandsfähig. Während der Konzern seine finanziellen Ziele für das laufende Jahr bekräftigt, schreiten sowohl die personelle Neuausrichtung als auch die strategische Integration in den ADNOC-Verbund voran. Zeitgleich bewältigt das Unternehmen operative Engpässe an heimischen Standorten.
Solide Halbjahreszahlen und bestätigte Prognose
Covestro hat am Freitag seinen Finanzbericht für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt und dabei die erst am 9. Juli angehobene EBITDA-Prognose für das Gesamtjahr bestätigt. Diese Stabilität im operativen Geschäft stützt die aktuelle Bewertung an der Börse. Mit einem Kurs von 60,20 Euro notiert das Papier weiterhin über dem festgesetzten Barabfindungsangebot von 59,46 Euro, das der Mehrheitsaktionär XRG (ADNOC) im Frühjahr im Zuge des Squeeze-out-Verlangens für die Minderheitsaktionäre definiert hatte.
Personeller Wechsel im Finanzressort
Im Zuge der laufenden Integration durch ADNOC konkretisieren sich die Veränderungen im Management. Wie das Unternehmen mitteilte, wird Christian Baier das Finanzressort im September verlassen. Die Nachfolge ist bereits geregelt: Der Aufsichtsrat hat Klaus Fröhlich mit Wirkung zum 1. Oktober zum neuen Chief Financial Officer (CFO) ernannt. Diese Personalie ist Teil einer umfassenderen Neuausrichtung an der Konzernspitze, da auch der Vorstandsvorsitzende Markus Steilemann angekündigt hat, seinen bis Mai 2028 laufenden Vertrag nicht über dieses Datum hinaus zu verlängern.
Logistische Herausforderungen durch Niedrigwasser
Operativ kämpft der Konzern aktuell mit den klimatischen Bedingungen am Rhein. Aufgrund der kritischen Niedrigwasserlage musste Covestro Force Majeure für seine Polyether-Polyol-Produktreihe am Standort Dormagen erklären. Die Versorgung mit dem essenziellen Rohstoff Propylenoxid, die maßgeblich über den Schiffsweg erfolgt, ist derzeit erheblich eingeschränkt. Medienberichten zufolge reagiert das Unternehmen mit dem Einsatz spezieller Niedrigwasserschiffe und einer erhöhten Taktung der Transporte, um die Logistikketten so stabil wie möglich zu halten.
Ausbau der Kapazitäten und Kreislaufwirtschaft
Ungeachtet der kurzfristigen logistischen Hürden investiert Covestro weiter in globales Wachstum und nachhaltige Technologien. Der Konzern hat ein strategisches Investitionsprogramm zum Ausbau der Kapazitäten für Methylendiphenyl-Isocyanat (MDI) initiiert. Kernstück ist der Bau einer neuen World-Scale-Anlage in Shanghai mit einer Kapazität von 660 Kilotonnen pro Jahr. Zudem wird eine Machbarkeitsstudie für einen weiteren Standort in Al Ruwais in den Vereinigten Arabischen Emiraten durchgeführt.
Im Bereich der Nachhaltigkeit vermeldeten Covestro und der Partner BioBTX Fortschritte bei der Gewinnung zirkulärer aromatischer Rohstoffe aus Kunststoffabfällen mittels katalytischer Pyrolyse. Covestro unterstützt die Entwicklung dieses Verfahrens bereits seit 2024 als strategischer Partner.
Die Marktkapitalisierung des Konzerns beläuft sich aktuell auf 11,10 Milliarden Euro. Mit dem aktuellen Niveau von 60,20 Euro wahrt die Aktie einen knappen Abstand von rund 2,1 Prozent zu ihrem 52-Wochen-Hoch, das am 9. Januar bei 61,50 Euro markiert wurde.
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