Corning-Aktien haben eine wilde Woche hinter sich. Erst ein Absturz von mehr als 13 Prozent an einem einzigen Tag, dann die Erholung. Am Freitag schloss das Papier bei 167,54 Euro, ein Minus von 0,53 Prozent — fast exakt auf dem 50-Tage-Durchschnitt von 167,17 Euro.
Die Zahlen dahinter zeigen das ganze Ausmaß der Volatilität. Auf Wochensicht steht ein Verlust von 5 Prozent zu Buche, auf Monatssicht dagegen ein Plus von fast 15 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdoppelt, ein Zuwachs von 116,52 Prozent. Zum Vorjahr beträgt die Rally sogar 274,77 Prozent.
Gewinnmitnahmen statt schlechter Nachrichten
Der Auslöser der jüngsten Talfahrt war keine Unternehmensmeldung. Anleger zogen sich aus KI-nahen Aktien zurück, Corning traf dieser Trend besonders hart. Zuvor hatte die Aktie binnen drei Monaten 100 Prozent zugelegt — eine Rally, die früher oder später Gewinnmitnahmen provozieren musste.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 238,30 Euro, erreicht am 30. Juni, bleibt die Aktie damit knapp 30 Prozent entfernt. Der technische Indikator RSI notiert bei 47,7 Punkten. Das signalisiert neutrales Terrain: weder überkauft noch überverkauft.
Kein Insider-Alarm bei Aktienverkäufen
Personalchefin Michelle Gullo tauchte zuletzt in einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht auf. Ihr wurden 18.378 Aktien einbehalten, um Steuern auf zugeteilte Restricted Stock Units zu begleichen. Ihr verbleibender Direktbesitz liegt bei 19.258 Aktien.
Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine automatische Transaktion zur Steuerbegleichung, keinen freien Verkauf am Markt. Ähnliche Vorgänge gab es zuletzt bei anderen Führungskräften. Michael O’Day, Chef der Sparte Optical Communications, ließ sich im Frühjahr 3.496 Aktien für Steuerzwecke einbehalten. Auch Gullo hatte bereits im April 13.149 Aktien aus Restricted Stock Units erhalten, 6.198 davon flossen direkt an den Fiskus. Solche routinemäßigen Vorgänge sagen nichts über die Stimmung des Managements gegenüber der eigenen Aktie aus.
Wall Street schraubt Kursziele weiter nach oben
Trotz der Turbulenzen bleiben Analysten optimistisch. Der Konsens liegt bei einem Kaufrating mit einem durchschnittlichen Kursziel von 206,60 Dollar. Bank of America hob ihr Ziel am 6. Juli auf 243 Dollar an, Mizuho ging am 1. Juli sogar auf 270 Dollar. Truist Securities erhöhte am 22. Juni auf 205 Dollar, hält aber an einem neutralen Rating fest. Oppenheimer zog von 210 auf 230 Dollar nach und bleibt bei „Outperform“.
Bank-of-America-Analyst Wamsi Mohan erwartet, dass die kommenden Quartalszahlen das Vertrauen in die zweite Jahreshälfte stärken. Optical Communications soll dabei Umsatz und Gewinn treiben, mindestens im Rahmen der Prognose. Als größte kurzfristige Belastung sieht Mohan das Solargeschäft. Ein Wafer-Übergang dürfte im zweiten Quartal zusätzliche Kosten von rund 30 Millionen Dollar verursachen, was auf die Margen drückt — der Effekt soll sich aber in der zweiten Jahreshälfte abschwächen.
Wachstumstreiber bleibt laut Mohan die Glasfaser- und Verkabelungssparte, getragen von der Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Bank of America hat ihre Schätzungen entsprechend angepasst: Für 2028 rechnet das Institut nun mit einem Gewinn je Aktie von 6,50 Dollar statt zuvor 5,95 Dollar. Der Umsatz soll bis 2028 auf 30,57 Milliarden Dollar steigen, ausgehend von prognostizierten 19,32 Milliarden Dollar im laufenden Jahr.
Quartalszahlen am 28. Juli im Blick
Der nächste Termin, der die Aktie bewegen dürfte, steht bereits fest: Corning veröffentlicht seine Quartalszahlen am 28. Juli 2026. Bank of America rechnet mit einem Umsatz von 4,65 Milliarden Dollar, leicht über der Unternehmensprognose von etwa 4,6 Milliarden Dollar. Beim bereinigten Gewinn je Aktie erwartet das Institut 76 Cent — nahe am oberen Ende der Konzernspanne von 73 bis 77 Cent.
Innerhalb der Optical-Sparte rechnet Bank of America mit einem Umsatz von 2,05 Milliarden Dollar, ein Plus von 30,7 Prozent zum Vorjahr. Das Unternehmenskundengeschäft soll dabei um 45 Prozent auf 1,12 Milliarden Dollar zulegen, das Carrier-Geschäft um 17 Prozent auf 932 Millionen Dollar.
Bis dahin bleibt der Blick auf den 50-Tage-Durchschnitt bei 167,17 Euro entscheidend. Hält die Aktie dieses Niveau, dürfte die Konsolidierung nach der starken Rally geordnet verlaufen. Rutscht sie darunter, könnte neue Unsicherheit vor dem Zahlentermin aufkommen.
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