Corning erlebte Anfang Juli einen heftigen Rückschlag. Nach einer beispiellosen Rallye stürzte der Kurs zeitweise um 13 Prozent ab. Zum Wochenende stabilisierte sich das Papier bei 176,38 Euro. Damit notiert der Wert ein knappes Viertel unter seinem jüngsten Rekordhoch. Die Jahresbilanz glänzt mit einem Kursplus von 128 Prozent aber weiterhin.
Index-Effekte und Insider-Verkäufe
Der vorherige Höhenflug hatte vor allem technische Gründe. Corning stieg in wichtige Wachstumsindizes von FTSE Russell auf. Passive Fonds kauften die Aktie daraufhin massiv. Die Bewertung schoss in die Höhe. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis übertraf zeitweise den Faktor 100.
Die Folge: eine drastische Korrektur. Marktbeobachter machten Gewinnmitnahmen für den plötzlichen Einbruch verantwortlich. Hinzu kommt ein Warnsignal aus der Unternehmensspitze. CEO Wendell Weeks und mehrere Vizepräsidenten verkauften Ende Juni massiv eigene Aktien. Die Führungskräfte stießen über 160.000 Papiere nahe dem Höchstkurs ab. Solche Insider-Verkäufe wecken oft Zweifel an der Nachhaltigkeit eines Aufwärtstrends.
Gegenwind im Solar-Geschäft
Operative Herausforderungen belasten die Stimmung zusätzlich. Das Management warnte vor Problemen in der Solar-Sparte. Wegen einer verlängerten Wartung steigen die Kosten im zweiten Quartal um rund 30 Millionen US-Dollar. Das drückt den Gewinn je Aktie um sieben US-Cent.
Trotz dieses Rückschlags erwartet der Vorstand ein starkes Gesamtquartal. Der Kernumsatz soll um etwa 14 Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar klettern. Für den Gewinn prognostiziert Corning ein Wachstum von rund einem Viertel gegenüber dem Vorjahr.
Analysten sehen weiteres Potenzial
Ein großer Teil der Wall Street bleibt zuversichtlich. Die Investmentbank Mizuho hob ihr Kursziel trotz des Kursrutsches deutlich an. Die Experten trauen der Aktie nun 270 US-Dollar zu. Zuvor lag ihre Zielmarke bei 220 Dollar.
Auch im Branchenschnitt überwiegt der Optimismus. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 209 Dollar. Die enormen Kursschwankungen mahnen allerdings zur Vorsicht. Die annualisierte Volatilität erreicht extrem hohe 112 Prozent.
Corning veröffentlicht in den kommenden Wochen die Ergebnisse für das zweite Quartal. Dann trifft die erhoffte KI-Nachfrage nach Glasfasern auf die sportliche Bewertung. Erreicht der Umsatz tatsächlich die prognostizierten 4,6 Milliarden Dollar, dürfte sich der Kurs fangen. Ein Verfehlen der Ziele würde angesichts der jüngsten Insider-Verkäufe jedoch massiven Verkaufsdruck auslösen.
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