CoreWeave: Nvidias 2-Milliarden-Dollar-Wette

Der Chip-Gigant Nvidia verstärkt seine strategische Partnerschaft mit CoreWeave, einem spezialisierten KI-Rechenzentrumsbetreiber.

Auf einen Blick:
  • Nvidia verdoppelt Beteiligung an KI-Cloud-Anbieter
  • Gemeinsamer Ausbau von KI-Fabriken bis 2030 geplant
  • CoreWeave verzeichnet Milliarden-Auftragsbestand
  • Geschäftsmodell birgt hohe Schulden und Risiken

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

während die Börsenwelt gebannt auf die nächsten Quartalszahlen der Tech-Giganten starrt, hat sich diese Woche eine bemerkenswerte Transaktion ereignet. Nvidia investiert weitere 2 Milliarden Dollar in ein Unternehmen, von dem die meisten Anleger noch nie gehört haben. CoreWeave heißt die Firma, und sie könnte die Blaupause für ein völlig neues Investmentthema liefern.

Die Nachricht ließ die CoreWeave-Aktie am Montag um fast 6 Prozent steigen. Doch viel interessanter als der Kurssprung ist die Frage, was diese Investition über die Zukunft der KI-Infrastruktur verrät. Denn während alle von künstlicher Intelligenz sprechen, übersehen viele, wer die eigentliche Arbeit macht.

Die unsichtbaren Kraftwerke der KI-Revolution

CoreWeave betreibt Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Das klingt zunächst wenig spektakulär. Doch das Geschäftsmodell unterscheidet sich fundamental von klassischen Cloud-Anbietern wie Amazon Web Services oder Microsoft Azure. CoreWeave gehört zu den sogenannten Neoclouds, einer neuen Generation von Infrastrukturanbietern, die sich ausschließlich auf rechenintensive KI-Anwendungen spezialisiert haben.

Das Unternehmen kauft Nvidias teuerste Chips, baut damit hochspezialisierte Rechenzentren und vermietet die Kapazität an Firmen wie OpenAI oder Meta. Der Clou liegt in der extremen Spezialisierung. Während traditionelle Cloud-Anbieter für allgemeine Computeraufgaben optimiert sind, sind CoreWeaves Anlagen ausschließlich für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle ausgelegt.

Diese Fokussierung zahlt sich aus. CoreWeave hat bereits Verträge im Wert von 55,6 Milliarden Dollar abgeschlossen. Für das laufende Jahr wird ein Umsatz von 5,1 Milliarden Dollar erwartet. Zum Vergleich: Bei der Erstnotierung vor einem Jahr lag der Ausgabepreis bei 40 Dollar. Zwischenzeitlich vervierfachte sich die Aktie, bevor Zweifel am Geschäftsmodell aufkamen.

Warum Nvidia so tief in die Tasche greift

Nvidias jüngste Investition sendet ein klares Signal. Der Chip-Gigant zahlt 87,20 Dollar pro Aktie, also deutlich unter dem aktuellen Kurs von rund 98 Dollar. Das mag zunächst nach einem guten Deal für Nvidia aussehen. Doch die wahre Botschaft liegt tiefer.

Mit der Transaktion verdoppelt Nvidia seine Beteiligung an CoreWeave nahezu. Das Unternehmen wird damit zum drittgrößten Aktionär nach dem Vermögensverwalter Magnetar Capital und CoreWeave-Chef Michael Intrator. Nvidia ist gleichzeitig Lieferant, Kunde und Investor. Diese dreifache Rolle zeigt, wie strategisch wichtig CoreWeave für den Chip-Hersteller geworden ist.

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Die beiden Unternehmen haben vereinbart, gemeinsam KI-Fabriken mit einer Gesamtkapazität von 5 Gigawatt bis 2030 zu bauen. Diese Zahl wirkt abstrakt, wird aber greifbar, wenn man die Investitionssumme betrachtet. Die geplanten Anlagen werden etwa 250 Milliarden Dollar kosten. Nach Schätzungen von Nvidia-Chef Jensen Huang fließen 70 Prozent dieser Summe als Umsatz zurück an Nvidia. Das entspricht 175 Milliarden Dollar.

Nvidia schafft sich also systematisch seine eigene Nachfrage. Das Unternehmen finanziert den Ausbau von Rechenzentren, die wiederum Nvidia-Chips kaufen müssen. CoreWeave verpflichtet sich im Gegenzug, mehrere Generationen von Nvidia-Hardware einzusetzen, darunter die kommende Vera-Rubin-Plattform und Bluefield-Speichersysteme. Diese langfristige Bindung sichert Nvidia nicht nur Umsätze, sondern auch die Kontrolle über Standards in der KI-Infrastruktur.

Das Risiko im Geschäftsmodell

So überzeugend die Wachstumsstory klingt, so real sind auch die Risiken. CoreWeave finanziert sein aggressives Wachstum primär über Fremdkapital. Das Unternehmen nimmt Schulden mit hohen Zinssätzen auf, kauft damit Nvidia-Chips und baut Rechenzentren. Die Hoffnung: Die Mieteinnahmen übertreffen langfristig die Kapitalkosten.

Diese Strategie funktioniert nur, solange die Nachfrage nach KI-Rechenkapazität weiter explodiert. Sollte die KI-Euphorie nachlassen oder große Tech-Konzerne ihre eigenen Rechenzentren ausbauen, könnte CoreWeave auf teuren Schulden sitzenbleiben. Die Anleihen des Unternehmens zeigen bereits Nervosität. Eine 9,25-Prozent-Anleihe mit Fälligkeit 2030 notiert derzeit bei 98 Cent, nachdem sie im Oktober noch 105 Cent erreicht hatte.

Im November löste CoreWeave einen Kursrutsch von 16 Prozent an einem einzigen Tag aus. Der Grund: Ein Partner hatte sich bei einem Rechenzentrum-Projekt verzögert. CoreWeave verlässt sich stark auf Drittanbieter für Bau und Betrieb seiner Anlagen. Solche Verzögerungen können die Ertragsplanung erheblich durcheinanderbringen.

Das Management reagiert auf diese Kritik. CoreWeave beginnt, mehr eigene Standorte zu bauen statt auf externe Partner zu setzen. Nvidias finanzielle Unterstützung dürfte diesen Übergang erleichtern. Zudem arbeiten beide Unternehmen daran, CoreWeaves Cloud-Software für Nvidias KI-Referenzarchitekturen zu validieren. Das könnte CoreWeave eine neue, margenstarke Einnahmequelle erschließen.

Die Investmentperspektive für Anleger

CoreWeave steht exemplarisch für eine neue Anlageklasse. Das Unternehmen ist weder klassischer Software-Anbieter noch traditioneller Hardware-Hersteller. Es ist ein Infrastructure-as-a-Service-Anbieter für das KI-Zeitalter. Diese Positionierung zwischen etablierten Kategorien macht die Bewertung schwierig.

Auf der einen Seite steht ein gigantischer Auftragsbestand von über 55 Milliarden Dollar. Auf der anderen Seite belastet die hohe Verschuldung. Für 2025 plant CoreWeave Investitionsausgaben im zweistelligen Milliardenbereich. Der Finanzchef kündigte an, dass die Ausgaben 2026 auf über das Doppelte steigen werden, möglicherweise auf 30 Milliarden Dollar.

Marktbeobachter wagen dennoch optimistische Prognosen. Bei Erreichung der 5-Gigawatt-Kapazität könnte CoreWeave 2030 etwa 90 Milliarden Dollar Umsatz generieren. Das wäre ein spektakuläres Wachstum von heute 5 Milliarden auf das 18-fache in fünf Jahren.

Diese Prognose steht und fällt allerdings mit zwei Annahmen. Erstens: Die Nachfrage nach KI-Rechenleistung wächst weiter exponentiell. Zweitens: CoreWeave gelingt es, die benötigte Energie zu beschaffen. Fünf Gigawatt entsprechen der Leistung mehrerer Großkraftwerke. Die Sicherung dieser Energiemengen wird zur kritischen Aufgabe. Bereits heute konkurrieren Rechenzentren mit Industriebetrieben und privaten Haushalten um verfügbare Stromkapazitäten.

Was die Transaktion über Nvidia verrät

Nvidias Investment offenbart auch etwas über die eigene Strategie. Der Chip-Hersteller baut sich aktiv ein Ökosystem abhängiger Partner auf. In der vergangenen Woche kündigte Nvidia zwei weitere Milliarden-Investments an. Das Unternehmen nutzt seine Finanzkraft systematisch, um die eigene Marktposition abzusichern.

Diese vertikale Integration birgt Chancen und Risiken. Nvidia profitiert von garantierten Abnehmern und kann seine neuesten Technologien direkt in großem Maßstab deployen. Gleichzeitig bindet sich das Unternehmen an Partner, deren Erfolg nicht garantiert ist. Sollte CoreWeave scheitern, wäre Nvidia nicht nur finanziell, sondern auch strategisch betroffen.

Die enge Verzahnung macht aber auch deutlich, wie ernst Nvidia die KI-Revolution nimmt. Jensen Huang spricht vom größten Infrastruktur-Ausbau in der Geschichte der Menschheit. CoreWeave fungiert dabei als Beschleuniger, der hilft, die gewaltigen Investitionssummen zu mobilisieren und zu verteilen.

Das große Bild für Investoren

Die CoreWeave-Geschichte zeigt exemplarisch, wie sich die KI-Infrastruktur entwickelt. Während die Aufmerksamkeit auf ChatGPT und anderen Anwendungen liegt, entsteht im Hintergrund eine komplett neue Industrie. Diese Neocloud-Anbieter könnten in den kommenden Jahren zu den wichtigsten Profiteuren der KI-Revolution werden.

Für Anleger ergibt sich daraus eine interessante Perspektive. CoreWeave ist hochspekulativ und volatil, aber das Unternehmen steht nicht allein. Es repräsentiert ein Geschäftsmodell, das auch andere Firmen verfolgen. Die Frage ist nicht, ob KI-Infrastruktur weiter wachsen wird, sondern wer am Ende die Gewinner sein werden. Nvidia hat mit seiner 2-Milliarden-Investition jedenfalls eine klare Antwort gegeben, auf wen der Chip-Gigant setzt.

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