Während der Cloud-Infrastruktur-Spezialist CoreWeave operativ mit massiven Zuwächsen beim Auftragsbestand von sich reden macht, setzt die Unternehmensführung deutliche Signale auf der Verkaufsseite.
Sowohl CEO Michael Intrator als auch die Chefjuristin Kristen McVeety haben in der vergangenen Woche Anteile im Wert von insgesamt mehreren Millionen Dollar veräußert. Diese Transaktionen finden in einem Marktumfeld statt, das zunehmend von Sorgen über die Bewertung und die Schuldenlast der großen Akteure im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) geprägt ist.
CEO Michael Intrator führt Verkäufe an
Am 25. August trennte sich CEO Michael Intrator von rund 308.000 Aktien des Unternehmens. Der Verkauf wurde zu einem Durchschnittspreis von 88,60 US-Dollar abgewickelt und spülte dem Firmenchef insgesamt 27,3 Millionen US-Dollar ein.
Medienberichten zufolge hielt Intrator nach dieser Transaktion noch immer einen direkten Bestand von knapp 1,5 Millionen Aktien. Nur einen Tag später, am 26. August, veräußerte auch die General Counsel des Unternehmens, Kristen McVeety, ein Paket von 2.100 Anteilen zu einem Kurs von 88,03 US-Dollar.
Beide Führungskräfte nutzten für diese Verkäufe vorab festgelegte Handelspläne nach der Rule 10b5-1. Solche Pläne werden von Insidern oft Monate im Voraus erstellt, um den Vorwurf des Insiderhandels zu vermeiden. McVeety hatte ihren Plan bereits im Mai 2025 initiiert, während der Plan des CEOs aus dem November 2025 stammt. Dennoch fallen die Verkäufe in eine Phase, in der Analysten die Kreditqualität der Branche genauer unter die Lupe nehmen.
Explosives Wachstum trifft auf Kreditwarnung
Operativ präsentiert sich CoreWeave weiterhin in einer starken Expansionsphase. Im zweiten Quartal 2026 konnte der Umsatz um 112 Prozent auf 2,6 Milliarden US-Dollar gesteigert werden.
Besonders beeindruckend liest sich der Auftragsbestand: Dieser sprang im Jahresvergleich um 246 Prozent auf 104 Milliarden US-Dollar. In den ersten Wochen des laufenden dritten Quartals kamen laut Unternehmensangaben bereits weitere Aufträge im Wert von 25 Milliarden US-Dollar hinzu.
Trotz dieser Wachstumsschübe mahnt die Ratingagentur Moody’s zur Vorsicht. In einer aktuellen Analyse weist Moody’s auf die enormen Investitionskosten hin, die KI-Dienstleister belasten. CoreWeave wird von der Agentur mit einem Ba3-Rating eingestuft, was die hohen Leasingverpflichtungen und Schulden widerspiegelt, die für den Aufbau der Rechenzentrumskapazitäten notwendig sind.
Die sechs größten „Hyperscaler“, zu denen CoreWeave gezählt wird, kommen zusammengerechnet auf Leasingverpflichtungen von 1,2 Billionen US-Dollar, wovon ein erheblicher Teil noch nicht einmal angebrochen ist.
Marktumfeld belastet KI-Werte
An der Börse geriet das Papier zuletzt unter Druck. Am heutigen Dienstag notiert CoreWeave bei 71,65 Euro, was einem Rückgang von 2,2 Prozent entspricht. Damit entfernt sich die Aktie weiter von ihrem 52-Wochen-Hoch, das am 10. Oktober 2025 bei 132,00 Euro markiert wurde. Das allgemeine Marktsentiment wurde gestern durch hawkishe Signale aus der US-Notenbank Fed und steigende Ölpreise belastet, was insbesondere zinssensitive Wachstumswerte unter Verkaufsdruck setzte.
Zudem mehren sich kritische Stimmen zur Bewertung. Während die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 bei 12,4 Milliarden US-Dollar liegt – eine deutliche Steigerung gegenüber den 5,1 Milliarden US-Dollar im Vorjahr –, weisen Marktbeobachter auf ein im Branchenvergleich hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis hin.
Das Unternehmen steht vor der Herausforderung, die gewaltigen Auftragsbestände in nachhaltige Profitabilität umzumünzen, während die Finanzierungskosten für die notwendige Hardware-Infrastruktur angesichts möglicher Zinsschritte hoch bleiben.
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