Es war ein Abend mit zwei Gesichtern. CoreWeave lieferte im ersten Quartal einen Umsatz von 2,08 Milliarden Dollar, plus 111,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und lag damit über den Schätzungen der Analysten. Soweit, so gut. Dann kam der Rest der Meldung, und die Aktie rauschte im nachbörslichen Handel um 9 Prozent nach unten.
Verlust und Ausblick verfehlen die Erwartungen
Beim bereinigten Verlust je Aktie standen 1,12 Dollar in den Büchern. Analysten hatten mit 0,91 Dollar gerechnet, manche sogar mit nur 0,89 Dollar. Der Nettoverlust kletterte auf 740 Millionen Dollar, nach 315 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Wer glaubte, das sei schon das schlechte Kapitel des Abends, hatte nicht auf den Ausblick gewartet.
Für das zweite Quartal erwartet CoreWeave einen Umsatz zwischen 2,45 und 2,6 Milliarden Dollar. Die Markterwartung lag bei 2,7 Milliarden Dollar. Beim Jahresziel hielt das Unternehmen an einer Spanne von 12 bis 13 Milliarden Dollar fest, der Mittelpunkt von 12,5 Milliarden Dollar liegt knapp unter der Konsensschätzung. Nicht dramatisch, aber eben auch nicht das, was der Markt hören wollte.
Fast 100 Milliarden Dollar Backlog
CEO Michael Intrator versuchte gegenzusteuern. „Dies war das stärkste Buchungsquartal in der Geschichte von CoreWeave, der Auftragsbestand hat annähernd 100 Milliarden Dollar erreicht“, sagte er. Konkret: 99,4 Milliarden Dollar, dazu rund 3,5 Gigawatt an vertraglich gesicherter Energiekapazität. Bis 2030 peilt CoreWeave mehr als 8 Gigawatt an. Kunden wie OpenAI und Anthropic stehen dahinter.
Das klingt nach einem Unternehmen, das boomt. Und das stimmt auch, nur eben zu einem Preis, der sich in der Bilanz niederschlägt.
25 Milliarden Dollar Schulden, und Nvidia kauft trotzdem
Die Technologie- und Infrastrukturkosten stiegen um 127 Prozent auf 1,27 Milliarden Dollar. Um das Wachstum zu finanzieren, nahm CoreWeave allein im ersten Quartal 8,5 Milliarden Dollar neue Schulden auf. Die Gesamtverschuldung nähert sich damit der 25-Milliarden-Dollar-Marke.
Nvidia sieht das offenbar entspannt. Der Chip-Riese kaufte im Quartal zusätzliche CoreWeave-Aktien im Wert von 2 Milliarden Dollar. Das ist kein Kleinanlegersignal, das ist ein Vertrauensvotum mit Gewicht. Die Aktie liegt trotz des nachbörslichen Absackers in diesem Jahr noch rund 80 Prozent im Plus.
CoreWeave Aktie Chart
Zwischen Training und Inferenz
Intrator hat eine klare These, und er trägt sie selbstbewusst vor: CoreWeave sitze zwischen den Modellen und dem Silizium, genau dort, wo der Markt gerade hinwandere, nämlich von der Modell-Entwicklung hin zur Inferenz, also zum tatsächlichen Betrieb von KI-Anwendungen. Ob das die Bewertung rechtfertigt, die CoreWeave derzeit trägt, ist eine andere Frage. 25 Milliarden Dollar Schulden und ein Nettoverlust von 740 Millionen Dollar in einem einzigen Quartal sind jedenfalls kein Kleingeld.
80 Prozent Kursgewinn in einem Jahr, 9 Prozent Abschlag in einer Nacht. CoreWeave bleibt das, was es immer war: nichts für schwache Nerven.
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