Ein Quartalsverlust von 1,6 Milliarden Dollar und gleichzeitig steigende Umsätze – bei Conagra klaffen Bilanzbild und operatives Geschäft weit auseinander. Der Grund liegt tief in der Bewertung der eigenen Marken, nicht im Tagesgeschäft. Zusätzlich greift der neue Vorstandschef zu einem Mittel, das Aktionäre selten goutieren: einer Kürzung der Dividende.
Abschreibung reißt Loch in die Bilanz
Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 verbuchte Conagra einen Nettoverlust von 1,6 Milliarden Dollar, umgerechnet 3,37 Dollar je Aktie. Im Vorjahresquartal hatte der Lebensmittelkonzern noch 256 Millionen Dollar Gewinn erwirtschaftet. Verantwortlich für den Umschwung sind zahlungsunwirksame Abschreibungen auf Firmenwerte und Markenrechte von 2,0 Milliarden Dollar, ausgelöst durch den anhaltenden Kursverfall der Aktie und den damit gesunkenen Börsenwert.
Bereinigt um diesen Sondereffekt sieht das Bild deutlich freundlicher aus: Der adjustierte Nettogewinn lag bei 228 Millionen Dollar, das adjustierte Ergebnis je Aktie bei 0,47 Dollar. Der Umsatz stieg um 3,6 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar – getrieben allerdings vor allem durch eine zusätzliche 53. Woche im Geschäftsjahr. Organisch, also ohne Kalendereffekte und Übernahmen, blieb der Umsatz flach.
Für das komplette Geschäftsjahr 2026 fällt die Bilanz gemischt aus: Der Umsatz sank um 2,9 Prozent, organisch um 0,4 Prozent. Die bereinigte operative Marge lag bei 11,3 Prozent, das bereinigte Ergebnis je Aktie bei 1,72 Dollar.
Dividende neu austariert
Parallel zu den Zahlen hat der Board eine Neuausrichtung der Ausschüttungspolitik beschlossen. Die Quartalsdividende wird auf 0,175 Dollar je Aktie festgelegt, zahlbar am 2. September 2026 an Aktionäre, die am 30. Juli 2026 im Bestand geführt sind. Auf das Jahr hochgerechnet entspricht das einer Dividende von 0,70 Dollar je Aktie.
CEO John Brase, der die Führung erst kürzlich übernommen hat, begründete den Schritt mit dem Ziel, die Verschuldung schneller zu senken und mehr Mittel in Marken und Lieferkette zu stecken. Die Kürzung soll finanzielle Flexibilität schaffen, unter anderem um das Markenportfolio künftig aktiver umbauen zu können. Seit Januar 1976 hat Conagra durchgehend Quartalsdividenden gezahlt – die Kontinuität bleibt damit erhalten, nur auf niedrigerem Niveau.
An der Börse kam die Kombination aus Milliardenverlust und Dividendenschnitt nicht gut an: Vorbörslich verlor die Aktie 3,19 Prozent auf 13,67 Dollar.
Für das laufende Geschäftsjahr 2027 rechnet Conagra mit einem organischen Umsatzrückgang zwischen 1 und 3 Prozent, einer bereinigten operativen Marge von 10,0 bis 10,5 Prozent und einem bereinigten Ergebnis je Aktie zwischen 1,40 und 1,50 Dollar. Die Prognose liegt damit unter dem bereinigten Ergebnis des abgelaufenen Jahres – ein Signal, dass die angekündigte Stabilisierung der Margen Zeit brauchen dürfte.
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