Commerzbank vor der Grundsatzentscheidung: Was der 14. September wirklich bringt

Symbolbild, KI-generiert

UniCredit hält knapp 50 Prozent an der Commerzbank. Hessens Bedingungen und der Termin am 14. September prägen den weiteren Fusionsprozess.

Auf einen Blick:
  • UniCredit nähert sich 50 Prozent
  • Rhein fordert Standort- und Markenschutz
  • Oddo BHF sieht Kontrollübernahme über 50 Prozent
  • Entscheidung über Verfahren am 14. September

Ausgangslage

Die Übernahmegespräche zwischen UniCredit und Commerzbank haben am Freitag eine neue politische Dimension bekommen. UniCredit-Chef Andrea Orcel traf Hessens Ministerpräsidenten Boris Rhein, der klare Bedingungen formuliert hat: Börsennotiz erhalten, Hauptsitz Frankfurt, Name und Marke bewahren, kein Verkauf des Firmenkundengeschäfts.

UniCredit hält nach eigenen Angaben inzwischen knapp unter 50 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank. Reuters berichtet unter Berufung auf elf befragte Analysten, Banker und Ökonomen, dass die deutsche Regierung einer Übernahme grundsätzlich zustimmend gegenübersteht und der Deal als Präzedenzfall für weitere europäische Bankenfusionen dienen könnte. Die Bundesregierung selbst hält weiterhin gut 12 Prozent an der Commerzbank.

Damit verdichtet sich, was seit Monaten schwelt, zu einer konkreten politischen Weichenstellung. Der Aktienkurs hat darauf bereits reagiert: Mit 41,86 Euro zum Freitagsschluss notiert das Papier nur noch knapp unter seinem 52-Wochen-Hoch von 42,11 Euro, das erst am Vortag markiert wurde.

Auf Jahressicht steht ein Plus von 28 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 16 Prozent. Diese Kursentwicklung nimmt einen Teil des Übernahmefantasie-Potenzials bereits vorweg – und genau das macht die kommenden Wochen entscheidend.

Die entscheidende Frage

Der eine Faktor, an dem sich alles entscheidet: Gelingt es, aus der aktuellen Stimmrechtsmehrheit von knapp 50 Prozent eine kontrollierte, verhandelte Fusion zu machen – oder bleibt es bei einer Pattsituation?

Oddo BHF beziffert die Wahrscheinlichkeit einer verhandelten Kontrollübernahme auf über 50 Prozent, während eine vollständige Blockade nur mit unter 20 Prozent Wahrscheinlichkeit veranschlagt wird. Die Analysten bestätigten am Freitag ihre „Outperform“-Einstufung mit einem Kursziel von 45 Euro.

Entscheidend ist, ob Berlin und Frankfurt tatsächlich verbindliche Zusagen zu Standort, Marke und Firmenkundengeschäft erreichen, oder ob Rhein und die Bundesregierung auf ihren Bedingungen beharren und UniCredit sie nicht erfüllen kann oder will.

Bullisches Szenario

Sollte sich UniCredit auf die von Rhein formulierten Bedingungen einlassen, entstünde ein Institut mit einer Bilanzsumme von mehr als 1,3 Billionen Euro – ein europäischer Bankenriese, der Berlin als Blaupause für weitere grenzüberschreitende Konsolidierung dienen könnte. Für Aktionäre wäre das ein Signal politischer Rückendeckung, das bislang gefehlt hat.

Parallel läuft der von der Commerzbank aufgelegte Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro weiter, der unabhängig vom Übernahmeausgang Kapital an die Aktionäre zurückführt und den Kurs stützt. Bleibt die politische Zustimmung bestehen und einigen sich beide Seiten auf einen Fusionsrahmen, dürfte das Kursziel von 45 Euro rasch in Reichweite rücken.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt in der Kluft zwischen politischer Rhetorik und tatsächlicher Verhandlungsbereitschaft. Rheins Forderungskatalog ist umfangreich – Börsennotiz, Hauptsitz, Marke, Firmenkundengeschäft – und jede einzelne Bedingung kann zum Streitpunkt werden.

Commerzbank selbst hatte ein Übernahmeangebot im Mai bereits abgelehnt, was zeigt, dass Vorstand und Aufsichtsrat keineswegs automatisch mitziehen. Sollte UniCredit auf einen höheren Kontrollanteil drängen, ohne die geforderten Zugeständnisse zu machen, droht eine Hängepartie, die den Kurs von seinem aktuellen Niveau nahe dem Jahreshoch zurückwerfen könnte.

Zudem bewegt sich der RSI von 67,7 bereits in einem Bereich, der auf eine gewisse Erschöpfung der jüngsten Rally hindeutet – der Kurs liegt 8,5 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt, was bei ausbleibenden positiven Nachrichten Konsolidierungspotenzial birgt. Hinzu kommt das makroökonomische Umfeld: Die EZB dürfte in der kommenden Woche den Leitzins weiter anheben, was Bankaktien grundsätzlich zugutekommt, gleichzeitig aber auch die Risikobereitschaft der Märkte insgesamt dämpfen könnte, sollte die Zinsentwicklung schärfer ausfallen als erwartet.

Ausblick

Solange die politische Kommunikation zwischen Frankfurt, Berlin und Mailand konstruktiv bleibt und UniCredit erkennbare Bereitschaft zeigt, auf die hessischen Bedingungen einzugehen, dürfte die Aktie ihre relative Stärke gegenüber dem breiten Markt behaupten – gestützt zusätzlich durch den laufenden Rückkauf.

Kippt die Stimmung jedoch, etwa weil UniCredit auf einer Mehrheitsübernahme ohne verbindliche Standortzusagen beharrt oder die Commerzbank-Führung erneut ablehnend reagiert, wäre ein Rücksetzer in Richtung des 50-Tage-Durchschnitts bei 38,59 Euro keine Überraschung.

Als nächster konkreter Termin gilt der 14. September, an dem sich laut bisheriger Berichterstattung über die Struktur des Verfahrens entscheiden soll – ein Datum, das Anleger in den kommenden Tagen genau im Blick behalten dürften.

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