Die Commerzbank hält keine eigenen Aktien mehr. Wie das Institut mitteilte, sank der Bestand zum Stichtag 19. August von zuvor 4,14 Prozent auf null Prozent. Die entsprechende Stimmrechtsmitteilung ging am 20. August heraus, einen Tag später folgte die Festsetzung der Gesamtzahl der Stimmrechte auf 1.080.847.095.
Der Schritt fällt in eine Phase, in der die Machtverhältnisse bei der Commerzbank neu geordnet werden. Nachdem der Bund seinen Anteil am vergangenen Sonntag an UniCredit verkauft hatte, notiert die Aktie seither um 1,2 Prozent höher und schloss am Montag bei 39,51 Euro. Damit liegt das Papier nur noch 1,5 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, das es Mitte August markiert hatte, und rangiert deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt von 38,09 Euro.
Weidmann pocht auf Überprüfung des Übernahmerechts
Aufsichtsratschef Jens Weidmann sorgt parallel für Gesprächsstoff. Er forderte eine Überprüfung des deutschen Übernahmerechts, weil UniCredit seiner Einschätzung nach durch ein „finanziell unattraktives Angebot“ und die Zusammenarbeit mit verbundenen Banken faktisch die Kontrolle über fast 50 Prozent der Stimmrechte erlangt habe, ohne allen Aktionären eine angemessene Kontrollprämie zu zahlen.
In einem Interview am Montag bestätigte er zudem technische Gespräche zwischen beiden Häusern über den rechtlichen Rahmen nach einer möglichen Genehmigung der Übernahme. Der Bund, der noch rund 12 Prozent hält, solle nach Weidmanns Ansicht vorerst als Aktionär an Bord bleiben, um deutsche Standortinteressen zu vertreten.
Auf regulatorischer Ebene zeichnet sich unterdessen eine wichtige Weichenstellung ab. Medienberichten zufolge sieht eine interne Vorprüfung der Europäischen Zentralbank keine Einwände gegen eine Kontrollübernahme der Commerzbank durch UniCredit, während die BaFin das aggressive Vorgehen der italienischen Großbank kritisiert haben soll. Diese unterschiedlichen Signale aus Brüssel und Frankfurt zeigen, wie umstritten der Übernahmeprozess innerhalb der europäischen Aufsicht bleibt.
Solide Geschäftszahlen untermauern die Bewertung
Operativ liefert die Commerzbank derzeit Argumente für Anleger, die auf eine eigenständige Zukunft setzen. Im zweiten Quartal stieg der Nettogewinn im Vorjahresvergleich um 94 Prozent auf 898 Millionen Euro und übertraf damit die Erwartungen der Analysten von 845 Millionen Euro.
Die Erträge kletterten um 9,3 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro, getragen von einem stabilen Zinsüberschuss und um 7 Prozent gestiegenen Provisionserträgen. Der Vorstand bestätigte das Jahresziel eines Nettogewinns von mindestens 3,4 Milliarden Euro für 2026 und kündigte ein neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro an.
Mit einer Marktkapitalisierung von aktuell 42,16 Milliarden Euro und einem Kurs, der binnen zwölf Monaten um 9,0 Prozent zugelegt hat, bewegt sich die Commerzbank in einem Spannungsfeld aus starker operativer Entwicklung und ungeklärter Eigentümerstruktur.
Der vollständige Abbau der eigenen Aktien beseitigt zumindest eine Unsicherheit: Das Institut selbst hält keine Stimmrechte mehr, die im Übernahmepoker eine Rolle spielen könnten. Die entscheidenden Fragen zur künftigen Kontrolle bleiben damit allein zwischen UniCredit, dem Bund und den Aufsichtsbehörden zu klären.
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