Fast zwei Jahre lang hat Bettina Orlopp die Stellung gehalten. Zusammen mit ihrem Management hat die Commerzbank-Chefin alles versucht, um eine Übernahme durch UniCredit abzuwenden. Runde um Runde von Gesprächen verlief im Streit, die Fronten schienen einbetoniert. Nun ist die Mauer gefallen.
Die weiße Fahne, intern verbreitet
In einem Beitrag auf dem Intranet der Bank, den Reuters einsehen konnte, schrieb Orlopp an die Belegschaft: „In den kommenden Wochen und Monaten werden Commerzbank und UniCredit Gespräche führen, um Schritt für Schritt zu definieren, wie wir vorangehen.“ Das klingt nach konstruktivem Dialog. Es ist in Wirklichkeit die Anerkennung einer Tatsache, die sich seit Monaten abzeichnete.
UniCredit hatte im September 2024 mit dem Einstieg begonnen. Seitdem hat die Mailänder Großbank ihren Anteil auf gut 44 Prozent aufgebaut, dazu kommen Call-Optionen auf weitere rund 3 Prozent, was den Zugang auf knapp 48 Prozent hebt. Bei der nächsten Hauptversammlung hätte UniCredit die Mehrheit. Orcel wusste das. Orlopp wusste das. Und nun weiß es auch die gesamte Belegschaft.
Orcel hatte Orlopp schlicht übergangen
Was die Situation noch pikanter macht: UniCredit-Chef Andrea Orcel hatte zuletzt angekündigt, er wolle mit der Bundesregierung und dem Betriebsrat über die gemeinsame Zukunft sprechen. Orlopps Management nannte er als Gesprächspartner nicht. Ein offenerer Affront ist im Bankenwesen kaum vorstellbar.
Aufsichtsratschef Jens Weidmann, der frühere Bundesbank-Präsident, hat daraufhin UniCredit aufgefordert, direkt mit dem Vorstand zu reden. Demnach räumt auch Weidmann ein, dass es an einer Machtübernahme durch die Italiener keinen Weg mehr vorbeigibt. Das ist jetzt geordneter Rückzug.
Die stärkste Commerzbank aller Zeiten, sagt Orlopp
Orlopp betont, die Commerzbank komme „als die stärkste Commerzbank ihrer Geschichte“ an den Verhandlungstisch, mit Rückendeckung von Aufsichtsrat, Bundesregierung und Belegschaft. Das mag stimmen. Trotzdem sitzt auf der anderen Seite jemand, der bereits fast die Hälfte des Unternehmens besitzt.
Die ECB-Genehmigung für die Kontrollübernahme könnte laut UniCredit schon im vierten Quartal dieses Jahres vorliegen. Dann wäre das Spiel endgültig vorbei. Zwei Jahre Widerstand, und am Ende entscheidet eine Behörde in Frankfurt.
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