Aufsichtsratschef Jens Weidmann geht in die Offensive. Er fordert öffentlich eine Überprüfung des deutschen Übernahmerechts, nachdem sich UniCredit mit einem aus seiner Sicht finanziell unattraktiven Angebot eine Beteiligung von 48 Prozent an der Commerzbank gesichert hat, ohne den Aktionären eine angemessene Kontrollprämie zu zahlen.
Der Vorstoß trifft einen wunden Punkt: Das offizielle Übernahmeangebot war zuvor von weniger als 18 Prozent der freien Aktionäre angenommen worden, dennoch verschaffte sich UniCredit über den Streubesitz de facto die Kontrolle über Aktionärsbeschlüsse.
Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sprach sich Weidmann zusätzlich dafür aus, dass die Bundesregierung ihren verbleibenden Anteil an der Bank vorerst behält, um deutsche Wirtschaftsinteressen während der laufenden Übernahmephase zu wahren. Der Aufsichtsratschef positioniert sich damit klar auf der Seite der Minderheitsaktionäre und stellt die Fairness des Übernahmeverfahrens grundsätzlich infrage.
Starke Zahlen als Kontrapunkt
Die operative Entwicklung der Bank liefert Weidmanns Argumentation zusätzliches Gewicht. Am vergangenen Dienstag meldete das Institut für das zweite Quartal einen Anstieg des Nettogewinns um 94 Prozent auf 898 Millionen Euro, nach einer Restrukturierungsbelastung von 493 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Die Analystenschätzungen von 845 Millionen Euro wurden damit deutlich übertroffen. Im Zwischenbericht zum 30. Juni bestätigte die Bank zudem ihr Jahresziel eines Nettogewinns von mindestens 3,4 Milliarden Euro sowie die Planung für Aktienrückkäufe im Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro.
Wer derart profitabel wirtschaftet, hat gute Argumente dafür, dass ein Übernahmeangebot den fairen Wert des Unternehmens widerspiegeln sollte. Genau hier setzt die Kritik des Aufsichtsratschefs an: Ein Angebot, das der operativen Stärke der Bank nicht gerecht wird, wiegt aus seiner Sicht besonders schwer, wenn es zugleich zur faktischen Kontrollübernahme reicht.
Belastung durch Cum-Ex-Anklage
Parallel zur Übernahmedebatte holt die Bank ein juristisches Altlastenkapitel ein. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hat am Donnerstag Anklage gegen vier ehemalige Mitarbeiter wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Cum-Ex-Geschäften aus dem Jahr 2008 erhoben.
Der Steuerschaden wird auf über 20 Millionen Euro beziffert. Für die aktuelle Kursentwicklung dürfte dies eine untergeordnete Rolle spielen, unterstreicht aber, dass die Aufarbeitung vergangener Geschäftspraktiken die Bank weiter begleitet.
Formal hat sich zudem die Aktienbasis verändert: Laut einer Stimmrechtsmitteilung nach § 41 WpHG beträgt die Gesamtzahl der Stimmrechte nach einer Kapitalmaßnahme zum 19. August nun 1.080.847.095.
Kurs behauptet sich nahe Jahreshoch
An der Börse zeigt sich die Aktie robust. Am Freitag schloss das Papier bei 39,08 Euro, ein Plus von 1,6 Prozent auf Tagessicht. Auf Monatssicht steht ein Zuwachs von 6,8 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn beläuft sich das Plus auf 8,2 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 40,11 Euro, erreicht Mitte des Monats, trennen die Aktie nur noch 2,6 Prozent. Trotz des politischen Widerstands aus dem Aufsichtsrat gegen die Konditionen der Übernahme scheint der Markt die fundamentale Stärke des Instituts weiterhin höher zu gewichten als die Unsicherheit rund um das laufende Übernahmeverfahren.
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