Der Aufsichtsratschef der Commerzbank, Jens Weidmann, hat sich am Sonntag vergangener Woche klar positioniert: Der Bund solle vorerst Aktionär der Bank bleiben, um die Interessen des Standorts Deutschland aktiv zu vertreten. Zugleich forderte er eine Überprüfung des deutschen Übernahmerechts. Damit rückt die Frage, wie viel Kontrolle UniCredit über die Commerzbank tatsächlich erlangt hat, wieder in den Mittelpunkt der Debatte.
Weidmanns Kritik hat einen konkreten Anlass: Von den 73 Prozent andienbaren Aktien wurden nur 18 Prozent tatsächlich angedient. Groß- und Privatanleger beteiligten sich mit weniger als 3 Prozent. Aus Sicht des Aufsichtsratschefs hat UniCredit dadurch eine faktische Mehrheit erreicht, ohne den Aktionären eine angemessene Kontrollprämie zu bieten.
Diese Konstellation nährt seine Forderung nach einer Reform der Übernahmeregeln – ein Vorstoß, der über den Einzelfall Commerzbank hinausweist und grundsätzliche Fragen zum Schutz von Minderheitsaktionären in Deutschland aufwirft.
Politisches Tauziehen um den Bund als Aktionär
Die Position Weidmanns steht im Spannungsfeld zur wirtschaftlichen Annäherung, die CEO Bettina Orlopp Anfang August signalisiert hatte. Sie hatte einen Tonwechsel vollzogen und erklärt, ein Zusammenschluss mit UniCredit könne für beide Seiten Wert schaffen – allerdings nur im Rahmen einer einvernehmlichen Lösung unter Einbindung von Unternehmensführung, Arbeitnehmervertretern und dem Bund als zweitgrößtem Aktionär.
Weidmanns Insistieren auf einer fortgesetzten Staatsbeteiligung liest sich damit auch als Versuch, dem Bund im weiteren Prozess ein Druckmittel zu erhalten.
Parallel dazu bereitet sich die Politik auf ein direktes Gespräch mit UniCredit-Chef Andrea Orcel vor: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil plant für den kommenden Monat ein Treffen mit ihm. Dieser Termin dürfte zeigen, ob sich Berlin und die italienische Großbank auf einen gemeinsamen Fahrplan verständigen können, oder ob die Fronten zwischen Aufsichtsrat, Politik und Übernehmer verhärtet bleiben.
Regulatorische Weichenstellung noch offen
Auch auf europäischer Ebene bewegt sich das Verfahren: Berichten zufolge lehnt sich die Europäische Zentralbank Mitte August zu einer Genehmigung der UniCredit-Übernahme.
Eine endgültige behördliche Freigabe ist jedoch weiterhin Voraussetzung dafür, dass UniCredit tatsächlich Zugriff auf bis zu 50 Prozent der Stimmrechte erhält. Bis dahin bleibt die Machtfrage bei der Commerzbank formal ungeklärt, auch wenn UniCredit faktisch bereits die größte Stimme im Aktionärskreis hat.
An der Börse zeigt sich das Papier von der politischen Unsicherheit bislang unbeeindruckt: Der Kurs schloss am Freitag bei 40,30 Euro und liegt damit nur 1,7 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 12 Prozent zu Buche – ein Signal dafür, dass Anleger trotz der ungelösten Übernahmefrage auf eine wertschaffende Lösung setzen, wie sie auch Orlopp in Aussicht gestellt hatte.
Für die kommenden Wochen bleibt die zentrale Frage, ob das Treffen zwischen Klingbeil und Orcel eine Annäherung bringt oder die Fronten zwischen Standortinteressen und Übernahmeambitionen weiter verhärtet. Weidmanns Forderung nach einer Reform des Übernahmerechts dürfte diese Gespräche zusätzlich belasten, weil sie die Legitimität des bisherigen Übernahmeprozesses grundsätzlich infrage stellt.
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